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Mein Weihnachts-Geschenk: Ein Rucksack, der die Qualität von Musikschulabenden unermesslich steigert

Mein Weihnachts-Geschenk: Ein Rucksack, der die Qualität von Musikschulabenden unermesslich steigert

Autor: Edgar Wilkening | Fotos: Rowohlt-Verlag (Titel) / iStockphoto.com/ShutterWorx
Ich hatte ja neulich schon mal erwähnt, dass es in der Flut der jährlichen Neuerscheinungen einzelne Bücher gibt, die so deutlich herausragen, dass sie unbedingt erwähnt werden wollen. Heute ist es ein Taschenbuch, dass sich pünktlich zur Adventszeit genau dieses Themas annimmt.

“Weihnachten mit der buckligen Verwandtschaft” ist eine frisch erschienene Anthologie mit Geschichten, die sich allesamt dieser sehr besonderen Zeit rund um die höchsten Festtage des Jahres widmen. Oder wie es im Klappentext heißt: “Der ganz normale Weihnachtswahnsinn”.

Achtzehn Weihnachtsgeschichten von achtzehn Autoren, liebevoll ausgewählt und als Erzählband arrangiert vom umtriebigen Hamburger Autor Dietmar Bittrich, der bei diesem Taschenbuch als Herausgeber agiert und auch selbst eine ziemlich schräge Weihnachtsgeschichte beisteuert.

All das wäre hier schon eine lobende Erwähnung wert. Aber es gibt etwas in diesem Buch, das es noch außergewöhnlicher werden lässt. Nämlich eine Comedy-Story ausgerechnet jenes Autors, der auch diese Zeilen hier verfasst.

“Fördert den Nachwuchs!” heißt die Geschichte. Und erzählt auf komische Weise, wie sich kluge und rechtzeitige Nachwuchsförderung auf die, na, sagen wir mal: “künstlerische Qualität” von Musikschulabenden auswirkt. Im Mittelpunkt des Förderkonzepts steht ein geheimnisvoller Rucksack und sein sehr besonderer Inhalt.

Vor kurzem war ich mit dieser Geschichte zu Gast bei einer Benefiz-Gala, als einer von sechs, sieben Show-Acts auf der Bühne. Als ich längst wieder auf dem Heimweg war, erreichte mich die Nachricht, dass sich das Publikum während des Auftritts einer der nachfolgenden Musikgruppen zuraunte: “Wir brauchen diesen Rucksack, wir brauchen diesen Rucksack!”

Was es mit dem mysteriösen Rucksack auf sich hat und was das Besondere an seinem Inhalt ist? Im Buch “Weihnachten mit der buckligen Verwandtschaft” ab Seite 47. Viel Vergnügen und eine stimmungsvolle Vorweihnachtszeit – ob mit oder ohne Verwandtschaft.

Feeling fine -
Edgar Wilkening

Dietmar Bittrich (Hg.):
Weihnachten mit der buckligen Verwandtschaft

Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek
rororo 63014
272 Seiten
Etwa 9,00 Euro
Auch für Kindle erhältlich

Dezember 14, 2012 Posted Under: Publik   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Frage an die “Mordsküche”: Wie tödlich kann Büffelmozzarella sein?

Frage an die “Mordsküche”: Wie tödlich kann Büffelmozzarella sein?


Autor: Edgar Wilkening | Fotos: iStockphoto.com/gremlin (9)
Es gibt Bücher, die wollen unbedingt, dass auf sie hingewiesen wird. Die Krimi-Neuerscheinung “Mordsküche – Eiskalt um die Ecke gebracht” gehört dazu. Denn in seinem lesenswerten Inneren verbirgt der Band etwas Besonderes: eine Comedy-Story aus der Feder ausgerechnet jenes Autors, der auch diese Zeilen schreibt.

Das hier also ein Bericht in eigener Sache? Nicht wirklich … Meine eigene Kurzgeschichte gesellt sich ja brav zu sechzehn weiteren in diesem schönen Band.


In der “Mordsküche” haben Herausgeberin Greta Wallenhorst und Verlegerin Sonia Lauinger Kriminalgeschichten versammelt, die allesamt eines gemeinsam haben: eine tödliche Nähe zum Kulinarischen. “Wer dieses Buch gelesen hat, wird eine Einladung zum Essen mit ganz anderen Augen sehen”, versprechen die Macherinnen.

Da wird mit Messern Leben ausgehaucht, mit Giften hantiert wie mit Salz und Pfeffer, und immer, immer laufen tragische Konflikte auf ein tödliches Ende zwischen Teller, Tisch und Töpfen hinaus. Unterschätze also niemand die todbringende Phantasie kulinarisch veranlagter Autoren.

Und mehr noch: die von Autorinnen! Denn nur drei der siebzehn Krimis stammen von Männern. Die übrigen vierzehn, also knapp fünf Mal mehr, wurden von Schreiberinnen verfasst. Sagt das etwas über die Rolle der Frau im Literaturgeschäft? Oder womöglich doch über das Mordpotenzial, das in der weiblichen Psyche schlummert? Machen wir die Probe aufs Exempel. Und werfen einen nüchternen Blick auf die Statistik.


Am Ende des Buches haben sechs Frauen ihr Leben lassen müssen. Tragisch. Aber doppelt so viele Männer: nämlich dreizehn. Das ergibt schon mal einen Trend. Aber bestätigt sich diese Tendenz auch bei der Betrachtung von Täter vs. Täterinnen?

Nur in fünf der siebzehn Geschichten ist ein Mann der Ausführende. Einer davon richtet die Waffe dabei nicht gegen andere, sondern begeht Selbstmord. Damit reduziert sich die Zahl echter männlicher Mörder auf vier.

Dem gegenüber sind es in zehn Fällen Frauen, die die Tat begehen, also zweieinhalb Mal häufiger. Haben Frauen demnach ein größeres Bedürfnis ihr Leben zu verändern – und sei es durch drastische Maßnahmen? Oder fügen sich Männer einfach nur geduldiger in ihr Schicksal?


Und: Wie wird methodisch nach dem Leben getrachtet? Über die Nahrung zugeführte Gifte und scharfe Messer dominieren deutlich – was wunders beim Thema Küche. Sieben Opfer werden von der heimtückischen Wirkung eines Gifts überwältigt, sechs von einer Klinge. Drei weitere Spielarten sowie eine Story ohne Opfer komplettieren den Reigen. Ein bunter Mix an Motiven, Morden und Methoden. Was hier anhand der Statistik womöglich wie perfekte Frauenliteratur aussieht, wird aber auch Männern Spannung und Lesevergnügen bereiten.

Bliebe noch die Ausgangsfrage: wie tödlich Büffelmozzarella sein kann. Ich darf Ihnen versichern: sehr! Aus eigener Anschauung sozusagen. Denn es ist meine eigene Geschichte, in der ein italienischer Weichkäse zum tödlichen corpus delicti wird.

Eine Comedy-Story als Verneigung vor den großen Meisterdetektiven der Literaturgeschichte: von Nick Knatterton und Kalle Blomquist bis Sherlock Holmes und Hercule Poirot. Denn aufgeklärt wird der Fall im ganz, ganz klassischen “Whodunit”-Stil: vor versammeltem Publikum aller potenziell Verdächtigen und ausschließlich durch scharfe Beobachtungsgabe und raffiniertestes Kombinationsgeschick.

“Der Mozzarella-Mord” aus meiner Sammlung aberwitziger Abenteuer eines Weinliebhabers “Wer kann mir schon Baroli bieten?”: in der “Mordsküche” ab Seite 64. Viel Vergnügen!

Feeling fine -
Edgar Wilkening

Mordsküche – Eiskalt um die Ecke serviert
Anthologie mit 17 Kriminal-Kurzgeschichten
Herausgeberin: Greta Wallenhorst
Erschienen bei Der Kleine Buch Verlag, Karlsruhe, 2012
Paperback, 188 Seiten
ISBN-13:978-3-942637-18-3
Preis: circa 15 Euro

Oktober 23, 2012 Posted Under: Alle, Publik   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Roadmovie: Mit Cornelius und Fabian Lange unterwegs in Côtes du Rhône

Roadmovie: Mit Cornelius und Fabian Lange unterwegs in Côtes du Rhône

Autor: Edgar Wilkening | Foto und Filme: © Inter Rhône / Lange²
Die hohe Kunst der Assemblage: Die erste Vermählung, bei der mehr als zwei Partner zusammenkommen dürfen – darüber hatte ich berichtet anlässlich eines Assemblage-Workshops, zu dem die Vermarktungsgesellschaft Inter Rhône in Ina Finns Villa Verde eingeladen hatte.

Mit den umtriebigen Brüdern Cornelius und Fabian Lange hat Inter Rhône jetzt zwei respektable Namen verpflichtet, die zusammen mit einem kleinen Filmteam direkt ins Rhône-Tal geschickt wurden.

Herausgekommen ist ein amüsantes, sechsteiliges Roadmovie, das spannende Einblicke gibt ins Weinbaugebiet Côtes du Rhône: interessante Begegnungen, charismatische Winzer, nette Geschichten.

Dass die Brüder sich vor der Kamera, und mehr noch als Off-Specher ihrer Filme, manchmal ein bisschen schwer tun, verbuchen wir mal unter “persönlichem Charme”. Deshalb unterm Strich: auf jeden Fall sehenswert.


Nördliche Rhône. Der erste Teil des Roadmovies führt uns in die Heimat des Syrah. Aber auch Weißwein und Rosé werden im nördlichen Rhône-Tal produziert.


Im Einklang mit der Natur. Im zweiten Teil treffen die Brüder die Winzerinnen Catherine und Hélène Thibon, die ihre Weine biodynamisch anbauen.


Süßwein von der Rhône. Teil drei führt Cornelius und Fabian Lange zum Süßwein Beaumes de Venise, einem der so genannten „Crus” der Rhône.


Die Kunst der Assemblage. Die meisten Weine der Rhône enthalten verschiedene Rebsorten, die kombiniert werden. Wie, das zeigt der vierte Film.


Aufstiegschancen. Noch zwei Jahre, sagen Schätzungen, dann wird die Côtes du Rhône Villages Cairanne aufsteigen in die Liga der Côtes du Rhône Crus.


Ran an den Herd. Zum Abschluss der Reise kochen Cornelius und Fabian Lange im Restaurant Maison Trévier mit Produkten aus der Region.

Klares Fazit: Wird höchste Zeit, der Côtes du Rhône persönlich einen Besuch abzustatten. Und bis dahin: den würzigen Weinen aus dem Rhône-Tal öfter mal Gelegenheit im Glas zu geben.

Feeling fine -
Edgar Wilkening

November 30, 2011 Posted Under: Alle, Gusto, Publik   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Das vielleicht schönste Weihnachtsgeschenk dieses Jahr? Legt uns ein Brite unter den Tannenbaum

Das vielleicht schönste Weihnachtsgeschenk dieses Jahr? Legt uns ein Brite unter den Tannenbaum

Autor: Edgar Wilkening | Fotos: Bayerischer Rundfunk
Wie viele Präsente türmen sich bei Ihnen dieses Jahr unterm Tannenbaum? Womöglich so viele, dass Sie das vielleicht schönste Weihnachtsgeschenk am Ende glatt übersehen könnten.

Und das wäre schade! Denn es kommt von einem Briten: Stuart Pigott, Weinexperte mit ausgeprägtem Hang zu exaltierten Sakkos.

Verblüffend: Der Engländer hält die deutsche Fahne hoch. Sehr hoch. Höher als viele Deutsche. Jedenfalls, solange es um Wein geht. Statt Chardonnay mit Täterä und Pinot Grigio von irgendwo schwört Pigott auf Riesling aus dem Rheingau, aus Rheinhessen, Rotwein von der Ahr, Süßwein von Mosel, Ruwer, Saar – und dergleichen mehr, was deutsche Weingaue so hervorbringen.

Gaue? Schon der Terminus weckt Erinnerungen an Zeiten, die diesem Land und auch dem Rest der Welt nicht gut bekommen sind. Und just diese Zeiten sind entscheidend mitverantwortlich für den beispiellosen Niedergang deutschen Weins im letzten Jahrhundert.

Zum Beispiel durch Zerschlagung internationaler Handelsstrukturen für deutschen Wein. Denn die meisten waren in jüdischem Besitz. Händler, die oft über Generationen Verbindungen in alle Welt gepflegt hatten, wurden deportiert und ermordet.

Die deutschen Günstlinge, die an ihrer Stelle eingesetzt wurden, zeichneten sich meist vor allem dadurch aus, dass sie weder zu den hellsten Sternen am Abendhimmel gehörten noch ausreichende Erfahrungen und Verbindungen hatten.

Heute kaum mehr vorstellbar, aber noch Anfang des 20. Jahrhunderts war Traben-Trarbach an der Mosel einer der beiden bedeutendsten Weinhandelsorte der Welt: auf Augenhöhe mit Bordeaux. Deutscher Wein genoss Weltruf. Und wurde zu Spitzenpreisen gehandelt, teurer als Bordeaux-Gewächse.

Zwei Vertreter der neuen deutschen Winzergeneration bestätigten das, als ich kürzlich mit ihnen sprach: H.O. Spanier vom renommierten rheinhessischen Weingut Battenfeld-Spanier und Roman Niewodniczanski vom ebenso renommierten Weingut Van Volxem an der Saar.

Unabhängig voneinander berichteten beide von Weinkarten auf historischen Luxuslinern wie der Titanic. Die besten deutschen Weine wurden darin zu Preisen geführt, doppelt, dreifach, vierfach so hoch wie jene Bordeaux-Namen, bei denen heute schon eine einzelne Flasche einen drei- oder gar vierstelligen Betrag fordert. Bordeaux-Weine wurden damals auf den letzten Seiten der Weinkarten geführt. Man bestellte sie, wenn man einfach nur “noch was zu trinken” wollte.

Rund hundert Jahre später ist vom damaligen Glanz deutscher Weine wenig geblieben. Und Traben-Trarbach längst in den Schlaf eines kleinen Provinznests gesunken.

Aber es gibt sie: ambitionierte Winzer, die an frühere Glanzzeiten anknüpfen wollen. Die sich von den Nachkriegsprinzipien ihrer Väter trennen und lieber zurückkehren zur Klasse statt auf Masse zu setzen. Die beiden oben genannten Winzer gehören dazu. Aber sie sind bei weitem nicht allein. Seit fünfzehn, zwanzig Jahren tut sich Erstaunliches in deutschen Weinlanden.

Vom “Weinwunder Deutschland” spricht der Brite Pigott deshalb und ergänzt: “Vor einer Generation gab es zwar gute deutsche Weine, aber man musste unglaublich danach suchen, um ein paar aufzutreiben. Heute gibt es sie in Hülle und Fülle in jeder Preislage!”

Am ersten Weihnachtstag, pünktlich um 16.30 Uhr, legt uns der Bayerische Rundfunk dieses Weinwunder unter den Tannenbaum. Als erste Folge einer TV-Dokuserie, in der Stuart Pigott auf eine Reise quer durch Deutschland geht, um dem deutschen Weinwunder auf die Spur zu kommen.

Thema der ersten Folge: “Die Riesling-Renaissance”. Auch auf die Gefahr, den deutschen Automobilbauern und der deutschen Nationalelf auf die Füße zu treten, behauptet Pigott: “Der Riesling ist eine der bedeutendsten kulturellen Botschaften Deutschlands an die Welt.”

Tolles Statement! Deshalb freue ich mich schon jetzt auf dieses wunderbare Weihnachtsgeschenk. Auf die erste Folge genauso wie auf die weiteren. Die widmen sich Themen wie der deutschen Rotwein-Revolution, der Ökowein-Welle und den jungen Wilden im Wein.

Also, verpassen Sie’s nicht! Bei mir sind schon alle Festplattenrecorder programmiert. Und wenn Sie die Serie sehen: Schreiben Sie mir, wie sie Ihnen gefällt. Am besten für alle lesbar: als Kommentar hier unter dem Posting. Ich freue mich darauf!

Bis dahin schöne Weihnachten und angenehme Festtage!

Feeling fifty-fine –
Edgar Wilkening

“Weinwunder Deutschland” im Bayerischen Rundfunk

Samstag, 25. Dezember 2010, 16:30 Uhr Folge 1: Die Riesling-Renaissance
Pigott: „Der Riesling ist eine der bedeutendsten kulturellen Botschaften Deutschlands an die Welt.“

Sonntag, 26. Dezember 2010, 16:30 Uhr Folge 2: Die Rotwein-Revolution
Pigott: „Deutschland ist nicht mehr die ‘Gruselkammer des rötlichen Weines’.“

Freitag, 31. Dezember 2010, 16:30 Uhr Folge 3: Guter Wein in rauen Mengen?
Pigott: „Gibt es im Supermarkt wirklich gute deutsche Weine? Und zu welchem Preis? Wir verkosten blind.“

Samstag, 1. Januar 2011, 16:30 Uhr Folge 4: Die Ökowein-Welle
Pigott: „Ökologische Lebensmittel gab es noch vor zehn Jahren nur in komischen dunklen Läden, heute in jedem Supermarkt. Ökowein – schmeckt der?“

Sonntag, 2. Januar 2011, 16:30 Uhr Folge 5: Junge Wilde im Wein
Pigott: „Der deutsche Jungwinzer von heute ist eine ganz andere Kreatur als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Für sie oder ihn ist es ganz selbstverständlich, dass Wein ein Teil der Popkultur ist.“

Donnerstag, 6. Januar 2011, 16:30 Uhr Folge 6: Süßwein – ein Herbstmärchen?
Pigott: „Paradox: Der teuerste Wein ist süß, aber der billigste auch. Das ist doch Wahnsinn, das interessiert mich!“

Dezember 22, 2010 Posted Under: Alle, Gusto, Publik   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Was für ein Krimi! Jede Menge Mörder. Und als Ermittler? Kommissar Markt

Was für ein Krimi! Jede Menge Mörder. Und als Ermittler? Kommissar Markt

Autor: Edgar Wilkening | Bilder: Campus-Verlag
Da flatterte mir jüngst ein Buch auf den Tisch mit dem markigen Titel “Nur Tote bleiben liegen”. Man ahnt schon: Es wird sich kaum um einen Gute-Nacht-Schmöker für Kinder handeln oder ein Coffeetable-Book für Kunstfreunde.

Nein, bei einem derart reißerischen Titel darf man einen knallharten Krimi erwarten. Und genau als das entpuppt sich “Nur Tote bleiben liegen” auch. Und was für ein Krimi!

Nach einer wahren Begebenheit, wie es immer so schön heißt. Spielt mitten unter uns, mitten im Deutschland dieser Tage. Und wie es sich für einen richtigen Krimi gehört, gibt’s auch Mörder. Aber nicht einen. Sondern viele. Dutzende. Hunderte. Wahrscheinlich noch viele mehr.

Sie leben mitten unter uns. Aber keinesfalls unerkannt. Sondern gelten als erfolgreiche Manager und Unternehmenslenker. Fahren S-Klasse, X5, Cayenne. Sofern sie es noch können. Denn das Perfide ist: Sie meucheln, was sie nährt. Sie morden die Unternehmen, für die sie tätig sind.

Und wem all das noch nicht sonderbar genug erscheint, dem sei verraten: Ermittler ist kein kauziger Columbo, kein blitzgescheiter Poirot, kein telegenes Tatort-Team. Sondern Kommissar Markt. Sozusagen der Kollege von Kommissar Zufall. Nur weitaus härter, gnadenloser, unbarmherziger.

Wer die früheren Bücher des Duos Anja Förster und Peter Kreuz kennt, wird sich wundern: Haben die beiden umtriebigen Wirtschaftsautoren das Genre gewechselt? Keineswegs.

Förster und Kreuz gelten als Business-Querdenker einer neuen Generation. Sie: ehemalige Accenture-Managerin. Er: früher Senior-Berater bei Andersen Consulting. Heute gemeinsam unterwegs in einer Mission: Manager und Unternehmenslenker wachrütteln aus dem Dornröschenschlaf verkrusteter Strukturen und überholter Denkmuster.

Die Vorgängertitel “Alles, außer gewöhnlich” und “Spuren statt Staub” wurden zu auflagenstarken Bestsellern im Bereich Wirtschaftsbuch. “Nur Tote bleiben liegen” schließt da nahtlos an.

Kernthese: Wir erleben einen dramatischen Wandel von der Industriegesellschaft zur Informationsgesellschaft. Mit dramatischen Folgen für Unternehmen: Wer versucht, mit den Mustern und Strukturen der alten Industriegesellschaft in der neuen Informationsgesellschaft erfolgreich zu sein, wird scheitern.

Was gestern noch ging, geht heute vielleicht gerade eben noch, aber morgen schon gar nicht mehr.

Beispiel hierarchische Strukturen. Im Industriezeitalter war es ein durchaus erfolgreiches Ordnungsprinzip, Mitarbeiter zu Befehlsempfängern zu degradieren. Von oben nach unten wurde hierarchisch durchkommandiert, was wann wie zu tun war.

In sozialen Netzwerken von Wikipedia bis Facebook erleben wir heute das Gegenteil. Kommunikation und Miteinander ohne Zentralismus, ohne klassische Hierarchien, ohne Top-down-Strukturen.

Jeder hat die gleichen Möglichkeiten und Rechte, sich zu äußern, sich zu beteiligen. Nicht wer oben steht in einer traditionellen Hierarchie, hat deshalb auch mehr Bedeutung. Sondern wer Bedeutsames mitzuteilen hat: Neues, Interessantes, Lustiges, Bewegendes, Spannendes, Kurioses. Unabhängig von seinem Status.

Wenn Manager vor diesem Hintergrund an überholten Strukturen, an veralteten Denkmustern festhalten, meucheln sie ihr Unternehmen. Im Prinzip ist es schon tot, es weiß nur noch keiner. Denn der Markt ist ein erbarmungsloser Kommissar. Und überführt – über kurz oder lang – jeden.

Förster und Kreuz prophezeihen: Unternehmen müssen sich künftig als dezentralisierte, ständig in Bewegung befindliche Systeme verstehen, wenn sie im Wettbewerb um Mitarbeiter, Innovationen, Marktanteile und Kunden bestehen wollen.

Was es dazu braucht, ist eine fundamental andere Art des Managements. Eine radikal neue Art des Denkens. Führungskräfte nicht mehr als anordnende Befehlsgewalten. Sondern als soziale Architekten. Als Architekten, die sozialen Raum schaffen im Unternehmen, in dem Mitarbeiter ihr Potenzial entfalten können.

Klingt nach drögem Sachbuch-Schnickschnack? Dann werfen Sie mal einen Blick auf das Cover. So grell wie die das Design, so reißerisch wie der Titel, so provokant wie die Thesen – so unterhaltsam ist das ganze Buch.

Derart rasant geschrieben, dass einem bisweilen der Atem stockt beim Lesen. Erst recht, wenn man Unternehmen kennt, die nach dem alten Muster ticken.

Mancher Krimi, der sich mit diesem Etikett ganz offiziell schmückt, wäre gern so spannend geworden. Und liest sich neben “Nur Tote bleiben liegen” wie die Gebrauchsanleitung für eine Kaffeemaschine. Viel Vergnügen also. Und für alle, die es umsetzen können: auch viel Gewinn.

Anja Förster, Peter Kreuz
Nur Tote bleiben liegen
Entfesseln Sie das lebendige Potenzial Ihres Unternehmens
Campus Verlag (Frankfurt) | 2010 | Gebunden | 24,90 Euro (D)
ISBN 978-3-593-39220-2

November 1, 2010 Posted Under: Alle, Busy, Publik   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Machen Sie sich einen großartigen Abend: Falstaff ist da

Machen Sie sich einen großartigen Abend: Falstaff ist da

Autor: Edgar Wilkening | Fotos Cover: Falstaff
Wie war Ihr Abend gestern? Meiner war großartig. Nein, kein Event, kein Sternerestaurant, keine Party. Ich habe den Abend mit etwas verbracht, das sich Falstaff nennt.

Falwas …?

Falstaff. Okay, schräger Name. Klingt nach falsch, Staffage und wer weiß, was noch. Alles daneben. Die wahre Herkunft des kuriosen Namen wird passenderweise in Falstaff selbst gelüftet, auf Seite 16. Und hier sei nur so viel verraten: Es hat was mit Shakespeare und den Adelshäusern des 14. Jahrhunderts zu tun – spannende Geschichte.

Und was ist Falstaff jetzt genau? Falstaff ist das, worauf ich lange gewartet habe: ein intelligentes, schön gemachtes Magazin, das sich den Genusskategorien Essen, Trinken, Wein und Reisen widmet.

Deutlich weniger blasiert als “Der Feinschmecker”, um Längen substanzieller als das Hochglanzheftchen “GourmetReise”, amüsanter als “Effilee”, thematisch breiter als “Vinum” und mit weniger Testosteron als “Beef!”. Unterm Strich: genau meine Kragenweite. Hat mir einen fantastischen Abend beschert gestern beim Lesen, Stöbern, Blättern.

Österreich-Freunde kennen Falstaff vielleicht schon länger. Dort erscheint das Magazin seit 30 Jahren und ist das älteste und auflagenstärkste Genussmagazin. Jetzt also eine Ausgabe extra für die Piefkes: Seit dem 15. September 2010 ist der deutsche Falstaff am Kiosk.

Die Idee dahinter ist ganz einfach: Hierzulande gibt es etwa das Zehnfache an Bevölkerung wie in der Alpenrepublik. Prinzipiell also auch das Zehnfache an potenzieller Leserschaft. So gesehen wirkt die 55.000er Auflage des deutschen Falstaff fast wie ein klitzekleiner Testballon gegen die 35.000 Exemplare in der Heimat des Hefts.

Österreichische Blattmacher, die mit ihrem Heft nach Deutschland drängen? Die Jüngeren zucken da erinnerungslos mit den Achseln. Aber manch Frühergeborenen erinnert das an Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Damals mischten die jungen, wilden Zeitschriften Tempo und Wiener den hiesigen Blätterwald auf, indem sie das Lifestyle-Genre über die Alpen zu uns brachten. Ein Phänomen, das nur knapp ein Jahrzehnt währte. Dann waren beide Blätter, die den Medienmarkt verändert hatten, selber den Veränderungen des Medienmarkts nicht mehr gewachsen. Seit Mitte der 90er leben Tempo und Wiener hierzulande nur noch als Legenden weiter.

Schon damals war klar: Wer hier Leser gewinnen will, muss sie richtig ansprechen. Wortwörtlich. Nicht umsonst behauptet ein geflügeltes Wort: Die Sprache ist nicht das Einzige, was Deutschland und Österreich unterscheidet.

Deshalb wird der hiesige Falstaff konsequenterweise gleich in Deutschland gemanagt. Von der Düsseldorfer Schanzenstraße 56, wo der neue Haupteigentümer des österreichischen Falstaff-Verlags Wolfgang M. Rosam praktischerweise auch gleich den Sitz seiner Holding hat.

Und ebenso konsequent sollen deutsche Schlagworte auf dem Cover den hiesigen Leser locken: deutscher Riesling, deutscher TV-Star, Oktoberfest in Deutschlands Süden. Als ob man ja den Anschein vermeiden wollte, das Magazin könne anderes als deutsche Leser im Auge haben.

Dabei zeigt ein Vergleich der Inhaltsangabe auf der deutschen Webseite von Falstaff mit der Inhaltsangabe auf der österreichischen Webseite: Die Unterschiede zwischen beiden Ausgaben scheinen eher marginal.

Na klar: Das kleine Editorial des Herausgebers (und ehemaligen RTL-Chefredakteurs) Hans Mahr zur deutschen Erstausgabe fehlt logischerweise im österreichischen Pendant. Aber sonst?

Wo hier die Tomaten als “Super Steak vom Strauch” entdeckt werden, kommen sie dort als “Paradiesische Paradeiser” daher. Wo hier im “Gourmetguide” die “spannendsten Restaurants Deutschlands auf dem Prüfstand” stehen, ist es dort “Bachls Sixpack” mit “Sechs Restaurants im Test”. Und dergleichen Lokalkolorit mehr …

Die großen Geschichten von Falstaff sind in beiden Ausgaben gleichermaßen vertreten. Und warum sollten sie auch nicht? So schön erzählt, so lustvoll bebildert, so interessant geschrieben.

Der Bericht über Günther Jauch als Winzer stellt genau die Fragen, die die Boulevardpresse nie interessieren würden. Das Titelthema Trüffel ist so spannend gemacht, dass selbst Trüffelbanausen wie ich es neugierig querlesen. Und dann natürlich “Großstadtreben”: eine Hommage an die Weinberge Wiens, die dann doch keinen Zweifel mehr daran lässt, wo der Falstaff seine Wurzeln hat.

Meine Empfehlung: Machen Sie sich einen grossartigen Abend mit Falstaff. Die deutsche Erstausgabe 01/2010 jetzt für 7,50 Euro am Kiosk.

Insgesamt 180 Seiten im üppigen Großformat 30 mal 23,5 cm. Auf angenehmem Papier, mit tollen Geschichten und Fotos. Und ja, ich finde: auch mit dem typisch österreichischem Charme zwischen den Zeilen. Mir gefällt das.

Jedenfalls freue ich mich schon jetzt auf einen großartigen Abend mit der zweiten Ausgabe. Die kommt am 24. November 2010. Ab 2011 gibt’s den deutschen Falstaff dann sechs Mal im Jahr (gegenüber acht Mal in Österreich). Drücken wir die Daumen, dass es lange so bleibt. Länger als ein Jahrzehnt.

Feeling fifty-fine –
Edgar Wilkening

September 21, 2010 Posted Under: Alle, Publik   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Einfach mal bleiben, wo man ist: Die Berliner Philharmoniker live auf St. Pauli

Einfach mal bleiben, wo man ist: Die Berliner Philharmoniker live auf St. Pauli

Autor: Edgar Wilkening | Fotos: Edgar Wilkening
Was für ein grandioser Auftakt! Waren Sie dabei vorgestern Abend? Eröffnung der Konzertsaison 2010/2011 der Berliner Philharmoniker. Auftaktkonzert unter der Leitung von Sir Simon Rattle. Beethovens Symphonie Nr. 4 B-Dur op. 60 und Mahlers Symphonie Nr. 1 D-Dur.

Sagen Sie jetzt nicht, Sie haben das verpasst! Dann haben Sie tatsächlich was verpasst. Dabei fand’s praktisch in der Nachbarschaft statt. In meinem Fall auf dem Spielbudenplatz, direkt an der Reeperbahn.

Die Berliner Philharmoniker? Live auf St.Pauli? Und ob! Wo sonst partywütiges Jungvolk auf der Suche nach dem schnellen 99-Cent-Rausch ist und musicalwütige Touristen ihre stadtfeine Kik-Garderobe ausführen, flutete am vergangenen Freitagabend das fantastische Auftaktkonzert des Hauptstadtorchesters über den Platz. Eines von drei Public Viewings, live übertragen aus Berlin, präsentiert auf Großbildleinwand, unter freiem Himmel. Übrigens parallel auch in 60 Kinos europaweit zu sehen gewesen.

Hat man musikalisch je etwas Komischeres gehört als den dritten Satz aus Mahlers Sinfonie an diesem Abend? Kommt daher als Trauermarsch: “Feierlich und gemessen, ohne zu schleppen”, schreibt der Komponist dazu. Basierend auf dem Kanon „Frère Jacques“. Und von Rattle und Konsorten intoniert als glatte Parodie. Abgrundtief komisch und berührend.

Okay, eigentlich war das Konzert eine Werbeveranstaltung. Für die Berliner Philharmoniker. Für die neue Konzertsaison. Und für einen Besuch der Hauptstadt. Nicht umsonst prangte überall die plumpe Aufforderung “Be Berlin”. Aber warum sollte man sich das antun, wenn man etwas so Großartiges auch in seiner Nachbarschaft erleben kann?

Ich finde: Bleiben wir viel öfter einfach mal da, wo wir sind, statt für alles Mögliche immer gleich durch die Gegend zu gurken. Und übertragen wir viel häufiger Erlebenswertes von irgendwo auf der Welt nach anderswo auf der Welt. Nicht nur Fußball aus Südafrika und “Wetten dass” aus Juppheidi. Sondern Spannendes, Großes, Sehenswertes, Einmaliges. Kunst, Kultur, Konzerte. Events, Erlebnisse, Ereignisse. Die technischen Möglichkeiten sind da. Und sie werden immer noch besser.

Digitale Daten um die Welt zu schicken ist viel einfacher, kostengünstiger, gesünder und umweltschonender als die zerbrechlichen Hüllen von Lebewesen mit allem Sack und Pack und der piekfeinen Kik-Garderobe durch die Landschaft zu karren oder über den Himmel zu heben.

Zugegeben: Die technische Umsetzung am Freitagabend hatte – höflich gesagt – noch Luft nach oben. Der Ton schepperte, der Stream hakelte bisweilen. Wahrscheinlich hatten irgendwo auf dem Weg von der Berliner Philharmonie zu uns bei der Technik noch Zweienzwanzigeuroachtzig eingespart werden müssen für die Leasingraten des Audi Cayenne oder BMW Q7 irgendeines Event-Geschäftsführers.

Aber das tut der Sache an sich keinen Abbruch: Es war ein großes Ereignis, das Hunderte Kilometer entfernt von uns stattfand – und das wir alle dennoch miterleben konnten. Auch Sie.

Sie haben’s nicht wirklich verpasst, oder? Sagen Sie jetzt bitte nicht, in Ihrer Nachbarschaft hätte es schließlich nicht stattgefunden! Wenn Sie in der Lage sind, diesen Blog hier aufzurufen und zu lesen, haben Sie im Prinzip auch alle Voraussetzungen, das Eröffnungskonzert zu verfolgen.

Denn parallel zu Public Viewings und Kino-Übertragungen gab es das Konzert auch als Live-Stream im Internet zu sehen. In der Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker. Grandios, diese digitale Konzerthalle. Wegweisend für künftige Eventerlebnisse. Und Musterbeispiel für die Idee, viel öfter digitale Daten um die Welt zu schicken statt zerbrechlicher Wesen. Klicken Sie mal rein: In der Digital Concert Hall können Sie das Eröffnungskonzert auch jetzt noch nachträglich erleben.

Und in Zukunft, wenn Sie mal wieder ein Ereignis wie diesen Saisonauftakt verpassen, lasse ich nur noch ein einziges Argument gelten: “Ich hatte etwas noch Besseres vor.”

Feeling fifty-fine -
Edgar Wilkening

August 29, 2010 Posted Under: Alle, Publik   Jetzt Kommentar dazu schreiben