Archive for the “Gäste” Category

Üffes – Nomen est Omen! • Von Jürgen Langenkämper

Üffes – Nomen est Omen! • Von Jürgen Langenkämper

Autor: Jürgen Langenkämper | Foto: iStockphoto.com/Rosemarie Gearhart
Andere Länder, andere Namen. Für meine Mutter war es ein schwerer Schlag, nach mehr als 50 Jahren zu erfahren, dass es für ihren “Jürgen” – das bin ich – gar keinen richtigen Namen gibt, wenn er ins Ausland fährt und sich Fremden vorstellt. Sie glauben, gar nicht zu welchen Verrenkungen der menschliche Sprechapparat von Lippe, Zunge und was sonst noch so dazu gehört, fähig ist, wenn ein in fremden Sprachen, speziell der deutschen, ungeübter Ausländer – sagen wir mal ein Franzose – den Namen zum allerersten Mal aussprechen soll und sich dabei der Etikette gemäß alle erdenkliche Mühe gibt.

Vielleicht liegt es daran, oder an den ungewohnten beiden Punkten über dem Vokal – in anderen Sprachen sogenannte Trema, aber im Deutschen Umlautpunkte –, dass sich bei amtlichen Dingen Behörden im Ausland stets meinen zweiten Vornamen notieren – wlelches und welcher mir gar nicht gefällt, was aber hier nichts zur Sache tut.

Junge Eltern, die schon mehrfach ins Ausland gefahren sind, scheinen weise zu sein – und außerdem haben sie ja mehr Auswahl, weil Reisen bekanntlich bildet. So lernt der junge Mensch heute doch schon allein nach einer Woche Fernsehen mehr neue Namen kennen als früher eine ganze Generation der Adeles, Adolfs, Alberts und Alwines, um nur am Anfang des Alphabets deutscher Vornamen anzufangen.

Häufig genug stellen einstmals junge Eltern nach ein paar Jahren jedoch fest, dass nicht nur sie allein schöpferisch waren, sondern dass andere offensichtlich dieselben Filme gesehen haben. Wie anders ist es zu erklären, dass es vor 20 Jahren plötzlich ganz viele Kevins gab und jetzt auch viele kleine Angelinas? Und in Kürze wohl besonders viele Lenas!

Auf der Suche nach einem Alleinstellungsmerkmal – nicht jeder ist gleich bereit, seinen Sohn Sue zu nennen, den Johnny Cash einst besang – haben Freunde meiner Tochter einen Volltreffer gelandet: Üffes.

Nie gehört! Woher kommt das? Das fragten wir uns alle. Türkisch vielleicht. Denn Üffes klingt ein bisschen wie Efes, das türkische Restaurant um die Ecke, das nach der Stadt benannt ist, die in der Bibel Ephesus heißt.

Um alle Unklarheiten zu beseitigen, fragte meine Tochter ihre Eltern werdenden Freunde noch mal, wie man denn Üffes wohl schreibe. Y – v – e – s buchstabierten sie. Sie fänden den Klang des Namens so schöööööön.

Wir haben noch nicht nachgefragt, wo sie den Namen schon mal gehört haben und ob sie ganz von allein darauf gekommen sind. Ich bin mal gespannt, wie der Kleine reagiert, wenn er eingeschult wird, die Lehrerin die Namen aller Schüler aufruft und dann bei seinem anlangt: Iiieehf !

Jürgen Langenkämper | Langjähriger Autor und Journalist einer Tageszeitung

Juni 12, 2010 Posted Under: Gäste, Leben   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Ein Zeichen setzen für die Zeichensetzung • Von Jürgen Langenkämper

Ein Zeichen setzen für die Zeichensetzung • Von Jürgen Langenkämper

Autor: Jürgen Langenkämper | Foto: iStockphoto.com/Junjie Lin
Mir war es auch schon seit längerem aufgefallen, dass Kommasetzung offensichtlich nicht mehr zum Deutschunterricht gehört. Ich streiche trotzdem unentwegt in Texten von Redaktionspraktikanten herum und erzähle was von erweiterten Infinitiven mit “zu” und Appositionen, die in Kommata einzuschließen sind. Ich habe ein gewisses Verständnis für Lehrkörper, die sich erst abgewöhnt haben, die Welt zu verbessern, dann das nordrhein-westfälische Schulsystem, und jetzt auch noch darüber klagen, dass es zu ihren Aufgaben gehört, die Arbeiten ihrer Schüler zu verbessern.

Das macht es mir als Vater nicht leichter. Denn meine Töchter meinen schon, ich solle sie auch nicht mehr verbessern.

Das scheint, um sich gegriffen zu haben. Ein Freund von mir, der an einer Uni angehende Journalisten unterrichtet, klagte unlängst über Schwächen seiner Studenten – also alles junge Menschen, die mittels der deutschen Sprache später mal ihre Brötchen verdienen wollen – in Orthografie und Zeichensetzung. Die beste Bewerbung für die Zulassung zum Master-Studium habe eine Studentin mit Migrationshintergrund abgegeben. So weit ist es schon, dass Leute, die hinterm Kaukasus geboren sind, besser Deutsch können als unser eigener Nachwuchs.

Nein, es ist noch weiter. Unser eigener Nachwuchs kann sogar schon besser Deutsch als die eigenen Lehrer. Die Auszubildenden in dem Unternehmen, in dem meine Frau in einer nahegelegenen größeren Stadt arbeitet, sind unzufrieden mit ihrer Deutsch-Lehrerin. Die scheint an Legasthenie zu leiden, kann “v” und “f” nicht unterscheiden und schreibt also “fon” statt “von”. Das fällt selbst den Azubis auf und stört sie – noch!

Bei der Schulleitung beschweren mögen sie sich aber auch nicht. Denn die Lehrerin gibt wohl ganz gute Noten. Um gerecht zu sein, hat sie sich einen Sitzplan gemacht, in dem jeder vermerkt ist – wie auch immer die Namen geschrieben sein mögen. Auch der Pfeiler im Unterrichtsraum ist vermerkt, und wer rechts und links davon, vor und hinter ihm sitzt. Bei der Zensurenbesprechung neulich hat die Lehrerin vorgelesen, welche Note jeder so erhalten solle. Veila stand zwischen zwei und drei.

Ich war empört, als meine Frau mir davon berichtete. “Der hat doch nichts gesagt”, regte ich mich auf. “Bei mir bekäme der eine Beton-Sechs”, war ich streng. Als wir darüber diskutierten, zeigte mein Freund Peter, der Physiotherapeut, mehr pädagogisches Verständnis: “Er hat eine Eins verdient. Er war doch eine Stütze des Unterrichts…!”

Das sehe ich ein. Also kann unterm Zeugnis wohl nur stehen: Der Beton-Pfeiler wird versetzt!

Jürgen Langenkämper | Langjähriger Autor und Journalist bei einer Tageszeitung

Mai 9, 2010 Posted Under: Gäste   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Schwer im Kommen – Hannover! • Von Bernd Gieseking

Schwer im Kommen – Hannover! • Von Bernd Gieseking

Autor: Bernd Gieseking | Foto: iStockphoto.com/Thomas Lindner
Alle reden von der Krise – ich nicht. Ich habe in diesem Jahr sogar zum ersten Mal Geld von meiner Heizkostenvorauszahlung zurück bekommen. Und das trotz des strengen Winters. Wenn das nicht die Krise war! Schnee. Wochenlang Schnee zu Jahresanfang. Damit hatte in diesem Jahrtausend in Deutschland niemand mehr gerechnet. BILD titelte: „Die weiße Angst!“ Wir hatten einen richtigen Winter und damit ist auch die Erderwärmung im Eimer. Das bedeutet: Sogar die Klimakatastrophe ist in der Krise! Es gab in diesem Winter gesperrte Autobahnen – denn es gab kein Streusalz mehr! Das war auch Krise! Die erste Salzkrise. Bisher hatten wir immer nur Ölkrisen! Am 14. Februar wurde sogar die A 44 gesperrt. Wegen Salzkrise gesperrt. Auf 52 Kilometern. Zwischen Ostwestfalen und Nordhessen war die Straße dicht. Die Bürger zwischen Erwitte/Anröchte und Diemelstadt wurden aufgerufen, ihr Speisesalz zu den Straßenmeistereien zu bringen. Das führte anschließend zu der großen Salzkrise für Frühstückseier zwischen Erwitte/Anröchte und Diemelstadt, die sich bis weit in den März zog!

Aber nun ist Frühling und zumindest diese Krise scheint vorbei. Aber dann kam die Aschewolke aus Island und die Flughäfen waren gesperrt. Bild titelte: „Das Asche-Monster!“ Die Wolke war die Rache der Trolle für die isländischen Finanzpleite! Tagelang keine Flugbewegung. Die Airlines ächzten. Überall Krise – Griechenland stöhnt, der Deutschen Bahn fliegen die Türen weg, von Westerwelle will ich gar nicht reden. Schneller kann man nicht abwirtschaften. Seit Westerwelle so richtig unzufrieden ist mit Spiegel und Frankfurter Allgemeine, seitdem veröffentlicht der Mann in der Bravo! Was soll ich denn jetzt noch lesen, wo er mal nicht drin steht? Die Bravo war meine letzte Flucht. Guido Westerwelle, FDP-Vorsitzender, Vizekanzler und Bundesaußenminister. Noch keine 50 und schon am Ende! Das ist Krise! Was kann aus uns anderen noch alles werden!?! Aber bei Westerwelle ist jetzt Schluss. Der ist froh, wenn er das Ende dieser Legislaturperiode einigermaßen unbeschadet erreicht. So öffentlich die Begrenztheit seiner Mittel zu zeigen, das ist schon bitter! Im Vergleich dazu hat Lukas Podolski noch eine blendende Saison gespielt und die war schon miserabel.

Es gibt in Deutschland zur Zeit nur einen Stern, der einsam strahlt und das ist – Hannover. Die Stadt der Stunde. Berlin, Hamburg, Bayreuth, alle erbleichen über dies Zeichen. Wenn natürlich Hannover plötzlich die Stadt der Stunde ist – dann ist wirklich Krise! Für alle anderen Städte und Gemeinden.

Lena , „Unser Star für Oslo“, kommt aus Hannover. Der neue deutsche Eishockeymeister, die Hannover Scorpions, kommt aus Hannover. Die Scorpions selber machen ihre Abschiedstournee, weltweit, und natürlich kommen sie – aus Hannover. Hannover glimmt zur Zeit wie ein Hoffnungsschimmer in der Krise! Hannover diktiert die Nachrichten der Republik! Frau Käsmann, die zurück getretene Landesbischöfin, die ehemals oberste deutsche Evangelin! Die Obama der evangelischen Kirche Deutschlands. Wo ist sie trunken gefahren? In Hannover! Was ich aber nicht verstehe ist, dass der smarte, intelligente, ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder, aus Hannover übrigens, nicht neben der ehemaligen Bischöfin Frau Käsmann im Auto gesessen haben will. Was hat der Mann gegen die Frau? Neben ihr wäre doch nicht auf ihr gewesen, sondern nur mit ihr. Also, bei sie bei. Bei sich bei hat Wulff jetzt aber jede Menge Damen sitzen.

Der niedersächsische Ministerpräsident Wulff, CDU, hat sein Kabinett in Hannover umgebildet, als Wahlkampfhilfe für Nordrhein-Westfalen! Genial gemacht, Herr Wulff. Niemand redet darüber, was das für ein scheiß Kabinett gewesen ist, das jetzt, nach zwei Jahren Amtszeit schon umgebildet werden musste, aber alle loben die Neubesetzungen. Die Amtsvorgänger werden nicht mal mehr genannt. Vier Minister wurden ausgetauscht, drei Ministerien mit Frauen besetzt, ein Ministerium sogar mit einer Frau aus dem Osten – Brandenburgs CDU-Vorsitzende und Landtagsfraktionschefin Johanna Wanka wird neue Wissenschaftsministerin. Sie ist eigentlich Mathematikerin. Und? Genau. Angela Merkel ist Physikerin. Da ist noch mehr drin bei Frau Wanka! Und die neue Sozialministerin, vorher CDU-Abgeordnete in der Hamburger Bürgerschaft, Aygül Özkan, ist die erste türkisch-stämmige Frau und Muslimin auf einem Ministerposten. Das sind doch Zeichen. Besonders für die Wahl in NRW. Jetzt waren einige überrascht, dass Frau Özkan als Muslimin keine Christin ist, aber auch das hat sich gelegt, und Frau Özkan hat eingesehen, dass man sich als muslimische Ministerin vor dem Scheiternhaufen in Acht nehmen muss. Bei der Vereidigung sagte sie auch brav „so wahr mir Gott helfe“ und meinte damit vielleicht ihren Chef. Das alles ist Hannover und das ist allesamt spannender als der Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen, wo den Grünen egal ist mit wem und SPD und CDU sich auch gut leiden können.

Ich lebe in Dortmund, einer kleinen, armen Stadt am Rande des Ruhrgebiets. Und ich bin so neidisch. Auf Hannover! Das hätte ich mir als gebürtiger Mindener nie träumen lassen. Hannover zählte nichts bei uns. Niedersachsen war das Land der schlimmen drei: Wolfsburg, Braunschweig, Hannover! Da wollte man nicht sein und hin. Wie überheblich wir waren! Heute träume ich von einer organisierten Reise in diese Gewinner-Stadt. Hör mir auf mit Venedig! Wer will schon nach London? Spätestens mit der Expo wurde das hässliche Entlein Hannover zum Schwan. Von Hannover lernen heißt siegen lernen. Nun endlich möchte ich da hin. Ja, ich will! Hier gibt es die Pelikan-AG und die Geha-Werke am gleichen Ort. Also eine Stadt der Legenden. Es gibt eine eigene Tatort-Kommissarin, das hat doch sonst höchstens noch Münster. Was sind schon Louvre und Eifelturm, Central Park und MOMA, wenn man Hannover haben kann.

Nur – wie soll ich reisen? Welches Verkehrsmittel bringt mich von Dortmund nach Hannover? Fliegen? Die Wolke hat sich verzogen, aber wenn es da wieder los geht? Auto? Die Benzinpreise sind immens. Oder mit dem Zug? Letzteres ist in den nächsten Tagen vielleicht wirklich zu risikoreich. Am 25. April 2010 las ich in der FAZ Sonntagszeitung: „Unklar bleibt, welche Auswirkungen der 7:0-Sieg des herzlosen FC Bayern München über die immer noch sehr, sehr traurige Mannschaft von Hannover 96 hat und ob diese in der Vereinsgeschichte fast beispiellose Niederlage zu einer weiteren kollektiven Depression führen wird, und ob die Deutsche Bahn den Zugverkehr in den nächsten Wochen in und um Hannover vorsichtshalber einstellt.“

Bernd „Scorpion“ Gieseking

April 30, 2010 Posted Under: Gäste   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Schwarz-Weiß-Nostalgie • Von Bernd Gieseking

Schwarz-Weiß-Nostalgie • Von Bernd Gieseking

Autor: Bernd Gieseking | Foto: iStockphoto.com/René Mansi
Ich habe grad atemlos den Fernseher ausgestellt. Ich komme zurück aus einer Zeitmaschine. Direkt zurück aus 1968, aber einem anderen 68 als dem vielfach in der Presse zitierten. Im beschaulichen Minden wussten wir damals nichts von Studentenprotesten und dem Tod Benno Ohnesorgs. Der „kategorische Imperativ“ war immer noch Vaters niedersausende Linke. Dabei war Minden sogar FH-Standort und man konnte hier Wasserwirtschaft studieren (Siedlungswasserbau, Wasserversorgung, Trinkwasseraufbereitung, Wasserentsorgung, Kanalisation, Abwassertechnik, Flussbau, Uferbau, Hafenbau, Wasserkraftanlagen), aber die Strudel an der Schachtschleuse,  in der Weser, unten, und im Mittellandkanal, oben, je nach der Schleusung, waren damals das einzig Aufrührerische in der ostwestfälischen Provinz. Die Disko-Abende mit sogenannter „progressiver Rockmusik“, den minimum 20–minütigen Gitarrensoli, kamen erst sehr viel später nach Quetzen und in die umliegenden Provinzen Herford und Bielefeld. Wer zwei mal mit derselben pennt, gehörte angeblich schon zum Establishment. Wir wären froh gewesen über den zweiten Kuss und erstes „Petting“, und das hatte so gar nichts zu tun mit „Frankfurter Schule“, Sorbonne und Sartre, Dany Le Rouge und Dutschke, mit APO und Adorno und Horkheimer. Mein prägendes Ereignis im Jahr 1968 war der erste Fernseher, den wir bekamen! Bis dahin hatte ich nur mal bei Opa „Sprung aus den Wolken“ sehen dürfen und manchmal „Haifischbar“.

Und nun habe ich soeben, wir schreiben den April 2010, nach Jahrzehnten, Marc di Napoli und Roland Demongeot wieder gesehen, dazu Muff Potter, Indianer Joe, die Witwe Douglas und Becky Thatcher. Tom Sawyer und Huckleberry Finn! Es lebe 3sat. In einem an Jubiläen nicht gerade armen Jahr ragt für mich ab jetzt – fast einsam – neben dem 60. Geburtstag des VW-Bulli (am 8. März 1950 begann die Serienfertigung) und dem 80sten Geburtstag von Clint Eastwood (am 31. Mai) – der 100ste Todestag von Mark Twain heraus. Und der wurde begangen auf 3sat mit der Wiederholung von „Tom Sawyers und Huckleberry Finns Abenteuer“. Schwarz-Weiß. Ihre Abenteuer am Mississippi. Gefilmt im Donaudelta von Rumänien. Die Amerikaner dieses Films waren Franzosen und der Regisseur ein Deutscher, Wolfgang Liebeneier (der hatte zuvor auch schon „Die Schatzinsel“ am Gardasee, in der Bretagne und auf Korsika gedreht).

Natürlich habe ich mir damals, 1968, als ich mich fühlte wie Huck, wie Marc di Napoli, als die Weser mein Mississippi war, auch einen Freund gewünscht wie diesen muskelbepackten „Neger“ Jim, der aber kein Schwarzer aus Amerika war, sondern Franzose ist, ehemaliger Bodybilder und nebenbei der gleiche Jahrgang wie Claudia Cardinale und meine Mutter!! Was aus der pissigen Becky Thatcher geworden ist, gespielt von Lucia Ocrain, lässt sich nicht mal mit Google rauskriegen. Marc di Napoli ist heute Maler und auch seine Web-Site ist nicht mehr aufzurufen. Sehr wahrscheinlich aus Notwehr gegen zuviel Nostalgie, gegen diese unsere „Stalingrads“, dieses „Weißt du noch?“ der Kinder  vom Ende der 60ger und Anfang der 70ger Jahre. Und trotzdem haben „Raumschiff Orion“, „Die Zwei“, Stanley Beamish („Immer wenn er Pillen nahm“) und allen voran Huck Finn eine Wirkung auf mich, für die andere schon zu schweren Drogen greifen müssen. Lucy in the sky with diamonds in strahlendstem Schwarz-Weiß.

Bernd “Huck” Gieseking

April 8, 2010 Posted Under: Gäste   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Neue rechtsdrehende Schlittenkulturen – Tschüss Winter. Komm bald wieder! • Von Friederike von Bülow

Neue rechtsdrehende Schlittenkulturen – Tschüss Winter. Komm bald wieder! • Von Friederike von Bülow

Autor: Edgar Wilkening | Foto: privat
Was tun, wenn es plötzlich wieder zu regnen droht? Wenn anstatt der lautlosen Flöckchen die Natur das Platschen der Regentropfen bevorzugt? Ganz einfach: Noch einmal schnell einen klassischen Schlitten bemühen und sich möglichst smarte Erhebungen, Hügelchen oder gar Berge suchen, um sich noch ein letztes Mal dem winterlichen Geschwindigkeitsrausch hinzugeben.

Einen Schlitten gab es gleich um die Ecke im Sportgeschäft. Der alte – ein aufblasbarer mit Haltegriffen – entpuppte sich, angesichts meines linken gebrochenen Fußes, als eher ungünstig. Viel zu unbequem. Der Klassiker aus Holz ist in einer solchen Situation deutlich besser. Und er hat ein Band, damit man sich ziehen lassen kann …

Den ersten Test absolviere ich gleich um die Ecke: kleinere Erhebung mit einem Mischmasch aus Eis und Schnee. Linker Fuß hoch, rechter Fuß auf die untere Schlittenstrebe und ab geht’s. Wunderbar. Hier musste ich auch nicht bremsen, habe mich einfach austrudeln lassen.

Das nächste Ziel: ein Berg! Naja – Berg. Diese Bezeichnung ist sicher norddeutsch geprägt. Es handelt sich um einen ehemaligen Müllberg im Norden Hamburgs. Was für eine Piste! Was für Geschwindigkeiten. Die Bobfahrer in Vancouver würden vor Neid erblassen.

Nur meine Bremstaktik sollte ich bei Gelegenheit nochmals überarbeiten. Ich bohrte – der gebrochene linke Fuß war weniger nutzbar – meine rechte Ferse willenskräftig in die Piste, versuchte, à la Bobfahrer, die vordere Hälfte des Schlittens zu lüpfen. Das klappte nicht. Dafür kam ich in zahlreichen mehr oder weniger eleganten Rechtsdrehungen irgendwann zum Stehen. Das endgültige Stehen könnte allerdings auch an der Tanne gelegen haben, die vor mir auf die Piste gesprungen ist …

Jetzt taut es. Schade. Tschüss Winter. Komm bald wieder! Mit ganz viel Schnee, bitte. Ich möchte dann nämlich in den Harz auf eine richtige Rodelbahn!

Friederike von Bülow

Februar 23, 2010 Posted Under: Gäste   Jetzt Kommentar dazu schreiben