Editorial: Was ist feeling fine?

"Editorial von Blog-Macher Edgar Wilkening zu fifty-fine"Kaum hat man erfolgreich die Fünfziger-Marke geknackt, kommt irgendwer daher und schwärmt von früher, als alles noch irgendwie besser, schöner, bunter oder sonstwas war.

Oder noch schlimmer: Irgendwer kommt und heftet einem den Titel “Best Ager” wie eine Tapferkeitsmedaille ans Revers. Motto: gut gehalten für dein Alter, Alter!

Best aged? So kann man über gut abgehangenes Rindfleisch reden. Aber bitte nicht über Menschen. Best Ager – was für ein anglophiler Bullshit! Und was für eine perverse Idee dahinter: als ob andere Lebensphasen per se schlechter wären, einzig und allein weil man eine kleinere Alterszahl mit sich rumträgt.

Mal ehrlich: Waren Ihre Vierziger schlechter als Ihre Fünfziger oder Sechziger, allein auf Grund der geringeren Alterszahl? Ihre Dreißiger etwa? Ihre Zwanziger? Meine auch nicht! Oder geht’s beim Best Agen etwa gar nicht darum, andere Lebensphasen runterzuputzen? Sondern was schönzureden? Also doch nur ein scheinheiliger Euphemismus? Das “best age” als anbiedernde Verniedlichung?

Ehrlich gesagt: Ich weiß gar nicht, welche Erklärung ich perverser finden soll …

Genau deshalb ist feeling fifty-fine purer Protest! Gegen all diese ideologischen Begrifflichkeiten wie Generation Gold, Generation 50plus, Silver Ager, Golden Ager, Third Ager und wie die infamen Frechheiten alle heißen. Weil irgendwelche selbst ernannten Experten und andere Pappnasen da draußen sich darin gefallen, Bilder und Vorstellungen vom Leben oberhalb der fünfzig zu verbreiten, die mit meinem Leben aber auch nicht das Geringste zu tun haben. Mit Ihrem etwa?

Protest aber auch gegen all die, die nur zurückblicken und voller Wehmut auf ihre Vierziger, Dreißiger, Zwanziger blicken, weil damals alles noch besser war. Diese nostalgischen Ewiggestrigen, die imemr nur von früher reden: als sie noch voller Hofnung waren für ihre Zukunft. Als sie sich in Schallplattenläden noch zurechtgefunden haben, weil es nur die Kategorien Rock, Jazz und eine kleine Kiste Klassik gab. Als Wim und Wum und Wendelin das erste Mal im Farbfernsehen kamen, während man heute zwischen SuperRTL und arte wählen muss. Als die Telefone noch Schnüre hatten und deshalb nicht verloren gehen konnten. Ja, ja, die guten alten zeiten! Und die Ewiggestrigen, die vor lauter wehmütigem Rückblick keine Augen mehr haben für heute und morgen.

Wer nostalgisch zurückblicken will, soll sich einen Rückspiegel zulegen. Wer Komfortmatrzen, Harndings und Kreuzfahrten verkaufen will, soll in die Apotehekn-Rundschau gucken.

Das Leben oberhalb der Fünfzig hat deutlich mehr zu bieten als Krankheit und Kreuzfahrt, deutlich mehr Facetten. Und genau darum geht’s hier auf fifty-fine. Genau das ist das “feeling fifty-fine”: kein Grund zu wehmütiegr Nostalgie. Alles ist möglich, alles wird besser.

Februar 14, 2010 Post Under - Read More

Kommentar schreiben