Archive for März, 2010

Telefonisches Ungeziefer – und der ultimative Tipp, es loszuwerden

Telefonisches Ungeziefer – und der ultimative Tipp, es loszuwerden

Autor: Edgar Wilkening | Foto: iStockphoto.com/Andresr
Sie sind die Plage des 21. Jahrhunderts. Und überkommen einen, wie früher Heuschrecken das Land überfielen: Callcenter. Insbesondere solche, die sogenannte “cold calls” durchführen. Auch wenn die Branche selbst lieber von “out-bound calls” spricht. Also eiskalt Leute anrufen, ungefragt, ohne deren Einwilligung, um ihnen dann irgendwelche Ladenhüter aufzuschwatzen.

Viel ist über diese Plage schon gesagt worden. Vieles unternommen worden, um sie in den Griff zu kriegen. So dürfen die Heuschrecken ihre Plage mittlerweile nicht mehr “anonym”, also ohne Rufnummernanzeige übers Land bringen. Hat es was genützt?

Heute morgen klingelte mein Telefon und zeigte 00390173234015 an. Eine Rufnummer mit italienischer Landesvorwahl. Wer würde mich montagmorgens aus bella Italia anrufen? Sollte sich der Inhaber des kleinen italienischen Restaurants bei mir um die Ecke auf Heimaturlaub befinden und mir das jetzt mitteilen wollen?

Nachdem ich mich höflich mit Namen gemeldet hatte, war erst mal Pause. Und ich hörte auf der anderen Seite die typische Hintergrundkulisse eines geschäftigen Großraumbüros. Dann legte eine Frau mit Akzent los und erkundigte sich, ob sie mit Herrn Wickenning spräche. Hatte ich mich nicht eben gerade erst persönlich mit meinem Namen gemeldet? Typisch für telefonisches Ungeziefer: niemals hinhören, was der Andere sagt. Schließlich müssen die Drückerkolonnen ihr vorbereitetes Manuskript abspulen.

Wie reagieren Sie in solchen Situationen? Hören Sie sich das Gesabbel an? Darauf spekulieren die Nervensägen nur. Oder legen Sie einfach sofort wieder auf? Sehr wirksam. Jedenfalls für den Moment. Denn was wird bei nächster Gelegenheit passieren? Ihre Rufnummer ist ja “validiert”, wie man in der Callcenter-Branche so schön sagt: Dadurch, dass Sie sich gemeldet haben, kann das Ungeziefer sicher sein, dass Ihre Nummer existiert und Sie dort zu erreichen sind. Nur eine Frage der Zeit bis zum nächsten Anruf.

Bis mir eines Tages die ultimative Idee kam, um der Plage den Garaus zu machen. Mit der Mausefallen-Methode. So einfach, und so wirksam. Probieren Sie’s aus.

Das nächste Mal, wenn Sie telefonisches Ungeziefer im Haus haben, reagieren Sie freundlich. Und sagen Sie etwas wie “Oh, das klingt aber interessant!” Das ist das Stückchen Speck, das Sie brauchen, um Ihre Mausefalle scharf zu stellen. Die Maus schöpft keinen Verdacht und will gerade hoffnungsfroh auf den Kaufabschluss hinlenken, da lassen Sie die Falle zuschnappen. “Moment, mein Handy klingelt, bleiben Sie gerade mal dran?”, ist dafür bestens geeignet. Oder auch: “Sekunde, ich hab gerade was auf dem Herd, bin sofort wieder da!”

Schnapp!

Und dann: Telefon einfach beiseite legen. Nicht mehr anrühren. Einfach ignorieren. Und das Gegenüber zappeln lassen. In der irren Hoffnung, Sie kämen gleich vom Herd zurück. Oder vom Handy. Und würden dann den Kaufvertrag abschließen. Eine Art Telefonschleife. Nur eben der anderen Art.

Manchmal, wenn meine Mausefalle wieder mal zugeschnappt hat, bin ich immerhin höflich genug und lasse ein bisschen Musik nebenher laufen, damit es am anderen Ende der Leitung nicht allzu langweilig wird.

Funktioniert sensationell, diese Methode. Denn Sie treffen die Zeiträuber an ihrem empfindlichsten Punkt: ihrer eigenen Zeit. Und die bedeutet bares Geld. Wie viele Anrufe kann ein Callcenter-Agent pro Stunde machen? Und wie viele kann er nicht machen, wenn er in irgendeiner Leitung hängt? Jeder Anruf wird gemessen, alles exakt erfasst: Wer hat wann wie viele Telefonate durchgeführt, wie lange haben sie gedauert haben und mit welchem Ergebnis?

Was meinen Sie, wie schlecht die Statistik aussieht für jene, die in Ihre Mausefalle getappt sind? So wenig Telefonate? So lange telefoniert? Ohne Ergebnis? Sie können sicher sein: Ihre Rufnummer wird sehr, sehr schnell aus allen Callcenter-Listen verschwinden. Die Mäuse warnen sich untereinander: Finger weg von diesem Speck, Leute!

Die Dame heute morgen hat es immerhin volle neun Minuten ausgehalten. Erst dann kam das charakteristische Besetzt-Tuten aus meinem Hörer, mit dem angezeigt wird, dass das Gegenüber aufgelegt hat. Solides Mittelmaß. Andere sind auch schon mal zwanzig Minuten bei der Stange geblieben. Wie wär’s, wenn wir einen kleinen Wettbewerb daraus machen und unsere Best-Ergebnisse untereinander vergleichen würden? Eine Callcenter-Olympiade. Alles über zwanzig Minuten in der Telefonschleife ist rekordverdächtig. Also ran! Hoffentlich klingelt’s gleich. Und dann die Ergebnissse hier als Kommentar posten.

Jedenfalls bin ich mir sicher: Der nächste Anruf aus Italien kommt eher von meinem Restaurant-Italiener als von dieser Drückerkolonne. Am besten, ich gehe gleich heute Abend mal vorbei und schaue, ob er da ist. Oder auf Heimaturlaub in bella Italia.

Feeling fifty-fine –
Edgar Wilkening

PS: Sie wollen genau wissen, welche Drückerkolonne Sie angerufen hat? Sei es, um sich dort zu beschweren oder um die Firma den Behörden zu melden? Im 21. Jahrhundert haben wir dafür whocallsme.com. Dort werden Ungeziefernummern gespeichert. Einfach Nummer eingeben, ohne Registrieren oder andere Umstände. Und mit einem Klick haben Sie meist raus, wer Sie behelligt hat. In meinem Fall ergab sich, dass es sich um die Firma San Lorenzo aus dem ligurischen Impera handelte – alle Angaben inklusive Adresse und Telefonnummer. Das kann sich sehen lassen, oder?

März 22, 2010 Posted Under: Alle, Tipps   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Fabelhaft: Wilhelm Busch im Wasserbad

Fabelhaft: Wilhelm Busch im Wasserbad

Autor: Edgar Wilkening | Foto: Edgar Wilkening
Heute morgen erwartete mich in der Küche ein Wasserbad. Und wird mich womöglich auch noch den Rest des Tages begleiten.

Grund ist ein fabelhalter Fabelhaft von 2007. Der legendäre Wein von Kultwinzer Dirk van der Niepoort. Ein moderner, dichter Wein, im Douro-Tal gekeltert, der so ganz anders ist, als man sich einen portugiesischen vinho tinto gemeinhin vorstellt. Und dann dieses Etikett! Ein echter Hingucker, mit Zeichnungen von Wilhelm Busch.

Meinen Gästen gefiel der Wein jedenfalls so gut, dass sie einmütig forderten, das Etikett müsse aufgehoben werden. Als Erinnerung, als Gedächtnisstütze, als Einkaufshilfe.

Nun, als Gastgeber stelle ich mich den Wünschen meiner Gäste ungern in den Weg. Aber ein Etikett ablösen? Von einer Weinflasche? Im Wasserbad meiner Spüle? Im 21. Jahrhundert?

Kann sein, dass in den Achtzigern oder Neunzigern des letzten Jahrhunderts Etiketten noch mit wasserlöslichem Leim geklebt wurden. Da reichten zehn Minuten nasse Füße und schon trudelte das Etikett von selbst im Wasser rum. Im neuen Jahrtausend werden Etiketten jedoch mit Klebern verarbeitet, die sich jeglichen Wasserlösungsversuchen hartnäckig widersetzen. Weshalb meine Gäste zwar längst gegangen sind, in meinem Spülbecken aber immer noch eine Buddel darauf wartet, dass sich Wilhelms buschiges Etikett wenigstens ansatzweise von ihr lösen möge.

Liebe Gäste, ehe ich noch ein paar Tage warten muss, in denen sich keine Lösung abzeichnet, und damit ich mein Spülbecken wieder für die ihm eigentlich zugedachten Zwecke nutzen kann: Darf ich Euch eine ganz zeitgemäße Erinnerung, Gedächtnisstütze und Einkaufshilfe für den fabelhaften Fabelhaft anbieten? So, wie es sich im 21. Jahrhundert ziemt?

Hier kommt der direkte Link zu Niepoorts Fabelhaft. Okay, auch nicht wasserlöslich, das gebe ich zu. Aber ansonsten in jeder Hinsicht praktischer als ein tagelanges Wasserbad in meiner Küche. Und ich kann endlich die Flasche zum Altglascontainer bringen. Inklusive Etikett.

Feeling fifty-fine –
Edgar  Wilkening

März 13, 2010 Posted Under: Alle, Digi, Gusto   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Blumen zum Internationalen Frauentag: Kriegte man die früher nicht um die Ohren geklatscht?

Blumen zum Internationalen Frauentag: Kriegte man die früher nicht um die Ohren geklatscht?

Autor: Edgar Wilkening | Grafik: Blume 2000
Am 8. März ist Internationaler Frauentag, schreibt mir heute der Online-Blumenhändler Blume 2000. Und empfiehlt mir, anlässlich dieses Tages Blumengrüße zu versenden. An all die Frauen, “die immer für uns da sind.”

Um dann noch genauer zu erläutern, was es mit dem Weltfrauentag und den Frauen so auf sich hat: “Sie nehmen die Post entgegen, gießen die Blumen während unseres Urlaubes und babysitten, wenn Not am Mann ist.”

Na hoppla, wenn das Clara Zetkin wüsste!

Immerhin geht der Weltfrauentag auf sie zurück, wie Wikipedia zu berichten weiß. Entstanden im Kampf um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht der Frauen. Heute wird er offiziell als “Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden” begangen.

Tja, dann bringt’s der Online-Blumenhändler in seinem Schreiben wohl auf den Punkt: Gleichberechtigung? Genau! Heute dürfen auch Frauen die Post entgegennehmen. Wahlrecht? Aber natürlich! Frauen dürfen frei wählen, in welcher Reihenfolge sie die Blumen gießen. Not am Mann? Na bitte! Können Frauen zeigen, dass sie immer für uns da sind. Wenn das kein Grund ist, sofort den Rechten der Frau und dem Weltfrieden zuliebe Blumen zu ordern.

Ich kann mich jedenfalls noch an Zeiten erinnern, da hätte man uns Männern das Zeug um die Ohren gehauen, wenn wir zum Frauentag mit Blumen um die Ecke gekommen wären. Recht  so!

Feeling fifty-fine –
Edgar Wilkening

März 3, 2010 Posted Under: Alle, Leben   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Herrlich dämlich: Happy Birthday, Furby!

Herrlich dämlich: Happy Birthday, Furby!

Autor: Edgar Wilkening | Foto: Edgar Wilkening
Es gibt Sachen, die sind so herrlich dämlich, dass man schon sehr vergreist sein muss, wenn man sich nicht mit kindischer Freude dafür begeistern kann. Zum Beispiel Furbys achtzehnter Geburtstag.

Wie, Sie kennen Furby nicht? Schauen Sie mal hier. Nie zuvor gesehen? Glaube ich einfach nicht. Diese Kuschelmonster sind derart schreihässlich, dass man schon reichlich dement sein muss, um ihren Anblick je wieder von der Festplatte zu kriegen.

Umso skurriler, wenn man eine Einladung zum Geburtstag eines dieser Viecher erhält: Furby Aische feiert ihren Achtzehnten. Und lud aus diesem Anlass Freunde, Fans, Verehrer und andere Verrückte für den 26. Februar in die Café-Bar-Drehort in Nürnberg. Auf Facebook hatten sich schon gut hundert Leute auf der Gästeliste angemeldet. Was für ein himmelschreiender Quatsch! Klar, dass ich dabei sein musste. Zumal es der Zufall so wollte, dass ich just an jenem Tag in Nürnberg weilte.

Wirt Ali öffnet die Tür nur nach Klopfen. Zahlreiche Gäste lassen Furby schon hochleben. Unvermeidliche Begrüßung mit einem kokosmilchigen Furby-Schnäpschen. Und dann heißt es: Happy Birthday, Furby Aische! Denn Wirt Ali hat seinem schlohweißen Exemplar natürlich stolz einen türkischen Namen verpasst.

Und er schwört Stein und Bein, dass seine Furby heute achtzehn wird. Auch wenn Wikipedia zu berichten weiß, dass Furby erst 1998 von seinen Eltern Dave Hampton und Caleb Chung in die Welt gesetzt wurde. Demnach wäre Furby dieses Jahr erst zwölf geworden.

Allerdings hätte Wirt Ali ihr dann den Zugang zu ihrer eigenen Geburstagsfeier verweigern müssen. Das deutsche Jugendschutzgesetz lässt grüßen. Dann doch lieber den vorgezogenen Achtzehnten feiern. Zumal wir auf diese Weise noch ein paar weitere Jahre Gelegenheit für diesen herrlich dämlichen Blödsinn haben.

Feeling fifty-fine –
Edgar Wilkening

März 2, 2010 Posted Under: Yeah!   Jetzt Kommentar dazu schreiben