Archive for August, 2010

Einfach mal bleiben, wo man ist: Die Berliner Philharmoniker live auf St. Pauli

Einfach mal bleiben, wo man ist: Die Berliner Philharmoniker live auf St. Pauli

Autor: Edgar Wilkening | Fotos: Edgar Wilkening
Was für ein grandioser Auftakt! Waren Sie dabei vorgestern Abend? Eröffnung der Konzertsaison 2010/2011 der Berliner Philharmoniker. Auftaktkonzert unter der Leitung von Sir Simon Rattle. Beethovens Symphonie Nr. 4 B-Dur op. 60 und Mahlers Symphonie Nr. 1 D-Dur.

Sagen Sie jetzt nicht, Sie haben das verpasst! Dann haben Sie tatsächlich was verpasst. Dabei fand’s praktisch in der Nachbarschaft statt. In meinem Fall auf dem Spielbudenplatz, direkt an der Reeperbahn.

Die Berliner Philharmoniker? Live auf St.Pauli? Und ob! Wo sonst partywütiges Jungvolk auf der Suche nach dem schnellen 99-Cent-Rausch ist und musicalwütige Touristen ihre stadtfeine Kik-Garderobe ausführen, flutete am vergangenen Freitagabend das fantastische Auftaktkonzert des Hauptstadtorchesters über den Platz. Eines von drei Public Viewings, live übertragen aus Berlin, präsentiert auf Großbildleinwand, unter freiem Himmel. Übrigens parallel auch in 60 Kinos europaweit zu sehen gewesen.

Hat man musikalisch je etwas Komischeres gehört als den dritten Satz aus Mahlers Sinfonie an diesem Abend? Kommt daher als Trauermarsch: “Feierlich und gemessen, ohne zu schleppen”, schreibt der Komponist dazu. Basierend auf dem Kanon „Frère Jacques“. Und von Rattle und Konsorten intoniert als glatte Parodie. Abgrundtief komisch und berührend.

Okay, eigentlich war das Konzert eine Werbeveranstaltung. Für die Berliner Philharmoniker. Für die neue Konzertsaison. Und für einen Besuch der Hauptstadt. Nicht umsonst prangte überall die plumpe Aufforderung “Be Berlin”. Aber warum sollte man sich das antun, wenn man etwas so Großartiges auch in seiner Nachbarschaft erleben kann?

Ich finde: Bleiben wir viel öfter einfach mal da, wo wir sind, statt für alles Mögliche immer gleich durch die Gegend zu gurken. Und übertragen wir viel häufiger Erlebenswertes von irgendwo auf der Welt nach anderswo auf der Welt. Nicht nur Fußball aus Südafrika und “Wetten dass” aus Juppheidi. Sondern Spannendes, Großes, Sehenswertes, Einmaliges. Kunst, Kultur, Konzerte. Events, Erlebnisse, Ereignisse. Die technischen Möglichkeiten sind da. Und sie werden immer noch besser.

Digitale Daten um die Welt zu schicken ist viel einfacher, kostengünstiger, gesünder und umweltschonender als die zerbrechlichen Hüllen von Lebewesen mit allem Sack und Pack und der piekfeinen Kik-Garderobe durch die Landschaft zu karren oder über den Himmel zu heben.

Zugegeben: Die technische Umsetzung am Freitagabend hatte – höflich gesagt – noch Luft nach oben. Der Ton schepperte, der Stream hakelte bisweilen. Wahrscheinlich hatten irgendwo auf dem Weg von der Berliner Philharmonie zu uns bei der Technik noch Zweienzwanzigeuroachtzig eingespart werden müssen für die Leasingraten des Audi Cayenne oder BMW Q7 irgendeines Event-Geschäftsführers.

Aber das tut der Sache an sich keinen Abbruch: Es war ein großes Ereignis, das Hunderte Kilometer entfernt von uns stattfand – und das wir alle dennoch miterleben konnten. Auch Sie.

Sie haben’s nicht wirklich verpasst, oder? Sagen Sie jetzt bitte nicht, in Ihrer Nachbarschaft hätte es schließlich nicht stattgefunden! Wenn Sie in der Lage sind, diesen Blog hier aufzurufen und zu lesen, haben Sie im Prinzip auch alle Voraussetzungen, das Eröffnungskonzert zu verfolgen.

Denn parallel zu Public Viewings und Kino-Übertragungen gab es das Konzert auch als Live-Stream im Internet zu sehen. In der Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker. Grandios, diese digitale Konzerthalle. Wegweisend für künftige Eventerlebnisse. Und Musterbeispiel für die Idee, viel öfter digitale Daten um die Welt zu schicken statt zerbrechlicher Wesen. Klicken Sie mal rein: In der Digital Concert Hall können Sie das Eröffnungskonzert auch jetzt noch nachträglich erleben.

Und in Zukunft, wenn Sie mal wieder ein Ereignis wie diesen Saisonauftakt verpassen, lasse ich nur noch ein einziges Argument gelten: “Ich hatte etwas noch Besseres vor.”

Feeling fifty-fine -
Edgar Wilkening

August 29, 2010 Posted Under: Alle, Publik   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Im Showdown wurde scharf geschossen: Fotos vom Finale zum Whisky & Food Koch 2010

Im Showdown wurde scharf geschossen: Fotos vom Finale zum Whisky & Food Koch 2010

Autor: Edgar Wilkening | Fotos: Martin Luther / Classic Malts Selection
Ich bin so oft gefragt worden, wie es eigentlich zuging, damals im Finale zum Whisky & Food Koch 2010. Da kommen die Fotos gerade recht, die während des Showdowns geschossen wurden und mir neulich von der betreuenden Agentur zugingen.

Besser als viele Worte vermitteln die Bilder, wo alles stattfand, wie es dort zuging und vor allem: welche Gerichte die drei Finalisten aufgetischt haben. Et voilà!

Von jedem Gang mussten sieben Teller angerichtet werden: drei davon gingen an die Jury zum Bewerten, drei ans Publikum zum Kosten und einen bekam das Fototeam zum Shooting in der Hohlkehle.

Die Starküche Hamburg: eine toll ausgestattete Profiküche in U-Form, die jedem Finalisten eine ganz persönliche Seite bot.

Die Jury begutachtete jeden Gang und bewertete ihn in insgesamt acht verschiedenen Kategorien. Die Juroren: Whisky-Experte Clemens Dillmann, Sterne-Koch Jochen Kempf und GourmetReise-Chefredakteur Michael Pech.

Die Vorspeise von Philippe aus Bern, der am Ende den Titel gewann: Komposition aus orientalischem Salat, Lachsteriyaki und Jakobsmuschel in Bauchspeckstreifen.

Ricotta-Hagebutten-Ravioli an Ragout vom Ochsenschwanz: die Vorspeise von Oliver aus München.

Geflügelleber-Paté mit Wiesensalaten, kandierten Walnüssen und Malz-Vinaigrette: mein persönlicher Finalbeitrag für die Vorspeise zum Single Malt Whisky “Cardhu”.

Der Hauptgang des Siegers: asiatisches Pfeffersteak auf knackigem Gemüse mit Rosmarinkartoffeln.

Die Hauptspeise des Silber-Gewinners: geräuchertes Rote-Bete-Risotto mit Stilton und Kalbsleber.

Streifen vom Roastbeef mit gerösteten Gemüsen an Wasabi-Püree und dazu eine kräftig aromatische Jus: mein ganz persönlicher Hauptgang zum Single Malt Whisky “Talisker”.

Als süßer Abschluss das Dessert des Siegers: Schokoladenkuchen mit flüssigem Kern auf Himbeercoulis, serviert mit Haselnusseis und Shortbread. Man sieht: das Eis zerläuft schon. Beweis dafür, dass die Fotos nicht von Food-Stylisten gepimpt wurden – alles, was man sieht, ist echt und kam genau so auf die Teller.

Das Dessert von Platz Zwo: Scholokladentörtchen mit halbflüssigem Kern und Pfefferminz-Parfait auf Feigen-Carpaccio. Auch in diesem Fall mag das Eis die Wärme der Fotoleuchten leider nicht …

Und mein Menüabschluss: Steirischer Mohnkuchen mit karamellisierter Feige und Waldfrüchten an Limetten-Sabayon zum Single Malt Whisky “Singleton of Dufftown”.

Es kann nur Einen geben. Klares Votum der Jury nach dem Zusammenzählen aller Punkte: Das Rennen machte Philippe aus Bern: der sympathische Herr in der Mitte. Chapeau und Gratulation: Da ziehen wir anderen die Kochmütze. Aber ganz gleich, ob Bronze, Silber oder Gold: Es war für alle drei ein großartiger und spannender Tag.

Feeling fifty-fine –
Edgar Wilkening

August 25, 2010 Posted Under: Alle, Gusto   Jetzt Kommentar dazu schreiben