Ewiggestrige fragen immer noch arglose Mitmenschen nach dem Weg – und dem Namen der Band

Ewiggestrige fragen immer noch arglose Mitmenschen nach dem Weg – und dem Namen der Band

Autor und Fotos: Edgar Wilkening | Illustration: kjpargeter/vectorstock.com
Gehören Sie zu denen, die heutzutage mit dem Auto immer noch rechts ranfahren und den erstbesten Passanten mit der Frage behelligen: “Wo, bitte, geht’s denn hier zur Goethestraße?”

Mein Freund Gerd ist so einer. Wirklich netter Kerl. Belesen, kreativ, viel gereist. Aber hoffnungslos ewiggestrig.

Neulich abends saßen wir in einer Kneipe. Bis er plötzlich die Ohren spitzte: “Kennst du den Song, der da läuft?”

Mein Kopfschütteln quittierte Gerd mit einem “Sekunde”. Schon sprach er das arglose Mädchen hinter der Theke an, einen Finger dabei Richtung Boxen gereckt. Kopfschütteln.

Zerknirscht kehrte Gerd an unseren Tisch zurück. “Mist! Seit Wochen versuche ich rauszukriegen, wie der Song heißt. Oder wenigstens die Band.” Sein Gesicht verriet, dass ihm die Antwort bis ans Ende aller Tage in die Finsternis ewiger Mysterien verstoßen schien.

“Movin’ On 2011″, ließ ich beiläufig fallen.

Gerd glotzte mich glubschäugig an.

“So heißt der Song”, erklärte ich ihm.

“Ich denke, du kennst ihn nicht.”

“Kenne ich auch nicht. Na und? Kann doch trotzdem wissen, wie er heißt.”

Gerd guckte mich an, als hätte ich behauptet: “Ich weiß zwar nicht, wo in Gifhorn die Goethestraße ist, ich weiß nicht mal, wo Gifhorn liegt, aber deswegen kann ich doch trotzdem wissen, wie man hinfährt.”

“Ist übrigens von Fleetside featuring Carolyn Harding, der Song. Und was da gerade läuft, ist der ‘Groove Junkies MoHo Vox’-Mix.”

Gerd war sichtlich überfordert. Er gehört zu denen, die immer noch einen furiosen Fundus Falk-Pläne für alle Fälle und fast alle Städte im Kofferraum ihres Wagens mit sich führen.

Und wenn dieser Wissenschatz an seine Grenzen gerät, wird eben rechts rangefahren und ein argloser Fremder genötigt: “Kennen Sie den Titel, der hier gerade im Autoradio läuft? Und den Weg zur Goethestraße?”

Nein, neumodisches Zeug wie ein Navi käme für Gerd niemals in Frage. Deshalb konnte er sich auch keinen Reim darauf machen, als ich mein Mobiltelefon aus der Tasche holte und ein paar Mal übers Display wischte, während er hinter der Theke Antwort auf seine drängenden Fragen suchte.

Auf meinem Telefon befindet sich eine unscheinbare, kleine App, die wahre Wunder vollbringt. Und manchmal sogar Auskunft weiß auf Fragen, deren Antwort bis ans Ende aller Tage in die Finsternis ewiger Mysterien verstoßen scheinen. Ihr Name: Shazam.

Shazam ist eine Software, die Songs erkennt. Eine Art Navigationsgerät, das souverän durch die große, weite Welt der Musik führt.

Das funktioniert so verblüffend, dass man nicht nur beim ersten Mal, sondern immer wieder geplättet ist.

Sie hören Musik, im Radio, in einer Bar, im Club und Sie wollen die Details dazu? Telefon raus, Shazam starten – und los.

Shazam lauscht mit Ihnen zusammen der Musik. Etwa zehn Sekunden lang, angezeigt durch eine stilisierte Vinylscheibe im Display.

Dabei erkennt Shazam charakteristische Muster in der Musik. Sozusagen den individuellen Fingerabdruck eines Songs.

Diesen Fingerabdruck sendet Shazam automatisch an eine große Fingerabdruck-Kartei, wo sozusagen die Personalakte des Songs aus dem Register gezogen wird.

Und wenige Sekunden später hat man das Ergebnis im Display: Titel, Interpret, Album – und, und, und. Alles, was Shazam über den Song erfahren konnte.

Sofern im Personalregister auch noch das Albumcover hinterlegt ist, wird es ebenfalls angezeigt. Außerdem Tourdaten abrufbar, YouTube-Videos und mehr.

Das Ganze funktioniert erstaunlich zuverlässig. Bei gängigem Dudelpop gibt’s eh keine Aussetzer. Aber abgefahrene Jazz-Alben? Club-Mixes? Arien aus Bachs Weihnachtsoratorium? Erkannte Shazam in meinem persönlichen kleinen Testfeld alles sehr genau. Nur bei sehr speziellen DJ-Mixes musste Shazam passen.

Ein nützliches kleines Wunderding, das in der Anwendung wirklich verblüfft. Probieren Sie’s aus! Shazam liegt für alle gängigen Plattformen vor und ist in der Grundversion kostenlos. Damit kann man bis zu fünf Musikrecherchen pro Monat durchführen. Dem durchschnittlichen Musikfreund dürfte das schon genügen.

Nur meinen Freund Gerd wird all das nicht überzeugen. Um ehrlich zu sein: Ich bin schon froh, dass ich ihn zu einer E-Mail-Adresse überreden konnte.

Navis, Shazam und andere Nützlichkeiten des 21. Jahrhunderts wird er weiter ignorieren. Und beim nächsten Song wieder rechts ranfahren oder an die Theke hüpfen: “Kennen Sie die Band? Wissen Sie, wie ich den Bericht lesen kann, der im Internet über mich steht? Und können Sie mir sagen, wie spät es ist?” Eigentlich ein netter Kerl …

Feeling fifty-fine -
Edgar Wilkening

PS: In meinem gesamten Bekanntenkreis gibt’s niemanden, der Gerd heißt. Also wurde der Name von der Redaktion ganz offensichtlich geändert.

PPS: Für alle, die gern Auswahl haben, sei der SoundHound erwähnt. Gleiches Prinzip wie Shazam, gilt aber als etwas schneller in der Titelerkennung – und soll sogar selbstgesungene Songs erkennen können.

PPPS: “Movin’ On 2011″ im “Groove Junkies MoHo Vox”-Mix von Fleetside featuring Carloyn Harding finde ich richtig klasse. Deshalb hier der Link.

Januar 31, 2011 Posted Under: Alle, Digi, Tipps   Kommentare dazu lesen/schreiben

Auf ein, zwei, dreizehn Bierchen mit dem Weltmeister!

Auf ein, zwei, dreizehn Bierchen mit dem Weltmeister!

Autor: Edgar Wilkening | Fotos: Edgar Wilkening
Was ist das Schönste nach einer großen Weinprobe? Alle, die ich kenne, sind sich einig: Man ist so satt von Wein – da ist das Schönste hinterher ein kühles, frisches Bier.

Offensichtlich zu Recht. Denn die immer noch gebräuchliche Unterscheidung zwischen Wein gleich edel und Bier gleich schlicht ist so hanebüchen wie die Unterteilung in U- und E-Musik. Ewiggestrig.

Das zu beweisen hat sich Karl Schiffner zur Aufgabe gemacht. Der Österreicher ist gelernter Sommelier. Und zwar: sowohl für Wein als auch für Bier.

Außerdem übertrumpfte er 2009 bei einem Wettbewerb knapp fünfzig Mitbewerber aus halb Europa. Und trägt seitdem ganz offiziell den Titel “1. Biersommelier Weltmeister”. Umso spannender, ihn persönlich zu erleben: vorgestern bei einem Bierdegustations-Menü im Hamburger Restaurant Pluto.

Und was bitteschön, fragen Sie jetzt vielleicht, haben Omas niedliche Likörgläschen hier beim Thema Bier verloren?

Nix da, Likör! Es handelt sich um speziell designte Bier-Degustationsgläser. Von Karl Schiffner extra für das Verkosten von Bier entwickelt. Weit entfernt vom bayerischen Maßkrug. Aber zum Prüfen und Probieren braucht man nun mal keinen Humpen, genau wie bei Wein. Sondern es reichen, im wahrsten Sinne des Wortes: Bierchen.

Die bauchige Form der Degustationsgläser erlaubt dem Bier beim Einschenken Luftkontakt und damit die Entfaltung der Aromen. Die schmale Taille soll verhindern, dass dabei Kohlensäure entweicht. Und der geschwungene Rand garantiert eine Punktlandung des Bieres direkt an der Zungenspitze, damit ausgehend von dort alle Noten schmeckbar werden.

Biertrinken aus der Flasche? Ein Graus für den Sommelier: “Wer direkt aus der Flasche trinkt, gibt dem Bier keine Chance sich im Mundraum zu entfalten. Übrig bleibt nur das Bittere.”

Trotzdem: Zu kaufen gibt es die Degustationsgläser nirgends. Schiffner nutzt sie exklusiv in seinem Biergasthaus im österreichischen Aigen und bei seinen Verkostungen.

Los ging’s mit einer Blindprobe. Fünf unterschiedliche Biere im Glas, ohne Kenntnis von Brauart, Marke, Herkunft. Unvoreingenommen schauen, riechen, schmecken. Ganz auf die eigenen Sinne reduziert. In Weinrunden passiert einem das öfter. Aber bei Bier?

Probieren Sie’s aus. Selbst ohne Degustationsglas: spannend, wie neu, anders und differenziert man das vermeintliche Allerweltsgetränk wahrnehmen kann.

Dabei waren die Blindproben-Biere noch harmlos. Allesamt nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut und, wie sich herausstellte, aus dem Hause Warsteiner (inklusive König Ludwig), mit dem Biersommelier Schiffner seine Verkostungen in Deutschland durchführt.

Wirklich aufregend wurde es dann beim Aperitif. Der Weltmeister servierte als Auftakt vor dem Menü ein belgisches Himbeer-Bier.

Was war das Ungewöhnlichste am Framboise Boon? Dass es spontanvergoren war? Ein Begriff, der in der Weinszene längst seine Runden zieht – aber bei Bier? Dass während des Brauvorgangs 25 Prozent Himbeeren und 4 Prozent Sauerkirschen zugegeben werden? Dass es ein ausgewiesenes Jahrgangs-Bier war, nämlich von 2008? Dass es in einer schweren Champagnerflasche kam? Dass es in Sektgläsern serviert wurde? Dass man ihm, wie bei guten Weinen, ein Lagerpotenzial von zehn bis fünfzehn Jahren gibt? Oder waren es am Ende doch die verblüffenden, fruchtigen Noten in Nase und Mund?

Biere wie das Framboise Boon stellen offensiv den Sinn des heißgeliebten deutschen Reinheitsgebots in Frage. Was spricht dagegen, einem Bier Früchte, Kräuter oder andere Zutaten mit auf den Weg zu geben, wenn sich daraus solche Geschmacksdimensionen ergeben können?

Deutschland paradox: Natürliche Früchte während des Brauens sind verboten. Aber hinterher künstliche Aromen reinkippen und die Brühe als Mixgetränk unter die Leute bringen ist erlaubt.

Der nächste Hammer war ein Bier, das sich 5 a.m. Saint nennt und von einer kleinen schottischen Brauerei namens BrewDog Brewery stammt. “Beer for punks” haben sich die Macher auf die Fahnen geschrieben und rufen zur “craft beer revolution” auf – aber nur mit besten natürlichen Rohstoffen.

Hätte ich das Getränk blind im Glas gehabt und nur nach dem ersten Eindruck in der Nase bewertet, ich hätte lauthals “Gewürztraminer” in die Runde gerufen: ausgeprägte Rosenaromatik. Aber schon der Blick auf die rotblonde Farbe wollte nicht mehr zur Rebsorte passen. Handelte sich eben doch um Bier. Sehr verblüffend.

Im Mund paarte sich die Rosenaromatik grandios mit Passionsfrucht und der Herbe von Bier. Sehr außergewöhnliches Geschmackserlebnis. Das Geheimnis: amerikanischer Aromahopfen. Wenn Sie mal die Chance haben, Biere von BrewDog zu probieren: unbedingt machen!

Es folgte ein London Porter von Meantime, das mit Röstaromen von Kaffee und Schokolade einen Rinderschmorbraten kongenial zu begleiten wusste.

Dann zwei Trappistenbiere aus den Niederlanden: ein La Trappe Triple, das seine Aromatik von Koriander bezieht, und ein La Trappe Quadrupel, das seinen Geschmack einer Reifung in Eichenholzfässern verdankt. Und weitere …

Insgesamt acht Spezialbiere, die im Rahmen des Menüs ihre erstaunliche Kombinationsfähigkeit mit Speisen unter Beweis stellten. Dazu die fünf Blindproben vom Anfang: macht unterm Strich dreizehn beeindruckende Bierchen mit dem Weltmeister Karl Schiffner. Ein spannendes Erlebnis!

Blieb am Ende nur noch die Frage: Was ist eigentlich nach einer großen Bierprobe das Schönste? Um ehrlich zu sein: Ich war so satt von Bier – mir war nach einem kühlen, frischen Riesling.

Feeling fifty-fine -
Edgar Wilkening

Januar 16, 2011 Posted Under: Alle, Gusto   Kommentare dazu lesen/schreiben

Alter Schwede! Wie kommt der Graved Lachs in mein Gepäck?

Alter Schwede! Wie kommt der Graved Lachs in mein Gepäck?

Autor: Edgar Wilkening | Fotos: Edgar Wilkening
Traditionen sind ja eine feine Sache: Man weiß, was auf einen zukommt, und kann sich darauf einrichten. So oder so. Und gerade zu Weihnachten hat wohl jede Familie ihre ganz eigenen Traditionen: Wann der Weihnachtsbaum geschmückt wird, was es an Heiligabend zu essen gibt, und welche halbseidenen Witze Onkel Willi nach drei Weinbrand zum Schlechtesten Besten gibt.

Und irgendwann weiß niemand mehr, wann das Ganze mal angefangen hat, wer damit begonnen hat und warum man das überhaupt so macht – aber alle halten sich dran. Das ist der Moment, wenn auch aus der kleinsten Marotte eine große Familientradition geworden ist.

Irgendwann muss ich wohl selber mal mit so was angefangen haben. Jedenfalls ist es in meiner Familie seit Menschengedenken so, dass ich zum Weihnachtsmenü in jedwedem Zustand, mit jedweder Begleitung und unter jedweden Umständen auftauchen darf – aber niemals ohne Graved Lachs.

Begonnen hat es wahrscheinlich damit, dass ich das Verfahren, rohen Lachs nur durch Zugabe von Gewürzen und physischen Druck zu beizen, unbedingt selbst probieren wollte. Aber weiß man’s noch …? Und vermutlich hat das Ergebnis meine Familie derart beglückt, dass es irgendwann zur festen Gewohnheit wurde. Jedenfalls habe ich schon seit gefühlten Generationen zu den Weihnachtsfeiertagen immer Graved Lachs im Gepäck.

Der Ursprung dieser verblüffend simplen Rezeptur mit dem aromatischen Ergebnis liegt in Skandinavien. Übersetzt bedeutet Graved Lachs in etwa ‘eingegrabener Lachs’. Denn früher war es üblich, den mit Dill, Salz und Zucker versehenen Lachs in der Erde zu vergraben und dann mit Steinen zu beschweren.

Aber holen Sie jetzt nicht gleich den Spaten raus! Das unterirdische Rezept wurde so aufgeräumt, dass Onkel Willis Witze mit Sicherheit das Schmuddeligste am Weihnachtstisch bleiben.

Und wenn Sie keine Lust zum Selbstbeizen haben? Kein Problem! Falls Sie mich über die Feiertage zufällig an irgendeinem Airport, einer Autobahnraststätte oder einem Bahnhof treffen: Sprechen Sie mich einfach an. Mag sein, ich habe meine Zahnbürste zuhause vergessen – aber ich habe garantiert Graved Lachs im Gepäck.

Da der Lachs roh gegessen wird: Bitte nur allerbeste Frischware verwenden. Das Filet auf der Haut belassen. Den fettreichen Bauchlappen großzügig trimmen. Filet gründlich mit Haushaltspapier trocknen.

Lachs auf Alufolie setzen. Mit weißem Pfeffer würzen.

Mit einer feinen Schicht Zucker überziehen. Großzügig mit Fleur de Sel bestreuen.

Lachs üppig mit frischem, gezupftem Dill belegen. Asia-Liebhaber geben auch noch frischen Koriander dazu. Dann den Lachs mit der Alufolie eng umwickeln. Das Paket in einen Kunststoffbeutel geben. Den Lachs mit einem Gewicht beschweren und knapp über dem Gefrierpunkt lagern. Regelmäßig wenden.

Nach zwei, drei Tagen ist der Graved Lachs fertig. Schräg in dünne Scheiben aufschneiden. Dazu passen Salate, Baguette und Graved-Lachs-Sauce und ein feinherber Riesling oder ein Rosé.

Feeling fifty-fine –
Edgar Wilkening

Dezember 25, 2010 Posted Under: Alle, Gusto   Kommentare dazu lesen/schreiben

Das vielleicht schönste Weihnachtsgeschenk dieses Jahr? Legt uns ein Brite unter den Tannenbaum

Das vielleicht schönste Weihnachtsgeschenk dieses Jahr? Legt uns ein Brite unter den Tannenbaum

Autor: Edgar Wilkening | Fotos: Bayerischer Rundfunk
Wie viele Präsente türmen sich bei Ihnen dieses Jahr unterm Tannenbaum? Womöglich so viele, dass Sie das vielleicht schönste Weihnachtsgeschenk am Ende glatt übersehen könnten.

Und das wäre schade! Denn es kommt von einem Briten: Stuart Pigott, Weinexperte mit ausgeprägtem Hang zu exaltierten Sakkos.

Verblüffend: Der Engländer hält die deutsche Fahne hoch. Sehr hoch. Höher als viele Deutsche. Jedenfalls, solange es um Wein geht. Statt Chardonnay mit Täterä und Pinot Grigio von irgendwo schwört Pigott auf Riesling aus dem Rheingau, aus Rheinhessen, Rotwein von der Ahr, Süßwein von Mosel, Ruwer, Saar – und dergleichen mehr, was deutsche Weingaue so hervorbringen.

Gaue? Schon der Terminus weckt Erinnerungen an Zeiten, die diesem Land und auch dem Rest der Welt nicht gut bekommen sind. Und just diese Zeiten sind entscheidend mitverantwortlich für den beispiellosen Niedergang deutschen Weins im letzten Jahrhundert.

Zum Beispiel durch Zerschlagung internationaler Handelsstrukturen für deutschen Wein. Denn die meisten waren in jüdischem Besitz. Händler, die oft über Generationen Verbindungen in alle Welt gepflegt hatten, wurden deportiert und ermordet.

Die deutschen Günstlinge, die an ihrer Stelle eingesetzt wurden, zeichneten sich meist vor allem dadurch aus, dass sie weder zu den hellsten Sternen am Abendhimmel gehörten noch ausreichende Erfahrungen und Verbindungen hatten.

Heute kaum mehr vorstellbar, aber noch Anfang des 20. Jahrhunderts war Traben-Trarbach an der Mosel einer der beiden bedeutendsten Weinhandelsorte der Welt: auf Augenhöhe mit Bordeaux. Deutscher Wein genoss Weltruf. Und wurde zu Spitzenpreisen gehandelt, teurer als Bordeaux-Gewächse.

Zwei Vertreter der neuen deutschen Winzergeneration bestätigten das, als ich kürzlich mit ihnen sprach: H.O. Spanier vom renommierten rheinhessischen Weingut Battenfeld-Spanier und Roman Niewodniczanski vom ebenso renommierten Weingut Van Volxem an der Saar.

Unabhängig voneinander berichteten beide von Weinkarten auf historischen Luxuslinern wie der Titanic. Die besten deutschen Weine wurden darin zu Preisen geführt, doppelt, dreifach, vierfach so hoch wie jene Bordeaux-Namen, bei denen heute schon eine einzelne Flasche einen drei- oder gar vierstelligen Betrag fordert. Bordeaux-Weine wurden damals auf den letzten Seiten der Weinkarten geführt. Man bestellte sie, wenn man einfach nur “noch was zu trinken” wollte.

Rund hundert Jahre später ist vom damaligen Glanz deutscher Weine wenig geblieben. Und Traben-Trarbach längst in den Schlaf eines kleinen Provinznests gesunken.

Aber es gibt sie: ambitionierte Winzer, die an frühere Glanzzeiten anknüpfen wollen. Die sich von den Nachkriegsprinzipien ihrer Väter trennen und lieber zurückkehren zur Klasse statt auf Masse zu setzen. Die beiden oben genannten Winzer gehören dazu. Aber sie sind bei weitem nicht allein. Seit fünfzehn, zwanzig Jahren tut sich Erstaunliches in deutschen Weinlanden.

Vom “Weinwunder Deutschland” spricht der Brite Pigott deshalb und ergänzt: “Vor einer Generation gab es zwar gute deutsche Weine, aber man musste unglaublich danach suchen, um ein paar aufzutreiben. Heute gibt es sie in Hülle und Fülle in jeder Preislage!”

Am ersten Weihnachtstag, pünktlich um 16.30 Uhr, legt uns der Bayerische Rundfunk dieses Weinwunder unter den Tannenbaum. Als erste Folge einer TV-Dokuserie, in der Stuart Pigott auf eine Reise quer durch Deutschland geht, um dem deutschen Weinwunder auf die Spur zu kommen.

Thema der ersten Folge: “Die Riesling-Renaissance”. Auch auf die Gefahr, den deutschen Automobilbauern und der deutschen Nationalelf auf die Füße zu treten, behauptet Pigott: “Der Riesling ist eine der bedeutendsten kulturellen Botschaften Deutschlands an die Welt.”

Tolles Statement! Deshalb freue ich mich schon jetzt auf dieses wunderbare Weihnachtsgeschenk. Auf die erste Folge genauso wie auf die weiteren. Die widmen sich Themen wie der deutschen Rotwein-Revolution, der Ökowein-Welle und den jungen Wilden im Wein.

Also, verpassen Sie’s nicht! Bei mir sind schon alle Festplattenrecorder programmiert. Und wenn Sie die Serie sehen: Schreiben Sie mir, wie sie Ihnen gefällt. Am besten für alle lesbar: als Kommentar hier unter dem Posting. Ich freue mich darauf!

Bis dahin schöne Weihnachten und angenehme Festtage!

Feeling fifty-fine –
Edgar Wilkening

“Weinwunder Deutschland” im Bayerischen Rundfunk

Samstag, 25. Dezember 2010, 16:30 Uhr Folge 1: Die Riesling-Renaissance
Pigott: „Der Riesling ist eine der bedeutendsten kulturellen Botschaften Deutschlands an die Welt.“

Sonntag, 26. Dezember 2010, 16:30 Uhr Folge 2: Die Rotwein-Revolution
Pigott: „Deutschland ist nicht mehr die ‘Gruselkammer des rötlichen Weines’.“

Freitag, 31. Dezember 2010, 16:30 Uhr Folge 3: Guter Wein in rauen Mengen?
Pigott: „Gibt es im Supermarkt wirklich gute deutsche Weine? Und zu welchem Preis? Wir verkosten blind.“

Samstag, 1. Januar 2011, 16:30 Uhr Folge 4: Die Ökowein-Welle
Pigott: „Ökologische Lebensmittel gab es noch vor zehn Jahren nur in komischen dunklen Läden, heute in jedem Supermarkt. Ökowein – schmeckt der?“

Sonntag, 2. Januar 2011, 16:30 Uhr Folge 5: Junge Wilde im Wein
Pigott: „Der deutsche Jungwinzer von heute ist eine ganz andere Kreatur als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Für sie oder ihn ist es ganz selbstverständlich, dass Wein ein Teil der Popkultur ist.“

Donnerstag, 6. Januar 2011, 16:30 Uhr Folge 6: Süßwein – ein Herbstmärchen?
Pigott: „Paradox: Der teuerste Wein ist süß, aber der billigste auch. Das ist doch Wahnsinn, das interessiert mich!“

Dezember 22, 2010 Posted Under: Alle, Gusto, Publik   Kommentare dazu lesen/schreiben

Malerische Sonnenuntergänge an Bord der “Mein Schiff 1″ – und nicht ein einziges Foto davon …

Malerische Sonnenuntergänge an Bord der “Mein Schiff 1″ – und nicht ein einziges Foto davon …

Autor: Edgar Wilkening | Fotos: Edgar Wilkening
Fotos malerischer Sonnenuntergänge gehören zu einer Kreuzfahrt wie der Klabautermann zu den Weltmeeren. Gigatonnen an Daten glühend im Meer versinkender Sonnen verstopfen die Festplatten der Welt. Gerne auch dekoriert mit tropischen Cocktails, an denen trutschige Dorfschönheiten kleben.

Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.

Statt dessen hier ein paar Shots, die selbst manchem Mitreisenden kaum ins Auge gefallen sein dürften. Alle Fotos entstanden an Bord der “Mein Schiff 1″ von Tui Cruises im Zeitraum 5. bis 12. Dezember 2010. Wer alle Bilder richtig zuordnen kann, bekommt von mir den Großen Klabautermann-Orden am Ehrenband verliehen.

“Beim Kofferpacken bitte Terminkalender vergessen”, hieß es in den Reiseunterlagen von Tui Cruises. Womit man mir wohl sagen wollte, dass Zeit und Termine an Bord der “Mein Schiff 1″ keine Rolle spielen – wie man an dieser Bahnhofsuhr deutlich erkennen kann.

Seefahrerromantik? Pustekuchen. Trotzdem mein ganz persönlicher Lieblingsplatz an Bord. Hier kam ich am ersten Tag an – und hatte für den Rest der Reise mein Plätzchen gefunden: die Tapas y Mas Bar. Speziell bei geöffnetem Sonnendach: traumhaft.

Lass liegen! Sehen einladender aus, als sie sind. Denn die geneigten Flächen sind nicht verstellbar, sondern fest montiert, was zwar die Stabilität erhöht, aber nicht den Komfort.

Zwei Kugeln Stracciatella, ein Mal Schoko? Nein, diese bunten Becher sind meines Wissens nicht für die Aufnahme von Gelati gedacht.

Mobile Sternwarten zur Himmelsbeobachtung, die Kapitän und 1. Offizier zur präzisen Positions- und Kursbestimmung auf See dienen. Jedenfalls war das meine erste Vermutung beim Anblick der Kuppeln.

“Jetzt muss ich Sie mal fragen: Was haben Sie da gerade fotografiert?”, sprach mich eine Dame an, als ich mich für dieses Bild hingekniet hatte. Vielleicht erkennt sie es ja wieder.

Coole Szenebar mitten in Hamburg, München oder Frankfurt? Das würde allerdings bedeuten, dies Bild wäre definitiv im falschen Ordner gelandet.

Ordnung muss sein. Jeden Morgen neu in Reih und Glied geordnet, bereit für den Ansturm der allgegenwärtigen Badetuchmarkierer.

Der frühe Vogel läuft im Sturm. Wer sich an Bord azyklisch verhält, findet reichlich Auslauf für seine persönlichen Vorlieben.

Als Abschluss dann doch noch ein kleiner Sundowner-Shot: schaulustige Mitreisende beim Auslaufen des Schiffs. Nur, um nach der obigen Bilderstrecke gar nicht erst den Eindruck aufkommen zu lassen, ein Kreuzfahrer wie die “Mein Schiff 1″ sei eine einsame, vollkommen menschenleere Angelegenheit. Das ist es nämlich eher nicht. Aber davon werde ich in Kürze berichten …

Feeling fifty-fine -
Edgar Wilkening

Dezember 19, 2010 Posted Under: Alle, Leben   Kommentare dazu lesen/schreiben

Was für ein Krimi! Jede Menge Mörder. Und als Ermittler? Kommissar Markt

Was für ein Krimi! Jede Menge Mörder. Und als Ermittler? Kommissar Markt

Autor: Edgar Wilkening | Bilder: Campus-Verlag
Da flatterte mir jüngst ein Buch auf den Tisch mit dem markigen Titel “Nur Tote bleiben liegen”. Man ahnt schon: Es wird sich kaum um einen Gute-Nacht-Schmöker für Kinder handeln oder ein Coffeetable-Book für Kunstfreunde.

Nein, bei einem derart reißerischen Titel darf man einen knallharten Krimi erwarten. Und genau als das entpuppt sich “Nur Tote bleiben liegen” auch. Und was für ein Krimi!

Nach einer wahren Begebenheit, wie es immer so schön heißt. Spielt mitten unter uns, mitten im Deutschland dieser Tage. Und wie es sich für einen richtigen Krimi gehört, gibt’s auch Mörder. Aber nicht einen. Sondern viele. Dutzende. Hunderte. Wahrscheinlich noch viele mehr.

Sie leben mitten unter uns. Aber keinesfalls unerkannt. Sondern gelten als erfolgreiche Manager und Unternehmenslenker. Fahren S-Klasse, X5, Cayenne. Sofern sie es noch können. Denn das Perfide ist: Sie meucheln, was sie nährt. Sie morden die Unternehmen, für die sie tätig sind.

Und wem all das noch nicht sonderbar genug erscheint, dem sei verraten: Ermittler ist kein kauziger Columbo, kein blitzgescheiter Poirot, kein telegenes Tatort-Team. Sondern Kommissar Markt. Sozusagen der Kollege von Kommissar Zufall. Nur weitaus härter, gnadenloser, unbarmherziger.

Wer die früheren Bücher des Duos Anja Förster und Peter Kreuz kennt, wird sich wundern: Haben die beiden umtriebigen Wirtschaftsautoren das Genre gewechselt? Keineswegs.

Förster und Kreuz gelten als Business-Querdenker einer neuen Generation. Sie: ehemalige Accenture-Managerin. Er: früher Senior-Berater bei Andersen Consulting. Heute gemeinsam unterwegs in einer Mission: Manager und Unternehmenslenker wachrütteln aus dem Dornröschenschlaf verkrusteter Strukturen und überholter Denkmuster.

Die Vorgängertitel “Alles, außer gewöhnlich” und “Spuren statt Staub” wurden zu auflagenstarken Bestsellern im Bereich Wirtschaftsbuch. “Nur Tote bleiben liegen” schließt da nahtlos an.

Kernthese: Wir erleben einen dramatischen Wandel von der Industriegesellschaft zur Informationsgesellschaft. Mit dramatischen Folgen für Unternehmen: Wer versucht, mit den Mustern und Strukturen der alten Industriegesellschaft in der neuen Informationsgesellschaft erfolgreich zu sein, wird scheitern.

Was gestern noch ging, geht heute vielleicht gerade eben noch, aber morgen schon gar nicht mehr.

Beispiel hierarchische Strukturen. Im Industriezeitalter war es ein durchaus erfolgreiches Ordnungsprinzip, Mitarbeiter zu Befehlsempfängern zu degradieren. Von oben nach unten wurde hierarchisch durchkommandiert, was wann wie zu tun war.

In sozialen Netzwerken von Wikipedia bis Facebook erleben wir heute das Gegenteil. Kommunikation und Miteinander ohne Zentralismus, ohne klassische Hierarchien, ohne Top-down-Strukturen.

Jeder hat die gleichen Möglichkeiten und Rechte, sich zu äußern, sich zu beteiligen. Nicht wer oben steht in einer traditionellen Hierarchie, hat deshalb auch mehr Bedeutung. Sondern wer Bedeutsames mitzuteilen hat: Neues, Interessantes, Lustiges, Bewegendes, Spannendes, Kurioses. Unabhängig von seinem Status.

Wenn Manager vor diesem Hintergrund an überholten Strukturen, an veralteten Denkmustern festhalten, meucheln sie ihr Unternehmen. Im Prinzip ist es schon tot, es weiß nur noch keiner. Denn der Markt ist ein erbarmungsloser Kommissar. Und überführt – über kurz oder lang – jeden.

Förster und Kreuz prophezeihen: Unternehmen müssen sich künftig als dezentralisierte, ständig in Bewegung befindliche Systeme verstehen, wenn sie im Wettbewerb um Mitarbeiter, Innovationen, Marktanteile und Kunden bestehen wollen.

Was es dazu braucht, ist eine fundamental andere Art des Managements. Eine radikal neue Art des Denkens. Führungskräfte nicht mehr als anordnende Befehlsgewalten. Sondern als soziale Architekten. Als Architekten, die sozialen Raum schaffen im Unternehmen, in dem Mitarbeiter ihr Potenzial entfalten können.

Klingt nach drögem Sachbuch-Schnickschnack? Dann werfen Sie mal einen Blick auf das Cover. So grell wie die das Design, so reißerisch wie der Titel, so provokant wie die Thesen – so unterhaltsam ist das ganze Buch.

Derart rasant geschrieben, dass einem bisweilen der Atem stockt beim Lesen. Erst recht, wenn man Unternehmen kennt, die nach dem alten Muster ticken.

Mancher Krimi, der sich mit diesem Etikett ganz offiziell schmückt, wäre gern so spannend geworden. Und liest sich neben “Nur Tote bleiben liegen” wie die Gebrauchsanleitung für eine Kaffeemaschine. Viel Vergnügen also. Und für alle, die es umsetzen können: auch viel Gewinn.

Anja Förster, Peter Kreuz
Nur Tote bleiben liegen
Entfesseln Sie das lebendige Potenzial Ihres Unternehmens
Campus Verlag (Frankfurt) | 2010 | Gebunden | 24,90 Euro (D)
ISBN 978-3-593-39220-2

November 1, 2010 Posted Under: Alle, Busy, Publik   Kommentare dazu lesen/schreiben

Sensation! Unterschied zwischen “sofort” und “SOFORT!” aufgeklärt

Sensation! Unterschied zwischen “sofort” und “SOFORT!” aufgeklärt

Autor: Edgar Wilkening | Foto: iStockphoto.com / loops7
Lausige Leistung muss sich lohnen! Deshalb werden verlogene Versprechen und schlechter Service bei fifty-fine angemessen gewürdigt: mit eimerweise Spott und Häme.

Der offene Brief heute geht an Herrn D. A. S., Geschäftsführer des Webshops www.andorio.de, der sich verdient gemacht hat um die Aufklärung des Unterschieds zwischen “sofort” und SOFORT!”. Nobelpreisverdächtig.

Sehr geehrter Herr S.,

kennen Sie den Unterschied zwischen “sofort” und “SOFORT!”? Es ist die irreguläre Verkrümmung des Raum-Zeit-Kontinuums.

Aber wem sag ich das? Als Geschäftsführer von www.andorio.de sind Sie wahrscheinlich auf du und du mit diesem ganzen Raum-Zeit-Gedöns, oder?

Denn neulich in Ihrem Webshop: Ich entdecke die Sony Digitalkamera Cybershot DSC-W350. Tolles Teil. Also schwupp, sofort ab in meinen Warenkorb. Sofort ein Kundenkonto dazu eröffnet. Und sofort den Bestellvorgang weiter ausgeführt. Jedenfalls kam’s mir vor wie sofort. Aber vielleicht hatte da schon dieses Raum-Zeit-Zeugs seine Finger im Spiel.

Bei der Auswahl der Zahlungsweise stieß ich auf einen spannenden Hinweis: Bei der Verwendung des Dienstes von sofortüberweisung.de würde die bestellte Ware “bei Verfügbarkeit sofort geliefert bzw. gesendet” werden.

Nein, halt: Da stand nicht einfach “sofort”. Sondern: “SOFORT”! In ausdrucksstarken Versalien. Und mit expressivem Ausrufezeichen am Satzende!

Ich war natürlich sofort total sofortisiert. Und dachte sofort … Nein, halt, ich dachte SOFORT: So viel SOFORT, das will ich sofort. Und zwar SOFORT! Mit expressivem SOFORT-Zeichen am sofortigen Satzende! Und so fort.

Immerhin war mir die Kamera von Ihnen als “sofort lieferbar” angezeigt worden. Allerdings, ich gebe zu: nicht in ausdrucksstarken Versalien. Sondern nur in Kleinschreibung. Steckte hinter dieser irregulären Verkrümmung der Lettern womöglich auch schon diese Raum-Zeit-Dingsbumsgeschichte?

Egal, ich war derart sofortisiert, dass ich sofort sofortüberweisung.de nutzte. Und siehe da: Der Gesamtbetrag in Höhe von 139,90 Euro wurde wirklich sofort von meinem Konto abgebucht. Lief also alles wie am Schnürchen, dachte ich sofort. Und ja, es trudelte sofort auch eine E-Mail ein, die mir meine Bestellung mit der Nummer 35585 sofort bestätigte.

Aber danach hatte es sich aussofortisiert. Und zwar gründlich.

Denn das mit der Bestellung, das ist jetzt ja auch schon wieder gefühlte zehn Kalendertage her, also nach konventioneller Zeitrechnung, ohne dieses Raum-Zeit-Zeugs. Bestellung am 2. Oktober 2010 – heute, am 12. Oktober 2010, immer noch keine SOFORT! gelieferte Kamera in der Hand.

Ich weiß, man kennt das ja: Raumschiff Enterprise und so. Captain Kirk gerät versehentlich in ein Zeitstrudel-Dingsda, Spock und die Mannschaft verbringen bange Stunden bis zur Rettung, aber Captain Kirk hat den Eindruck, es hätte nur die Länge eines Wimpernschlags gedauert. Alles nur eine Frage des Standpunkts: auf welcher Seite der Raum-Zeit-Verkrümmung man sich befindet.

Für Sie fühlt sich’s vielleicht sogar heute noch so an, als hätten Sie die Kamera SOFORT! geliefert, mit Großbuchstaben, Ausrufezeichen, Zack-zack und allem Schnickischnacki. Und ich bin der Einzige, dem’s vorkommt wie ‘ne Ewigkeit.

Denn so viel ist ja klar: Kein vernünftiger Kaufmann würde in seinem Webshop mit abmahnfähigen Sofort-Aussagen hantieren, wenn er dadurch Captain Kirk in Schwierigkeiten bringt, oder?

Damit wäre unzweifelhaft bewiesen: Es gibt sie tatsächlich, diese Raum-Zeit-Dingsbumsgeschichten. Sensationell. Falls demnächst also das Telefon klingelt: Nicht wundern, wenn Stockholm dran ist und Ihnen den Nobelpreis für Physik verleihen will.

Was mir persönlich allerdings Sorge macht: So ‘ne richtig fiese irreguläre Verkrümmung von diesem Raum-Zeit-Gedöns, wenn die sich erst mal hinzieht, kann das auch noch länger dauern. Zehn Tage. Oder zehntausend Jahre. Und ob meine sofort bezahlte Sony Cybershot DSC-W350 dann noch topaktuell ist …? Was meinen Sie?

Mit freundlichen Grüßen aus Hamburg -
Edgar Wilkening

Oktober 12, 2010 Posted Under: Alle   Kommentare dazu lesen/schreiben

Ich lade Sie herzlich ein: Ruinieren Sie meinen Biertisch!

Ich lade Sie herzlich ein: Ruinieren Sie meinen Biertisch!

Autor: Edgar Wilkening | Fotos: Edgar Wilkening
In München ist die Wies’n in vollem Gange. Soll St. Pauli da etwa zurückstehen? Deshalb hab ich mir kurzerhand eine niegelnagelneue Biertischgarnitur zugelegt.

Ich finde: ein Produkt, das einfach genial ist. Simpel aufzubauen, simpel abzubauen, bietet viel Platz, nimmt selbst kaum Platz weg. Und um ehrlich zu sein: Ich mag auch das unkomplizierte Sitz- und Lebensgefühl, das diese Art Möbel vermittelt.

Die Bierbank als Symbol lässigen Lebensstils? Na klar, warum nicht. Sozusagen das deutsche Pendant zum englischen Pub, der ebenfalls alle sozialen Schichten, für die kurze Dauer ihres Aufenthalts, in einem kleinen klassenlosen Mikrokosmos eint.

Haken der Biermöbel: Für gewöhnlich bestehen sie aus billigstem Material, fix zusammengeschrotet. Weichholz, Eisen, Lack – zick, zack, fertig. Anders gesagt: geniales System, lausige Umsetzung.

Das hat zur Folge, dass quasi direkt nach dem Kauf einer niegelnagelneuen Garnitur schon nix mehr niegelnagelneu ist. Erst recht, wenn Tische und Bänke – wie in meinem Fall – unter freiem Himmel stehen, schutzlos Wind und Wetter ausgeliefert.

Und nein: Ich habe nicht die Absicht, sie bei jedem kleinen Guss reinzuholen, einzupacken, abzuwischen oder zuzudecken. Wär ja noch schöner, wenn ich mir meinen lässigen Lebensstil durch kleinbürgerliche Anwandlungen ruinieren würde. Nein, nicht mal im triefendsten Herbst oder tiefsten Winter werde ich das Mobiliar aus der Witterung nehmen.

In so einem Fall gibt’s zwei Möglichkeiten. Erstens: Man bessert den ab Werk gelieferten Schutzzustand der Möbel nach, damit sie der Witterung widerstehen. Also losen Lack runter, Lücken spachteln, Poren schließen, Ritzen versiegeln, grundieren, lackieren, anschleifen, nachstreichen – und das regelmäßig immer wieder, auf dass ja kein Wässerchen die sensiblen Materialien trüben könnte.

Da hab ich mich doch lieber für Möglichkeit Zwei entschieden. Allerdings in einer radikal verschärften Version.

Statt den schier aussichtslosen Kampf gegen die Naturgewalten aufzunehmen und Tage damit zu verbringen, die Garnitur wie geleckt aussehen zu lassen, werde ich das Gegenteil tun: Ich werde sie verwittern lassen.

Nein, falsch, nicht einfach nur verwittern – ich werde den Erosionsprozess noch nach Kräften fördern: durch feine, kleine Messerschnitzereien in der Oberfläche des Holzes. Und dazu lade ich Sie herzlich ein!

Wofür Sie in Bayern lebenslanges Hausverbot kassieren, bei mir auf St. Pauli ist es erlaubt: Ruinieren Sie mir meinen Biertisch mit Ihrer Schnitzerei!

Ritzen Sie den Lack ein! Schlitzen Sie das Holz auf! Kritzeln Sie Ihr Zeichen rein!

Solange genug Holz an der Platte bleibt, dass der Tisch stabil ist, dürfen Sie zeigen, zu welcher Kunstfertigkeit Sie als Dreamteam fähig sind: nur Sie und Ihr Taschenmesser – allein im Kampf gegen die götzenhafte Schönheit glatter Oberflächen!

Wer weiß: Vielleicht steuern ein paar Künstler aus meinem Umfeld ebenfalls ihre Ritzereien bei. Und irgendwann ist der Tisch so kunstvoll verziert, so außergewöhnlich, persönlich und besonders, dass wir ihn für viel Geld und einen guten Zweck bei ebay versteigern. In dem Fall besorge ich sofort einen niegelnagelneuen, dem das gleiche Schicksal blüht.

Also: Hauchen wir dem Biertisch Leben ein! Lassen wir ihn berichten von den Abenden, die wir mit ihm verbracht haben, an ihm gefeiert, gelebt, gelacht haben. Mit jeder Schnitzerei erzählt er eine neue Episode – auch wenn er am Ende darüber zerbrechen wird.

Sich nicht an oberflächliche Schönheit zu klammern, sondern Veränderung zu pflegen und dabei lustvoll vom Lauf der Zeit zu erzählen: Aus so viel Biertisch-Philosophie würde manch einer glatt schon wieder eine Lebensweisheit machen.

Feeling fifty-fine –
Edgar Wilkening

PS: Das erste durchgeregnete Wochenende hat der Tisch schon hinter sich. Also, machen Sie schnell: Der Erosionsprozess hat schon begonnen! Und dabei steht uns der Winter erst noch bevor …

September 27, 2010 Posted Under: Alle, Yeah!   Kommentare dazu lesen/schreiben

Machen Sie sich einen großartigen Abend: Falstaff ist da

Machen Sie sich einen großartigen Abend: Falstaff ist da

Autor: Edgar Wilkening | Fotos Cover: Falstaff
Wie war Ihr Abend gestern? Meiner war großartig. Nein, kein Event, kein Sternerestaurant, keine Party. Ich habe den Abend mit etwas verbracht, das sich Falstaff nennt.

Falwas …?

Falstaff. Okay, schräger Name. Klingt nach falsch, Staffage und wer weiß, was noch. Alles daneben. Die wahre Herkunft des kuriosen Namen wird passenderweise in Falstaff selbst gelüftet, auf Seite 16. Und hier sei nur so viel verraten: Es hat was mit Shakespeare und den Adelshäusern des 14. Jahrhunderts zu tun – spannende Geschichte.

Und was ist Falstaff jetzt genau? Falstaff ist das, worauf ich lange gewartet habe: ein intelligentes, schön gemachtes Magazin, das sich den Genusskategorien Essen, Trinken, Wein und Reisen widmet.

Deutlich weniger blasiert als “Der Feinschmecker”, um Längen substanzieller als das Hochglanzheftchen “GourmetReise”, amüsanter als “Effilee”, thematisch breiter als “Vinum” und mit weniger Testosteron als “Beef!”. Unterm Strich: genau meine Kragenweite. Hat mir einen fantastischen Abend beschert gestern beim Lesen, Stöbern, Blättern.

Österreich-Freunde kennen Falstaff vielleicht schon länger. Dort erscheint das Magazin seit 30 Jahren und ist das älteste und auflagenstärkste Genussmagazin. Jetzt also eine Ausgabe extra für die Piefkes: Seit dem 15. September 2010 ist der deutsche Falstaff am Kiosk.

Die Idee dahinter ist ganz einfach: Hierzulande gibt es etwa das Zehnfache an Bevölkerung wie in der Alpenrepublik. Prinzipiell also auch das Zehnfache an potenzieller Leserschaft. So gesehen wirkt die 55.000er Auflage des deutschen Falstaff fast wie ein klitzekleiner Testballon gegen die 35.000 Exemplare in der Heimat des Hefts.

Österreichische Blattmacher, die mit ihrem Heft nach Deutschland drängen? Die Jüngeren zucken da erinnerungslos mit den Achseln. Aber manch Frühergeborenen erinnert das an Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Damals mischten die jungen, wilden Zeitschriften Tempo und Wiener den hiesigen Blätterwald auf, indem sie das Lifestyle-Genre über die Alpen zu uns brachten. Ein Phänomen, das nur knapp ein Jahrzehnt währte. Dann waren beide Blätter, die den Medienmarkt verändert hatten, selber den Veränderungen des Medienmarkts nicht mehr gewachsen. Seit Mitte der 90er leben Tempo und Wiener hierzulande nur noch als Legenden weiter.

Schon damals war klar: Wer hier Leser gewinnen will, muss sie richtig ansprechen. Wortwörtlich. Nicht umsonst behauptet ein geflügeltes Wort: Die Sprache ist nicht das Einzige, was Deutschland und Österreich unterscheidet.

Deshalb wird der hiesige Falstaff konsequenterweise gleich in Deutschland gemanagt. Von der Düsseldorfer Schanzenstraße 56, wo der neue Haupteigentümer des österreichischen Falstaff-Verlags Wolfgang M. Rosam praktischerweise auch gleich den Sitz seiner Holding hat.

Und ebenso konsequent sollen deutsche Schlagworte auf dem Cover den hiesigen Leser locken: deutscher Riesling, deutscher TV-Star, Oktoberfest in Deutschlands Süden. Als ob man ja den Anschein vermeiden wollte, das Magazin könne anderes als deutsche Leser im Auge haben.

Dabei zeigt ein Vergleich der Inhaltsangabe auf der deutschen Webseite von Falstaff mit der Inhaltsangabe auf der österreichischen Webseite: Die Unterschiede zwischen beiden Ausgaben scheinen eher marginal.

Na klar: Das kleine Editorial des Herausgebers (und ehemaligen RTL-Chefredakteurs) Hans Mahr zur deutschen Erstausgabe fehlt logischerweise im österreichischen Pendant. Aber sonst?

Wo hier die Tomaten als “Super Steak vom Strauch” entdeckt werden, kommen sie dort als “Paradiesische Paradeiser” daher. Wo hier im “Gourmetguide” die “spannendsten Restaurants Deutschlands auf dem Prüfstand” stehen, ist es dort “Bachls Sixpack” mit “Sechs Restaurants im Test”. Und dergleichen Lokalkolorit mehr …

Die großen Geschichten von Falstaff sind in beiden Ausgaben gleichermaßen vertreten. Und warum sollten sie auch nicht? So schön erzählt, so lustvoll bebildert, so interessant geschrieben.

Der Bericht über Günther Jauch als Winzer stellt genau die Fragen, die die Boulevardpresse nie interessieren würden. Das Titelthema Trüffel ist so spannend gemacht, dass selbst Trüffelbanausen wie ich es neugierig querlesen. Und dann natürlich “Großstadtreben”: eine Hommage an die Weinberge Wiens, die dann doch keinen Zweifel mehr daran lässt, wo der Falstaff seine Wurzeln hat.

Meine Empfehlung: Machen Sie sich einen grossartigen Abend mit Falstaff. Die deutsche Erstausgabe 01/2010 jetzt für 7,50 Euro am Kiosk.

Insgesamt 180 Seiten im üppigen Großformat 30 mal 23,5 cm. Auf angenehmem Papier, mit tollen Geschichten und Fotos. Und ja, ich finde: auch mit dem typisch österreichischem Charme zwischen den Zeilen. Mir gefällt das.

Jedenfalls freue ich mich schon jetzt auf einen großartigen Abend mit der zweiten Ausgabe. Die kommt am 24. November 2010. Ab 2011 gibt’s den deutschen Falstaff dann sechs Mal im Jahr (gegenüber acht Mal in Österreich). Drücken wir die Daumen, dass es lange so bleibt. Länger als ein Jahrzehnt.

Feeling fifty-fine –
Edgar Wilkening

September 21, 2010 Posted Under: Alle, Publik   Kommentare dazu lesen/schreiben

Einfach mal bleiben, wo man ist: Die Berliner Philharmoniker live auf St. Pauli

Einfach mal bleiben, wo man ist: Die Berliner Philharmoniker live auf St. Pauli

Autor: Edgar Wilkening | Fotos: Edgar Wilkening
Was für ein grandioser Auftakt! Waren Sie dabei vorgestern Abend? Eröffnung der Konzertsaison 2010/2011 der Berliner Philharmoniker. Auftaktkonzert unter der Leitung von Sir Simon Rattle. Beethovens Symphonie Nr. 4 B-Dur op. 60 und Mahlers Symphonie Nr. 1 D-Dur.

Sagen Sie jetzt nicht, Sie haben das verpasst! Dann haben Sie tatsächlich was verpasst. Dabei fand’s praktisch in der Nachbarschaft statt. In meinem Fall auf dem Spielbudenplatz, direkt an der Reeperbahn.

Die Berliner Philharmoniker? Live auf St.Pauli? Und ob! Wo sonst partywütiges Jungvolk auf der Suche nach dem schnellen 99-Cent-Rausch ist und musicalwütige Touristen ihre stadtfeine Kik-Garderobe ausführen, flutete am vergangenen Freitagabend das fantastische Auftaktkonzert des Hauptstadtorchesters über den Platz. Eines von drei Public Viewings, live übertragen aus Berlin, präsentiert auf Großbildleinwand, unter freiem Himmel. Übrigens parallel auch in 60 Kinos europaweit zu sehen gewesen.

Hat man musikalisch je etwas Komischeres gehört als den dritten Satz aus Mahlers Sinfonie an diesem Abend? Kommt daher als Trauermarsch: “Feierlich und gemessen, ohne zu schleppen”, schreibt der Komponist dazu. Basierend auf dem Kanon „Frère Jacques“. Und von Rattle und Konsorten intoniert als glatte Parodie. Abgrundtief komisch und berührend.

Okay, eigentlich war das Konzert eine Werbeveranstaltung. Für die Berliner Philharmoniker. Für die neue Konzertsaison. Und für einen Besuch der Hauptstadt. Nicht umsonst prangte überall die plumpe Aufforderung “Be Berlin”. Aber warum sollte man sich das antun, wenn man etwas so Großartiges auch in seiner Nachbarschaft erleben kann?

Ich finde: Bleiben wir viel öfter einfach mal da, wo wir sind, statt für alles Mögliche immer gleich durch die Gegend zu gurken. Und übertragen wir viel häufiger Erlebenswertes von irgendwo auf der Welt nach anderswo auf der Welt. Nicht nur Fußball aus Südafrika und “Wetten dass” aus Juppheidi. Sondern Spannendes, Großes, Sehenswertes, Einmaliges. Kunst, Kultur, Konzerte. Events, Erlebnisse, Ereignisse. Die technischen Möglichkeiten sind da. Und sie werden immer noch besser.

Digitale Daten um die Welt zu schicken ist viel einfacher, kostengünstiger, gesünder und umweltschonender als die zerbrechlichen Hüllen von Lebewesen mit allem Sack und Pack und der piekfeinen Kik-Garderobe durch die Landschaft zu karren oder über den Himmel zu heben.

Zugegeben: Die technische Umsetzung am Freitagabend hatte – höflich gesagt – noch Luft nach oben. Der Ton schepperte, der Stream hakelte bisweilen. Wahrscheinlich hatten irgendwo auf dem Weg von der Berliner Philharmonie zu uns bei der Technik noch Zweienzwanzigeuroachtzig eingespart werden müssen für die Leasingraten des Audi Cayenne oder BMW Q7 irgendeines Event-Geschäftsführers.

Aber das tut der Sache an sich keinen Abbruch: Es war ein großes Ereignis, das Hunderte Kilometer entfernt von uns stattfand – und das wir alle dennoch miterleben konnten. Auch Sie.

Sie haben’s nicht wirklich verpasst, oder? Sagen Sie jetzt bitte nicht, in Ihrer Nachbarschaft hätte es schließlich nicht stattgefunden! Wenn Sie in der Lage sind, diesen Blog hier aufzurufen und zu lesen, haben Sie im Prinzip auch alle Voraussetzungen, das Eröffnungskonzert zu verfolgen.

Denn parallel zu Public Viewings und Kino-Übertragungen gab es das Konzert auch als Live-Stream im Internet zu sehen. In der Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker. Grandios, diese digitale Konzerthalle. Wegweisend für künftige Eventerlebnisse. Und Musterbeispiel für die Idee, viel öfter digitale Daten um die Welt zu schicken statt zerbrechlicher Wesen. Klicken Sie mal rein: In der Digital Concert Hall können Sie das Eröffnungskonzert auch jetzt noch nachträglich erleben.

Und in Zukunft, wenn Sie mal wieder ein Ereignis wie diesen Saisonauftakt verpassen, lasse ich nur noch ein einziges Argument gelten: “Ich hatte etwas noch Besseres vor.”

Feeling fifty-fine -
Edgar Wilkening

August 29, 2010 Posted Under: Alle, Publik   Kommentare dazu lesen/schreiben

Im Showdown wurde scharf geschossen: Fotos vom Finale zum Whisky & Food Koch 2010

Im Showdown wurde scharf geschossen: Fotos vom Finale zum Whisky & Food Koch 2010

Autor: Edgar Wilkening | Fotos: Martin Luther / Classic Malts Selection
Ich bin so oft gefragt worden, wie es eigentlich zuging, damals im Finale zum Whisky & Food Koch 2010. Da kommen die Fotos gerade recht, die während des Showdowns geschossen wurden und mir neulich von der betreuenden Agentur zugingen.

Besser als viele Worte vermitteln die Bilder, wo alles stattfand, wie es dort zuging und vor allem: welche Gerichte die drei Finalisten aufgetischt haben. Et voilà!

Von jedem Gang mussten sieben Teller angerichtet werden: drei davon gingen an die Jury zum Bewerten, drei ans Publikum zum Kosten und einen bekam das Fototeam zum Shooting in der Hohlkehle.

Die Starküche Hamburg: eine toll ausgestattete Profiküche in U-Form, die jedem Finalisten eine ganz persönliche Seite bot.

Die Jury begutachtete jeden Gang und bewertete ihn in insgesamt acht verschiedenen Kategorien. Die Juroren: Whisky-Experte Clemens Dillmann, Sterne-Koch Jochen Kempf und GourmetReise-Chefredakteur Michael Pech.

Die Vorspeise von Philippe aus Bern, der am Ende den Titel gewann: Komposition aus orientalischem Salat, Lachsteriyaki und Jakobsmuschel in Bauchspeckstreifen.

Ricotta-Hagebutten-Ravioli an Ragout vom Ochsenschwanz: die Vorspeise von Oliver aus München.

Geflügelleber-Paté mit Wiesensalaten, kandierten Walnüssen und Malz-Vinaigrette: mein persönlicher Finalbeitrag für die Vorspeise zum Single Malt Whisky “Cardhu”.

Der Hauptgang des Siegers: asiatisches Pfeffersteak auf knackigem Gemüse mit Rosmarinkartoffeln.

Die Hauptspeise des Silber-Gewinners: geräuchertes Rote-Bete-Risotto mit Stilton und Kalbsleber.

Streifen vom Roastbeef mit gerösteten Gemüsen an Wasabi-Püree und dazu eine kräftig aromatische Jus: mein ganz persönlicher Hauptgang zum Single Malt Whisky “Talisker”.

Als süßer Abschluss das Dessert des Siegers: Schokoladenkuchen mit flüssigem Kern auf Himbeercoulis, serviert mit Haselnusseis und Shortbread. Man sieht: das Eis zerläuft schon. Beweis dafür, dass die Fotos nicht von Food-Stylisten gepimpt wurden – alles, was man sieht, ist echt und kam genau so auf die Teller.

Das Dessert von Platz Zwo: Scholokladentörtchen mit halbflüssigem Kern und Pfefferminz-Parfait auf Feigen-Carpaccio. Auch in diesem Fall mag das Eis die Wärme der Fotoleuchten leider nicht …

Und mein Menüabschluss: Steirischer Mohnkuchen mit karamellisierter Feige und Waldfrüchten an Limetten-Sabayon zum Single Malt Whisky “Singleton of Dufftown”.

Es kann nur Einen geben. Klares Votum der Jury nach dem Zusammenzählen aller Punkte: Das Rennen machte Philippe aus Bern: der sympathische Herr in der Mitte. Chapeau und Gratulation: Da ziehen wir anderen die Kochmütze. Aber ganz gleich, ob Bronze, Silber oder Gold: Es war für alle drei ein großartiger und spannender Tag.

Feeling fifty-fine –
Edgar Wilkening

August 25, 2010 Posted Under: Alle, Gusto   Kommentare dazu lesen/schreiben

Weltmeisterlich! Sensationelles 4:0 im Spiel Wagenfeld-Haus gegen Besucher

Weltmeisterlich! Sensationelles 4:0 im Spiel Wagenfeld-Haus gegen Besucher

Autor: Edgar Wilkening | Foto: Edgar Wilkening
Lausige Leistung, unfreundlicher Service, inkompetente Beratung – Deutschland ist über weite Strecken immer noch eine Servicewüste. Das Land der Miesepeter und Jammerlappen zeigt sich auch professionell gerne übellaunig. Gnadenlose Telefonschleifen, perfides Personal, miese Mahlzeiten: das Schreckgespenst “deutscher Service” kann dich immer und überall erwischen. Ich persönlich bin jedes Mal aufrichtig verblüfft, wenn es mir in einem scheinbar harmlosen Hinterhalt auflauert und über mich herfällt.

Lange Zeit habe ich meinen Ärger über professionelle Frechheiten runtergeschluckt und einfach durch “Nie, nie wieder!” bestraft. Vor allem auch, weil einen ja niemand für diese Art unbeauftragter Qualitätskontrolle entlohnt. Erst hab ich den Ärger, dann den Aufwand der Reklamation – und den Nutzen hat am Ende der Verursacher? Ne, ne, so läuft das nicht.

Qualifiziertes Kunden-Feedback und professionelles Reklamationsmanagement sind aufwändige Disziplinen. Und wenn ich mir die ganze Mühe mache, muss auch was dabei rumkommen. Mindestens eine amüsante Geschichte für mich und meine Leser: als neue Reihe auf fifty-fine mit dem Titel “Offene Briefe”.

Den Anfang macht heute das Wilhelm Wagenfeld Haus in Bremen. Wagenfeld? Richtig: der Designer der berühmten Wagenfeld-Leuchte WG24, die Sie oben links sehen. Er gilt als Wegbereiter des modernen Industriedesigns.

In seiner Geburtsstadt Bremen hat man ihm zu Ehren die Wilhelm Wagenfeld Stiftung und das Wilhelm Wagenfeld Haus gegründet. Kann man sich ja mal ansehen, oder? Vorausgesetzt, man schafft’s an der Kasse vorbei. Denn weiter ging’s für mich nicht am Samstag. Warum? Weil ich 4:0 verloren habe.

Sehr geehrte Frau M.,

haben Sie vergangenen Samstag das spannende Spiel verfolgt, das mit einem klaren 4:0-Triumph endete? Einfach weltmeisterlich! Nein, ich meine nicht das Viertelfinale Deutschland gegen Argentinien. Sondern das Spiel Wilhelm Wagenfeld Haus gegen Besucher. Die Begegnung fand ja kurz vorher statt.

Alles begann mit dem Wunsch meiner Lebensgefährtin, einer glühenden Wagenfeld-Verehrerin, die aktuelle Ausstellung zu besuchen. Kann man ja mal machen. Also Internetseite aufgerufen, Öffnungszeiten recherchiert, Adresse ans Navi übertragen – was sollte jetzt noch schiefgehen?, dachte ich. Ja, ich gebe zu, manchmal bin ich wirklich naiv.

Nachdem wir kurz nach 15.00 Uhr am vergangenen Samstag die Schwelle zum Wilhelm Wagenfeld Haus einigermaßen unbeschadet überwunden hatten (Vorsicht, fiese Stolperfalle! Und damit von “gelungener Gestaltung” weiter entfernt als Bremen von Dessau!), offenbarte sich an der Kasse, dass im Web andere Eintrittspreise ausgewiesen sind als auf der Preistafel vor Ort. Während die Webseite der Wilhelm Wagenfeld Stiftung unter dem freundlich tuenden Stichwort “Service” “Eintritte: € 3,50 ermäßigt € 1,50″ ausweist, nannte die Preistafel Eintrittspreise von fünf Euro.

Okay, mein Fehler. Ich hätte aber auch wirklich das Kleingedruckte auf der Webseite lesen können. Unter dem Stichwort “Ausstellungen” versteckt heißt es dort nämlich ganz zum Schluss: “Zu dieser Ausstellung gelten Sonderkonditionen”. Klingt nach Vergünstigung, Sondermodell und kostenloser Zusatzausstattung. Soll hier aber euphemistisch einen Preisaufschlag kaschieren. Wie dumm von mir, solche Infos unter dem Stichwort “Service” zu vermuten.

Oder: Ich hätte ja auch einfach eine völlig andere Webseite im Internet besuchen besuchen können. Zum Beispiel die des Wilhelm Wagenfeld Hauses. Gibt’s nämlich auch. Ist quasi das Gleiche in Grün, aber natürlich formal ganz was anderes. Welche der Seiten entscheidend ist? Cleverer Spielzug: beide! Mal die eine, mal die andere. Gekonntes Passspiel über die Seiten eben, Abwehrfehler bei mir und verdienter Führungstreffer für Wagenfeld gleich in der dritten Spielminute: 1:0.

Nun waren wir ja nicht extra aus Hamburg nach Bremen gereist, um den Besuch der Ausstellung an 1,50 Euro scheitern zu lassen. Also sagte ich der Dame an der Kasse, dass “wir beide” gerne die Ausstellung besuchen würden. “Macht zehn Euro”, antwortete die Dame. Mit Hinweis auf die Preistafel erlaubte ich mir die Frage, ob es nicht günstiger für uns sei, die Ausstellung als Familie zu besuchen, für acht Euro, also als zwei Erwachsene mit bis zu drei Kindern, wie es dort angeschlagen stand. Man wird ja wohl noch fragen dürfen, oder? Nicht in Bremen. “Sie sind ja keine Familie”, kam als Konter von der Kasse.

So viel Schlagfertigkeit verblüffte auch meine Lebensgefährtin: “Woher wollen Sie denn das wissen?” Und hörte als Replik der Kassendame: “Sie haben ja keine Kinder.” Mein kleinkarierter Einwand “Natürlich habe ich Kinder; ich habe sogar ein Enkelkind” wurde raffiniert abgewehrt mit einem “Aber so ist das hier nicht gemeint, Sie haben ja keine Kinder dabei.”

Na gut, wir waren ja ebenfalls nicht nach Bremen gereist, um mit Kassenpersonal über die gesellschaftliche Dimension von Patchwork-Familien zu diskutieren oder über mathematische Spitzfindigkeiten wie “Sind zwei Erwachsene mit zwei Kindern daheim rechnerisch gleich oder kleiner zwei Erwachsene mit bis zu drei Kindern anwesend oder nicht?” Klarer Anschlusstreffer für Wagenfeld: 2:0.

Und jetzt ging’s Schlag auf Schlag weiter. Ich angelte einen 50-Euro-Schein aus dem Portemonnaie und reichte ihn der Kassiererin, um aufrechten Hauptes die geforderten zehn Euro Eintritt zu zahlen. “Kann ich nicht wechseln”, kam sofort der Gegenkonter. Sensationell gemacht: unhaltbar für mich. Ich muss ziemlich blöd geguckt haben angesichts dieses rasanten Anschlusstors. Wagenfeld mittlerweile deutlich vorn mit 3:0.

Aber noch war das Spiel nicht zu Ende. Ich hatte noch die Chance auszuwechseln: 50-Euro-Schein raus aus dem Spiel, Kreditkarte rein. “Akzeptieren wir nicht”, konterte die Gegenseite. 4:0. Einfach weltmeisterlich! Und gleichzeitig Endstand.

Denn man muss keine große Wagenfeld-Leuchte sein, um zu wissen, wann ein Spiel gelaufen ist. Abpfiff, Schluss, aus, vorbei! Meine Lebensgefährtin und ich waren gescheitert. Kein Besuch der Ausstellung. Umsonst angereist.

Das Spiel Wagenfeld-Haus gegen Besucher hatte einen klaren Sieger. Wilhelm Wagenfeld könnte stolz sein auf seine Nachlassverwalter: Das eigene Haus besser leer halten als mancher Keeper seinen Kasten. Ein Triumph! Jawohl: So gewinnt man große Spiele. Chapeau und Gratulation dazu aus Hamburg!

Alles, was uns noch blieb, war der schmachvolle Abgang. Stolpernd über die Schwelle. Zurück in den Sommer. Und der Versuch, dem Nachmittag doch noch “gelungene Gestaltung” zu geben. Wenn’s für Design schon nicht reichte bei uns, dann vielleicht für Fußball. WM-Viertelfinale in Kapstadt. Deutschland gegen Argentinien. Erster Treffer nach drei Minuten. Am Ende 4:0. Sensationeller Triumph. Gegner schmachvoll nach Hause geschickt. Kam uns alles irgendwie bekannt vor …

Mit freundlichen Grüßen aus Hamburg -
Edgar Wilkening

Juli 4, 2010 Posted Under: Alle   Kommentare dazu lesen/schreiben

Hamburg Harley Days: Musterbeispiel eines perfekten Seniorentreffs

Hamburg Harley Days: Musterbeispiel eines perfekten Seniorentreffs

Autor: Edgar Wilkening | Foto: iStockphoto.com/Jim Parsons
Ein Dröhnen und Röhren lag über der Stadt am vergangenen Wochenende. Ein Knatterton, der unverkennbar ist: Hamburg Harley Days 2010. Von mehr als 50.000 Bikern ist die Rede, die ihre bulligen Maschinen in die Hansestadt kutschierten. Und von über 600.000 Zuschauern, die das Ereignis besuchten.

Das Großevent rund um die Motorrad-Kultmarke prägte Freitag bis Sonntag das gesamte Stadtbild. Schwere Maschinen, schwarze Lederklamotten, dazu das omnipräsente Bullern der Motoren: Man konnte der Veranstaltung nicht entgehen. Die Harley-Fans ließen es knattern und feierten sich und ihre Marke – unüberhörbar, unübersehbar.

Nun sind Großveranstaltungen in der Hansestadt durchaus an der Tagesordnung. Ob Hafengeburtstag oder Schlagermove, Hamburg Marathon oder Weltastratag – jedes Event und seine Besucher prägen am jeweiligen Wochenende das Bild der Stadt.

Doch eines ist anders bei den Hamburg Harley Days. Während das Stadtbild bei den übrigen Großereignissen eher von Zwanzig- und Dreißig-, vielleicht auch Vierzigjährigen geprägt wird, sind es beim Biker-Event überwiegend Menschen, deren Lebensalter vorne eine deutliche Fünf oder sogar Sechs anzeigt. Der Anteil grauer Panther unter den schwarzen Rockern ist enorm.

Keine Frage: Die Harley Days sind eine Alte-Säcke-Veranstaltung. Ein echter Seniorentreff. Das Altenheim unter den Events.

Aber was für eines! Denn hier wird nicht gejammert oder lamentiert, hier werden keine Zipperlein gepflegt – sondern ein Lebensgefühl zelebriert. Eine Idee von Freiheit und Nichtangepasstsein, kombiniert mit einem Schuß Rebellion gegen so was wie Establishment.

Dass das Gros der Harley-Fahrer dabei selbst irgendwie zum Establishment zählen dürfte – anderenfalls könnte es sich die kostspieligen Kult-Karren wohl gar nicht leisten –, finde ich persönlich dabei ebenso uninteressant wie die Frage, ob man das knatternde Auftreten der Zweirad-Rocker nun mag oder nicht mag.

Viel spannender aus meiner Sicht: Die Harley-Fahrer und ihre Fans repräsentieren bei dieser Veranstaltung ein Lebensgefühl, das so weit entfernt ist vom klassischen Klischee des Seniorentreffs mit Kaffee, Kuchen und Kreuzfahrt wie ein Kinder-Tretroller vom Easy-Rider-Chopper. Hamburg Harly Days – für mich ist das: feeling fifty-fine im allerbesten Sinne.

Das ist mir erst in diesem Jahr wirklich aufgefallen. Sonst hätte ich mich letztes Wochenende viel stärker um das Event gekümmert, um hier darüber zu schreiben. So muss es bei diesem ersten Eindruck bleiben.

Doch die nächsten Hamburg Harley Days werden kommen. Auch wenn über die Genehmigung  der Veranstaltung durch den Hamburger Senat gerade diskutiert wird. In 2011 ist Hamburg Europäische Umwelthauptstadt. Und man fürchtet, der Knatter-Event könnte das grüne Öko-Image stören.

Aber spätestens 2012 sollen wieder Harley Days in der Hansestadt stattfinden. Und dann werde ich dabei sein und hautnah darüber berichten: über das vielleicht coolste Seniorentreffen der Welt.

Feeling fifty-fine –
Edgar Wilkening

Juli 2, 2010 Posted Under: Yeah!   Kommentare dazu lesen/schreiben

The Winner Takes It All! Zeit, ein Denkmal zu setzen

The Winner Takes It All! Zeit, ein Denkmal zu setzen

Autor: Edgar Wilkening | Foto: Edgar Wilkening
Es war der längste Tag des Jahres: Boah, was für ein Fight vergangenen Montag! Immerhin ging’s um den Titel “Whisky & Food Koch 2010″. Wie alles anfing, habe ich hier erzählt. Wie es weiterging, kann man hier lesen. Und was dann geschah, steht hier. Die Chronik eines angekündigten Wettkampfs.

Nur wie es ausging, habe ich noch nicht berichtet. Also, wie ging’s denn aus?

Punkt 14.00 Uhr vergangenen Montag traten die drei ruhmreichen Gladiatoren in die Arena der Hamburger Starküche. Oliver aus München, Philippe aus dem schweizerischen Bern, beide eigens mit dem Flieger angereist, und ich, eigens mit dem Mountainbike die paar hundert Meter geradelt.

Eigentlich nette Kerle, meine beiden Finalgegner. Noch wäre Gelegenheit gewesen, eine lebenslange nord-süd-schweizerdeutsche Freundschaft zu schließen. Die zwei hätten einfach nur ihre Kochlöffel an den Nagel hängen müssen – und fertig. Chance vertan! Denn die beiden waren genauso erpicht auf den Ehrentitel “Whisky & Food Koch 2010″ wie ich.

Nach einer kleinen Begrüßungs- und Vorstellungsrunde ging’s deshalb sofort zur Sache: Anlegen der Gladiatorenrüstung. Die hatte man eigens für uns drei geschneidert: Kochschürze, Kochkittel, Kochhandschuhe. Und als Topping obendrauf: die Kochmütze, die Sie oben links sehen. Lustiges Outfit. Diente durchaus der allgemeinen Erheiterung.

Dann: Einteilen der Arbeitsplätze, Empfang der vorbestellten Kochuntensilien, Überblick über die Küche verschaffen. Und los! Der Startschuss für die Aufgabe, ein exzellentes Drei-Gänge-Menü zuzubereiten, innerhalb weniger Stunden, und passend zu den drei verschiedenen Single Malt Whiskys, die dazu degustiert wurden.

Doch es war weniger das Kochen selbst, das es schwierig machte. Schließlich hatte jeder von uns sein Menü selbst zusammengestellt und vorher Probe gekocht. Was es aus meiner Sicht sehr stressig machte: erstens die fremde Küche mit fremden Herden, ungewohnten Utensilien und nicht vertrauter Ordnung. Und zweitens, dass jeder Gang punktgenau zu einer festgelegten Uhrzeit fertig angerichtet auf sieben Tellern sein musste, a point auf die Minute genau, damit unsere Menüs in die präzise Zeittaktung der Rahmenveranstaltung passten. Schließlich saßen im Saal nebenan außer der Jury noch einige Dutzend weitere Gäste, die sich über Whisky-Degustationen und andere Programmpunkte freuen konnten, während wir an heißen Herden schwitzten.

Um zeitlich auf der sicheren Seite, zu sein hatte ich den Salat, den ich zur Geflügelleber-Paté als Vorspeise reichen wollte, frühzeitig auf den sieben Tellern angerichtet. Mit dem Ergebnis, dass er in der Hitze der Küche nach wenigen Minuten schlapp machte und sich als welkes Laub auf den Tellern präsentierte. Na toll, das fing ja gut an! Also ab ins Eiswasser mit dem Salat, die Teller neu anrichten, Paté in Nocken auf einem Blätterteig-Plateau dazu, einen Fluß von Honig-Malz-Vinaigrette auf den Teller gemalt – und ab damit zur Jury.

Was die beiden Finalgegner als Vorspeise auf dem Teller hatten? Ehrlich gesagt: Ich weiß es gar nicht. Aus dem Augenwinkel habe ich ein Schaumsüppchen gesehen beim einen Kollegen und einen Teller mit kleinen Schälchen und Dipps beim anderen. Aber Details?

Und das ist vielleicht der Punkt, der an diesem hochkarätigen Wettkampf schade war: Dass keiner der Finalisten Gelegenheit hatte, den jeweils anderen mal über die Schulter zu schauen oder ein paar Worte zu wechseln. Der Zeitplan war einfach zu eng, um mal rüberzugehen und zu fragen: “Sag mal, was machst denn du da gerade?”

Deshalb ist der Hauptgang meiner beiden Finalgegner ebenso an mir vorübergegangen wie deren Desserts. Erst als der letzte Teller des Abends die Küche verlassen hatte und wir Köche uns verschwitzt aus der Gladiatorenrüstung schälten, war Zeit für ein Schwätzchen.

Derweil benotete die Jury unter den Augen der übrigen Gäste, was wir Finalisten angerichtet hatten. Geschmack, Aussehen, Präsentation, Kochraffinesse, die Vermählung mit den Single Malts – alles floss in die Gesamtbewertung ein. Und als die Ergebnisse zusammengerechnet wurden, zeichnete sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Offensichtlich so knapp, dass quasi “ein Zielfoto” entscheiden musste. Denn es ging um Zehntelpunkte, die am Ende den Unterschied machten.

Aber es kann eben nur Einen geben – selbst, wenn’s um Zehntelchen geht. Und da hilft kein Drumrumreden: Am Ende waren meine Kollegen mir im Jury-Votum jeweils eine Löffelchenlänge voraus. Bronze für mich. Nicht so übel bei ursprünglich mal zweihundert Bewerbern. Silber für Oliver in München. Und den Ehrentitel “Whisky & Food Koch 2010″ brachte Philippe für die Schweiz heim nach Bern.

Chapeau und Gratulation von mir! The winner takes it all. Höchste Zeit, ein Denkmal zu setzen. Denn ich finde: Mit Philippe hat es genau den Richtigen getroffen. Nicht nur, weil der Hauptgewinn des Wettbewerbs eine Wochenendreise nach Hamburg ist, an der ein Schweizer sehr viel mehr Freude hat, weil ich ja mit dem Mountainbike anreisen würde. Sondern weil Philippe echter Whisky-Fan und langjähriger, passionierter Freund der Single Malts ist.

Und na klar: Am Ende des Abends haben die Gladiatoren dann doch noch mit einem kühlen Bier auf die nord-süd-schweizerdeutsche Freundschaft angestoßen. Bis zum nächsten Fight, liebe Kollegen!

Ach, ja: für Neugierige hier mein gesamtes Whisky-Menü inklusive Fotos und Rezepten als PDF zum Download (Dateigröße 956 kB). Viel Spaß damit!

Feeling fifty-fine –
Edgar Wilkening

Juni 28, 2010 Posted Under: Gusto   Kommentare dazu lesen/schreiben

Einmarsch der Gladiatoren! Jetzt hilft nur noch Daumendrücken

Einmarsch der Gladiatoren! Jetzt hilft nur noch Daumendrücken

Autor: Edgar Wilkening | Foto: Edgar Wilkening
21. Juni 2010, exakt 14.00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit erscheint dieses Posting hier. Vollautomatisch. Ich habe das im Hintergrund arbeitende Blogsystem WordPress so eingestellt, dass es den vorab von mir verfassten Artikel ohne weiteres Zutun von mir punktpünktlich published. Exakt zum gewünschten Zeitpunkt. Denn ich persönlich habe in dieser Sekunde gerade was anderes zu tun.

In dem Moment, in dem dieser Artikel hier für Sie sichtbar wird, findet in der Hamburger Starküche der Einmarsch der Gladiatoren statt. Punkt 14.00 Uhr treten die drei Finalisten um den Titel “Whisky & Food Koch 2010″ in die Arena.

Und noch ehe Sie diesen Artikel zuende gelesen haben, werde ich schon meine zwei Backöfen eingeschaltet haben, um sie auf Temperatur zu bringen. Den einen auf 160° C für den Steirischen Mohnkuchen, der Teil des Desserts wird, das Sie oben links abgebildet sehen. Den anderen auf 60° C für die Roastbeef-Streifen, die bei Niedertemperatur gegart werden.

Sie merken schon: Ich lüfte das sorgsam gehütetete Geheimnis um meine Speisefolge. Jetzt, in diesem Moment, heute um Punkt 14.00 Uhr, kann ich’s ja tun. Da die beiden Finalkollegen in dieser Sekunde mit mir in der Arena stehen und keinen Vorteil mehr daraus ziehen können, kann ich hier verraten, mit was ich ins Rennen gehe.

Den Auftakt macht eine Geflügelleber-Paté im Brotkörbchen an Wiesensalaten mit Honig-Malz-Vinaigrette und kandierten Walnüssen. Als Hauptspeise werden Streifen vom Roastbeef serviert mit gerösteten Gemüsen an Wasabi-Püree. Und den Abschluss bildet Steirischer Mohnkuchen mit karamellisierter Feige und Waldfrüchten an Limetten-Sabayon. Klingt lecker? Ist es auch.

Warum ausgerechnet diese Gerichte und weshalb sie meines Erachtens perfekt zu den drei vorgegebenen Single Malts passen – all das können Sie nachlesen in der Menü-Mappe, mit der ich mich für den Wettbewerb beworben habe und die Sie hier als PDF downloaden können (Dateigröße 956 kB).

Darin auch alle Rezepte – so, wie ich sie ab dem Moment des Erscheinens dieses Artikels bestmöglich auf die Reihe zu kriegen versuche. Denn ab 19.00 Uhr lässt sich die Sterne-Jury die Menüs der Finalisten präsentieren. Dann wird sich entscheiden, wer den Ehrentitel “Whisky & Food Koch 2010″ mit nach Haus nehmen darf. Alles, was Sie bis dahin für mich tun können: Daumen drücken!

Denn sicher ist nur Eines: Wie auch immer der längste Tag des Jahres heute ausgehen mag – ich werde darüber berichten.

Feeling fifty-fine -
Edgar Wilkening

Juni 21, 2010 Posted Under: Gusto   Kommentare dazu lesen/schreiben

Üffes – Nomen est Omen! • Von Jürgen Langenkämper

Üffes – Nomen est Omen! • Von Jürgen Langenkämper

Autor: Jürgen Langenkämper | Foto: iStockphoto.com/Rosemarie Gearhart
Andere Länder, andere Namen. Für meine Mutter war es ein schwerer Schlag, nach mehr als 50 Jahren zu erfahren, dass es für ihren “Jürgen” – das bin ich – gar keinen richtigen Namen gibt, wenn er ins Ausland fährt und sich Fremden vorstellt. Sie glauben, gar nicht zu welchen Verrenkungen der menschliche Sprechapparat von Lippe, Zunge und was sonst noch so dazu gehört, fähig ist, wenn ein in fremden Sprachen, speziell der deutschen, ungeübter Ausländer – sagen wir mal ein Franzose – den Namen zum allerersten Mal aussprechen soll und sich dabei der Etikette gemäß alle erdenkliche Mühe gibt.

Vielleicht liegt es daran, oder an den ungewohnten beiden Punkten über dem Vokal – in anderen Sprachen sogenannte Trema, aber im Deutschen Umlautpunkte –, dass sich bei amtlichen Dingen Behörden im Ausland stets meinen zweiten Vornamen notieren – wlelches und welcher mir gar nicht gefällt, was aber hier nichts zur Sache tut.

Junge Eltern, die schon mehrfach ins Ausland gefahren sind, scheinen weise zu sein – und außerdem haben sie ja mehr Auswahl, weil Reisen bekanntlich bildet. So lernt der junge Mensch heute doch schon allein nach einer Woche Fernsehen mehr neue Namen kennen als früher eine ganze Generation der Adeles, Adolfs, Alberts und Alwines, um nur am Anfang des Alphabets deutscher Vornamen anzufangen.

Häufig genug stellen einstmals junge Eltern nach ein paar Jahren jedoch fest, dass nicht nur sie allein schöpferisch waren, sondern dass andere offensichtlich dieselben Filme gesehen haben. Wie anders ist es zu erklären, dass es vor 20 Jahren plötzlich ganz viele Kevins gab und jetzt auch viele kleine Angelinas? Und in Kürze wohl besonders viele Lenas!

Auf der Suche nach einem Alleinstellungsmerkmal – nicht jeder ist gleich bereit, seinen Sohn Sue zu nennen, den Johnny Cash einst besang – haben Freunde meiner Tochter einen Volltreffer gelandet: Üffes.

Nie gehört! Woher kommt das? Das fragten wir uns alle. Türkisch vielleicht. Denn Üffes klingt ein bisschen wie Efes, das türkische Restaurant um die Ecke, das nach der Stadt benannt ist, die in der Bibel Ephesus heißt.

Um alle Unklarheiten zu beseitigen, fragte meine Tochter ihre Eltern werdenden Freunde noch mal, wie man denn Üffes wohl schreibe. Y – v – e – s buchstabierten sie. Sie fänden den Klang des Namens so schöööööön.

Wir haben noch nicht nachgefragt, wo sie den Namen schon mal gehört haben und ob sie ganz von allein darauf gekommen sind. Ich bin mal gespannt, wie der Kleine reagiert, wenn er eingeschult wird, die Lehrerin die Namen aller Schüler aufruft und dann bei seinem anlangt: Iiieehf !

Jürgen Langenkämper | Langjähriger Autor und Journalist einer Tageszeitung

Juni 12, 2010 Posted Under: Gäste, Leben   Kommentare dazu lesen/schreiben