Archive for Oktober, 2012

Perfekt verkuppelt: Champagner mit Hafenblick und ein Sommelier, der die Korken nicht knallen lässt

Perfekt verkuppelt: Champagner mit Hafenblick und ein Sommelier, der die Korken nicht knallen lässt

Autor: Edgar Wilkening | Die tollen Fotos: Ole L. Blaubach / www.petite-photo.de
Obenrum Frack – unten Jeans. So mutig wie er Garderobe mixt, so mutig sind auch die Kombinationen, die Sommelier Carsten Laade bereithält, wenn er einlädt zu “Message in a Bottle”. Oder wann hatten Sie das letzte Mal Champagner zu – jawohl: zu Weißwürstel? Geht lässig zusammen. Wie Frack und Jeans.

Botschaften in Buddels: Bei Carsten Laade steht das für authentische Weine. Handwerklich hergestellt. Weitab vom aldiglichen Mainstream. Weine mit der Handschrift des Winzers. Der Rebsorte. Des Terroirs. So dass sie tatsächlich was zu erzählen haben, wenn man den Korken aus der Flasche hebelt. Nicht Everybody’s Darling. Sondern Weine mit Charakter. Mit Profil. Gern auch mit Ecken und Kanten.


Absolut vielversprechend. Agraffe und Korken weitab vom Flaschenhals? Obacht, das kann nur heißen: Sommelier Carsten Laade hat eine tolle Buddel am Wickel.

Persönliche Handschrift, das gilt für Carsten Laade umso mehr bei dem für viele edelsten Getränk: Champagner. Deshalb durfte niemand, der zur kleinen Runde gehörte, die letzten Donnerstag Botschaften in Buddels suchte, Clicquot & Co. erwarten. Hersteller, die jedes Jahr mehrere Millionen Flaschen raushauen, sind schon deshalb dazu verdammt, jedem am Markt schöne Augen zu machen.

Ort der Botschafts-Suche – nein, eben gerade keine Schickimicki-Bussi-Tussi-Hype-Location, wie’s der gemeine Stööößchen!-Schlürfer erwarten würde. Sondern das sympathisch schrammelige “Oberdeck”, der kleine Veranstaltungsraum oberhalb der legendären Hamburger Strandperle, in geheimnisvolles Öllampenlicht gehüllt, inklusive atemberaubendem Blick auf den Hafen. Edel-Champagner in rustikaler Umgebung: typisch Laade.


Klein, kleiner, Kult! Egly-Ouriet gilt als kleines, extrem feines Champagnerhaus. Und der Grand Cru als einer der besten Blanc de Noirs: die Buddel für schlappe 160 Euronen …

Rustikal auch, was es auf die Gabel gab. Jakobsmuscheln oder anderes inflationär angesagtes Gourmetgedöns: Fehlanzeige.

Stattdessen Blutwurst. Geselchtes vom Rind und vom Schwein. Lyoner Wurst. Safran-Aioli. Quittensenf. Fenchelsalat. Focaccia … Laade liebt es, den Champagner frech zu paaren. Da kann er zeigen, was er drauf hat. Der Schampus genauso wie der Sommelier.

Außerdem auf dem Speisezettel: die schon erwähnte bajuwarisch bodenständige Weißwurst. In ihrer Frische, Zartheit und feinen Würze harmoniert sie verblüffend gut mit dem französischen Edelgetränk. Hut ab, Herr Sommelier – prima verkuppelt!


Wie Jeans und Frack: rustikale Wurstplatte zum Top-Champagner – typisch Laade! Der Premier Cru von Larmandier-Bernier stilecht aus der Magnumflasche serviert.

Klingt, als hätte Sommelier Laade einen Abend lang mal richtig die Korken knallen lassen? Von wegen. Statt dessen zeigt er, wie’s richtig geht. Flasche und Korken jeweils mit einer Hand und dann: nein, eben nicht den Korken drehen. Sondern die Flasche. Vermeidet nicht nur unbemannte Flugobjekte im Raum, sondern auch Überschäumen. Ah, wieder was gelernt.

Überhaupt weiß Gastgeber Laade viel Spannendes zu berichten. Dass Burgund und Champagne ewig im Clinch lagen, wer besseren Wein macht; bis die Weine der Champagne zu bubbeln begannen – und daraufhin einzigartig wurden, was das Verhältnis zwischen Champagne und Burgund deutlich entspannte. Dass die Champagne nochmal früher nicht für Getränke berühmt war, sondern für Schafwolle; und die Wollproduzenten beim Wollkauf gratis Wein obendrauf gaben – bis die ersten Kunden sagten: “Behaltet eure Wolle, wir nehmen nur den Wein”; der Anfang vom Ende der Champagne als namhafter Wollelieferant …

Ungewöhnliche Geschichten zum Champagner statt aufgewärmter Allerwelts-Weisheiten: auch das so eine typische Laade-Verkupplung.


Lachsfarbener Abschluss. “Die Belle Epoque findet heute hier statt”, gab Sommelier Carsten Laade als Motto zum Rosé von Billecart-Salmon aus.

Wenn Sie mal Gelegenheit haben, einen der begehrten Botschafts-Abende zu erleben: unbedingt nutzen! Die Themen wechseln. Aber spannende Erlebnisse sind jedesmal sicher, wenn sich Sommelier Carsten Laade in Frack und Jeans schmeißt.

Die Termine für “Message in a Bottle” finden Sie immer aktuell auf weinbuehne.de. Tipp: rechtzeitig Plätze sichern, da immer nur etwa zehn, zwölf Personen dabei sein können. Klein und fein – wie die Weingüter, die der Gastgeber auswählt.

Feeling fine -
Edgar Wilkening


Bilder an den Wänden? Nö: Zimmer mit Aussicht! Die “Message in a Bottle”-Abende von Sommelier Carsten Laade sind abonniert auf außergewöhnliche Orte.

Oktober 31, 2012 Posted Under: Alle, Gusto   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Frage an die “Mordsküche”: Wie tödlich kann Büffelmozzarella sein?

Frage an die “Mordsküche”: Wie tödlich kann Büffelmozzarella sein?


Autor: Edgar Wilkening | Fotos: iStockphoto.com/gremlin (9)
Es gibt Bücher, die wollen unbedingt, dass auf sie hingewiesen wird. Die Krimi-Neuerscheinung “Mordsküche – Eiskalt um die Ecke gebracht” gehört dazu. Denn in seinem lesenswerten Inneren verbirgt der Band etwas Besonderes: eine Comedy-Story aus der Feder ausgerechnet jenes Autors, der auch diese Zeilen schreibt.

Das hier also ein Bericht in eigener Sache? Nicht wirklich … Meine eigene Kurzgeschichte gesellt sich ja brav zu sechzehn weiteren in diesem schönen Band.


In der “Mordsküche” haben Herausgeberin Greta Wallenhorst und Verlegerin Sonia Lauinger Kriminalgeschichten versammelt, die allesamt eines gemeinsam haben: eine tödliche Nähe zum Kulinarischen. “Wer dieses Buch gelesen hat, wird eine Einladung zum Essen mit ganz anderen Augen sehen”, versprechen die Macherinnen.

Da wird mit Messern Leben ausgehaucht, mit Giften hantiert wie mit Salz und Pfeffer, und immer, immer laufen tragische Konflikte auf ein tödliches Ende zwischen Teller, Tisch und Töpfen hinaus. Unterschätze also niemand die todbringende Phantasie kulinarisch veranlagter Autoren.

Und mehr noch: die von Autorinnen! Denn nur drei der siebzehn Krimis stammen von Männern. Die übrigen vierzehn, also knapp fünf Mal mehr, wurden von Schreiberinnen verfasst. Sagt das etwas über die Rolle der Frau im Literaturgeschäft? Oder womöglich doch über das Mordpotenzial, das in der weiblichen Psyche schlummert? Machen wir die Probe aufs Exempel. Und werfen einen nüchternen Blick auf die Statistik.


Am Ende des Buches haben sechs Frauen ihr Leben lassen müssen. Tragisch. Aber doppelt so viele Männer: nämlich dreizehn. Das ergibt schon mal einen Trend. Aber bestätigt sich diese Tendenz auch bei der Betrachtung von Täter vs. Täterinnen?

Nur in fünf der siebzehn Geschichten ist ein Mann der Ausführende. Einer davon richtet die Waffe dabei nicht gegen andere, sondern begeht Selbstmord. Damit reduziert sich die Zahl echter männlicher Mörder auf vier.

Dem gegenüber sind es in zehn Fällen Frauen, die die Tat begehen, also zweieinhalb Mal häufiger. Haben Frauen demnach ein größeres Bedürfnis ihr Leben zu verändern – und sei es durch drastische Maßnahmen? Oder fügen sich Männer einfach nur geduldiger in ihr Schicksal?


Und: Wie wird methodisch nach dem Leben getrachtet? Über die Nahrung zugeführte Gifte und scharfe Messer dominieren deutlich – was wunders beim Thema Küche. Sieben Opfer werden von der heimtückischen Wirkung eines Gifts überwältigt, sechs von einer Klinge. Drei weitere Spielarten sowie eine Story ohne Opfer komplettieren den Reigen. Ein bunter Mix an Motiven, Morden und Methoden. Was hier anhand der Statistik womöglich wie perfekte Frauenliteratur aussieht, wird aber auch Männern Spannung und Lesevergnügen bereiten.

Bliebe noch die Ausgangsfrage: wie tödlich Büffelmozzarella sein kann. Ich darf Ihnen versichern: sehr! Aus eigener Anschauung sozusagen. Denn es ist meine eigene Geschichte, in der ein italienischer Weichkäse zum tödlichen corpus delicti wird.

Eine Comedy-Story als Verneigung vor den großen Meisterdetektiven der Literaturgeschichte: von Nick Knatterton und Kalle Blomquist bis Sherlock Holmes und Hercule Poirot. Denn aufgeklärt wird der Fall im ganz, ganz klassischen “Whodunit”-Stil: vor versammeltem Publikum aller potenziell Verdächtigen und ausschließlich durch scharfe Beobachtungsgabe und raffiniertestes Kombinationsgeschick.

“Der Mozzarella-Mord” aus meiner Sammlung aberwitziger Abenteuer eines Weinliebhabers “Wer kann mir schon Baroli bieten?”: in der “Mordsküche” ab Seite 64. Viel Vergnügen!

Feeling fine -
Edgar Wilkening

Mordsküche – Eiskalt um die Ecke serviert
Anthologie mit 17 Kriminal-Kurzgeschichten
Herausgeberin: Greta Wallenhorst
Erschienen bei Der Kleine Buch Verlag, Karlsruhe, 2012
Paperback, 188 Seiten
ISBN-13:978-3-942637-18-3
Preis: circa 15 Euro

Oktober 23, 2012 Posted Under: Alle, Publik   Jetzt Kommentar dazu schreiben