Neue rechtsdrehende Schlittenkulturen – Tschüss Winter. Komm bald wieder! • Von Friederike von Bülow
Autor: Edgar Wilkening | Foto: privat
Was tun, wenn es plötzlich wieder zu regnen droht? Wenn anstatt der lautlosen Flöckchen die Natur das Platschen der Regentropfen bevorzugt? Ganz einfach: Noch einmal schnell einen klassischen Schlitten bemühen und sich möglichst smarte Erhebungen, Hügelchen oder gar Berge suchen, um sich noch ein letztes Mal dem winterlichen Geschwindigkeitsrausch hinzugeben.
Einen Schlitten gab es gleich um die Ecke im Sportgeschäft. Der alte – ein aufblasbarer mit Haltegriffen – entpuppte sich, angesichts meines linken gebrochenen Fußes, als eher ungünstig. Viel zu unbequem. Der Klassiker aus Holz ist in einer solchen Situation deutlich besser. Und er hat ein Band, damit man sich ziehen lassen kann …
Den ersten Test absolviere ich gleich um die Ecke: kleinere Erhebung mit einem Mischmasch aus Eis und Schnee. Linker Fuß hoch, rechter Fuß auf die untere Schlittenstrebe und ab geht’s. Wunderbar. Hier musste ich auch nicht bremsen, habe mich einfach austrudeln lassen.
Das nächste Ziel: ein Berg! Naja – Berg. Diese Bezeichnung ist sicher norddeutsch geprägt. Es handelt sich um einen ehemaligen Müllberg im Norden Hamburgs. Was für eine Piste! Was für Geschwindigkeiten. Die Bobfahrer in Vancouver würden vor Neid erblassen.
Nur meine Bremstaktik sollte ich bei Gelegenheit nochmals überarbeiten. Ich bohrte – der gebrochene linke Fuß war weniger nutzbar – meine rechte Ferse willenskräftig in die Piste, versuchte, à la Bobfahrer, die vordere Hälfte des Schlittens zu lüpfen. Das klappte nicht. Dafür kam ich in zahlreichen mehr oder weniger eleganten Rechtsdrehungen irgendwann zum Stehen. Das endgültige Stehen könnte allerdings auch an der Tanne gelegen haben, die vor mir auf die Piste gesprungen ist …
Jetzt taut es. Schade. Tschüss Winter. Komm bald wieder! Mit ganz viel Schnee, bitte. Ich möchte dann nämlich in den Harz auf eine richtige Rodelbahn!
Friederike von Bülow





