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Mein Weihnachts-Geschenk: Ein Rucksack, der die Qualität von Musikschulabenden unermesslich steigert

Mein Weihnachts-Geschenk: Ein Rucksack, der die Qualität von Musikschulabenden unermesslich steigert

Autor: Edgar Wilkening | Fotos: Rowohlt-Verlag (Titel) / iStockphoto.com/ShutterWorx
Ich hatte ja neulich schon mal erwähnt, dass es in der Flut der jährlichen Neuerscheinungen einzelne Bücher gibt, die so deutlich herausragen, dass sie unbedingt erwähnt werden wollen. Heute ist es ein Taschenbuch, dass sich pünktlich zur Adventszeit genau dieses Themas annimmt.

“Weihnachten mit der buckligen Verwandtschaft” ist eine frisch erschienene Anthologie mit Geschichten, die sich allesamt dieser sehr besonderen Zeit rund um die höchsten Festtage des Jahres widmen. Oder wie es im Klappentext heißt: “Der ganz normale Weihnachtswahnsinn”.

Achtzehn Weihnachtsgeschichten von achtzehn Autoren, liebevoll ausgewählt und als Erzählband arrangiert vom umtriebigen Hamburger Autor Dietmar Bittrich, der bei diesem Taschenbuch als Herausgeber agiert und auch selbst eine ziemlich schräge Weihnachtsgeschichte beisteuert.

All das wäre hier schon eine lobende Erwähnung wert. Aber es gibt etwas in diesem Buch, das es noch außergewöhnlicher werden lässt. Nämlich eine Comedy-Story ausgerechnet jenes Autors, der auch diese Zeilen hier verfasst.

“Fördert den Nachwuchs!” heißt die Geschichte. Und erzählt auf komische Weise, wie sich kluge und rechtzeitige Nachwuchsförderung auf die, na, sagen wir mal: “künstlerische Qualität” von Musikschulabenden auswirkt. Im Mittelpunkt des Förderkonzepts steht ein geheimnisvoller Rucksack und sein sehr besonderer Inhalt.

Vor kurzem war ich mit dieser Geschichte zu Gast bei einer Benefiz-Gala, als einer von sechs, sieben Show-Acts auf der Bühne. Als ich längst wieder auf dem Heimweg war, erreichte mich die Nachricht, dass sich das Publikum während des Auftritts einer der nachfolgenden Musikgruppen zuraunte: “Wir brauchen diesen Rucksack, wir brauchen diesen Rucksack!”

Was es mit dem mysteriösen Rucksack auf sich hat und was das Besondere an seinem Inhalt ist? Im Buch “Weihnachten mit der buckligen Verwandtschaft” ab Seite 47. Viel Vergnügen und eine stimmungsvolle Vorweihnachtszeit – ob mit oder ohne Verwandtschaft.

Feeling fine -
Edgar Wilkening

Dietmar Bittrich (Hg.):
Weihnachten mit der buckligen Verwandtschaft

Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek
rororo 63014
272 Seiten
Etwa 9,00 Euro
Auch für Kindle erhältlich

Dezember 14, 2012 Posted Under: Publik   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Unbezahlbar, untrinkbar, unüberschaubar? Bordeaux-Weine müssen mit vielen Vorurteilen kämpfen. Unhaltbar!

Unbezahlbar, untrinkbar, unüberschaubar? Bordeaux-Weine müssen mit vielen Vorurteilen kämpfen. Unhaltbar!

Autor: Edgar Wilkening | Fotos: Edgar Wilkening (4), Château Clauzet (2)
Was kann man nicht alles hören, wenn die Rede auf Weine aus dem Bordeaux kommt: Unbezahlbar für Otto Normalweintrinker. Untrinkbar, wenn sie nicht Jahre im Keller verbracht haben. Unüberschaubar mit all ihren Classements, Appellationen und Châteaux.

Anteil an solchen Vorurteilen dürften wohl auch die jährlich steigenden Sensationspreise haben, zu denen einige Dutzend Bilderbuch-Châteaux ihre Flaschen abgeben. Aber die meisten neureichen Russen und Chinesen, die da zugreifen, sind Etikettentrinker. Alles, was keinen Bilderbuch-Namen hat, lassen sie links liegen.

Deshalb lohnt der Blick in die zweite und dritte Reihe, wo häufig ebenfalls erste Weine gemacht werden. Immerhin darf man nicht verkennen: Bordeaux ist das größte Weinanbaugebiet der Welt. Als Einzelgebiet größer als alle dreizehn Anbaugebiete Deutschlands zusammen. Da ist Platz nicht nur für Bilderbuch-Châteaux und Phantasiepreise, sondern auch für Weinmacher, die hervorragende Qualität bieten, ohne gleich die Bodenhaftung zu verlieren.

Einer von ihnen stellte vor Kurzem im Hamburger Restaurant Carls seine Jahrgänge 2004 bis 2010 vor: der belgische Baron Velge.


Ein Belgier im Bordeaux: In charmantem Plauderton präsentierte der belgische Baron Velge die Weine seiner Bordeaux-Güter Château Clauzet und Château de Côme.

“Mein Vater hatte einen fantastischen Weinkeller, vor allem mit Médoc-Weinen, und einige gute Freunde in Bordeaux”, erzählt Baron Velge. “In so einer Umgebung war es ganz natürlich, eine Leidenschaft für diese Weine zu entwickeln.”

Doch die Leidenschaft musste zunächst warten. Baron Velge ging in die Schiffahrt, baute ein international erfolgreiches Logistikunternehmen auf.

Als sich 1997 die Chance ergab, seinen alten Traum vom eigenen Weingut im Médoc zu verwirklichen, griff er zu: Baron Velge erwarb Château Clauzet in Saint-Estèphe. Ein Weingut, dessen Wurzeln bis in die 20er Jahre des 19. Jahrhunderts zurückreichen.


Traum erfüllt: Baron Velge auf Château Clauzet, das er 1997 erwarb. Im Bild mit Kellermeister José Bueno auf der Suche nach dem perfekten Zeitpunkt für die Ernte.

Aus den zehn Hektar Land beim Kauf sind inzwischen dreißig geworden. Die meisten davon auf tiefgründigem Kieselboden, angeordnet auf einer Hügelkette zwischen Margaux und Saint-Estèphe, von wo die Reben direkt auf die Gironde blicken.

Und auch den Beruf hat der belgische Adelige seit 1997 gewechselt: Die Leitung des Logistikunternehmens hat Baron Velge mittlerweile seinem Sohn übertragen. Er selbst konzentriert sich jetzt ganz auf seinen alten Traum und neuen Beruf als Weingutbesitzer.

Erklärtes Ziel: Auf dem exzellenten Terroir des Châteaus Weine zu erzeugen nach Qualitätsprinzipien, wie sie nur für beste Médoc-Weinen gelten. Jede einzelne Parzelle wird individuell bewirtschaftet und gepflegt. Im Schnitt vierzig Jahre alte Weinstöcke. Ertragsreduzierung auf unter 4.000 Liter pro Hektar. Strikte Handlese.


Glasstopfen auf den Fässern: Während der ersten Monate im Keller werden die Barriques zwei, drei Mal pro Woche von Hand nachgefüllt.

Ein Maßnahmenkatalog, der sich im Keller fortsetzt. “Die Reifung ist zweifelsohne das, was uns von anderen Weingütern unterscheidet”, befindet Baron Velge. Hier zeigt sich die Handschrift von José Bueno, der 23 Jahre lang für Baron Philippe de Rotschild gearbeitet hat, ehe er 1997 zu Château Clauzet kam.

Fünfzig bis sechzig Prozent des Weins reifen in neuen Barriques, der Rest in einjährigen. Die Fässer werden extra von sieben, acht unterschiedlichen Küfern bezogen, um den Einfluss der verschiedenen Barriques zu kombinieren.

In den ersten fünf, sechs Monaten werden die Fässer von Hand regelmäßig frisch aufgefüllt, um Balance und Tannine zu optimieren. Wie schon bei den Parzellen: Jedes Fass wird einzeln gepflegt und individuell zur Reife geführt.


Vertikale von 2004 bis 2010. Château Clauzet bringt beeindruckende Bordeaux-Qualität vergleichsweise günstig ins Glas: ab circa 15 Euro/Flasche.

Das Ergebnis entwickelt im Glas bester Bordeaux-Charakteristik: dunkle Früchte, Tabak, Zedernholz. Dicht und finessenreich. Gelungene Kombination von Kraft und Eleganz. Dabei in jungen Jahren schon trinkbar.

Die fein eingebundenen Tannine von Château Clauzet widerlegen aufs Schönste das Vorurteil, Bordeaux-Weine müssten nach dem Kauf noch jahrelang im Keller nachreifen. Durchaus: Sie haben das Potenzial für weitere Jahre. Aber präsentieren sich schon jetzt genießbar.

Das Schöne: Bei allen Nuancen der präsentierten Weine der Jahre 2004 bis 2010, es ist doch eine klare Linie erkennbar, ein gemeinsames Thema, eine Handschrift.

Mein persönlicher Favorit: der Jahrgang 2007. Eigentlich ein schwieriges Jahr in Bordeaux. Lachende Antwort von Baron Velge auf die Frage, warum gerade ein schwieriges Jahr zu einem besonders gelungenen Wein führt: “Kellermeister José Bueno fühlt sich bei großen Herausforderungen offenbar besonders angespornt.”

Unterm Strich: erstaunlich viel Bordeaux im Glas, bei allen Jahrgängen von Château Clauzet. Und das zu einem vergleichsweise günstigen Preis: ab circa 15 Euro/Flasche. Unbezahlbare Bordeaux? Nur wenn man sich von den Phantasiepreisen der Bilderbuch-Châteaux bluffen lässt.


Der weiblichere Saint-Estèphe: Château de Côme ist weicher, runder – und gilt damit als Bordeaux-Wein, der auch Frauen zu gefallen weiß.

Lediglich zehn Prozent neue Barriques und ein höherer Merlotanteil in der Cuvée: Das macht Château de Côme, das zweite Weingut von Baron Velge in Saint-Estèphe, zum Gaumenschmeichler unter den Bordeaux-Weinen.

Fruchtbetont, mit weichen Tanninen, unkomplizierter. Und trotzdem mit Körper, Kraft und Fülle. Ich vermute, dass Frauen diesen weiblicheren Wein bevorzugen. Verblüffend: Auch bei Château de Côme hat mir gerade der schwierige Jahrgang 2007 noch besser gefallen als 2006 und 2008. Ausprobieren!

Die Weine von Baron Velge finden Sie ab circa 15 Euro/Flasche zum Beispiel im exzellenten Sortiment des Bremer Weinhändlers Heiner Lobenberg oder über die Wein-Suchmaschine wein.cc.

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Edgar Wilkening

November 16, 2011 Posted Under: Alle, Gusto   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Die erste Vermählung, bei der mehr als zwei Partner erlaubt sind

Die erste Vermählung, bei der mehr als zwei Partner erlaubt sind

Autor: Edgar Wilkening | Fotos: Edgar Wilkening
Das hätten Sie gern, dass hier kleine Schmuddelgeschichten ausgebreitet werden, wie? Keine Chance! Die Vermählung, von der ich erzähle, ist weit davon entfernt für einen Skandal zu taugen. Im Gegenteil.

Gestern Abend fand in der hinreißenden Villa Verde von Weinexpertin Ina Finn ein Assemblage-Workshop statt: über die Kunst, Weine miteinander zu verschneiden.

Verschnitt? Was für ein hässliches Wort. Wer denkt da nicht an Panscherei, billigen Fusel und Resteverwertung? Wie viel schöner klingt da der Ausdruck, den die Winzer selbst verwenden. Sie sprechen vom Vermählen von Weinen.

Und tatsächlich: Bei dieser Art Vermählung ist es ausdrücklich mehr als zwei Partnern erlaubt, gemeinsam den Bund fürs Flaschen-Leben zu schließen. Beispiel Champagner. Klassischer Verschnittkandidat. Hier ist eine ménage à trois von drei Rebsorten keineswegs unanständig.

Ganz ähnlich im Bordeaux, auch so ein typisch verschnittener Tropfen. Nur, dass es hier sogar sechs Partner sind, die sich beim Rotwein das Ja-Wort geben dürfen.

Und dann der berühmte Châteauneuf-du-Pape. Puritanern sträuben sich alle Nackenhaare, wenn sie daran denken, dass hier 26 Partner allesamt gemeinsam ein Verhältnis miteinander eingehen dürfen – vollkommen legal.

Typisch Franzosen!, könnte man jetzt sagen. Und hätte damit auch noch Recht. Dem Drunter und Drüber in der Flasche, schlimmer als in Schnitzlers Reigen, begegnet man in Frankreich sehr viel häufiger als in Deutschland. Hierzulande sind eher reinsortige Weine verbreitet. Riesling. Silvaner. Spätburgunder. Eine Sorte, ein Mann, ein Wort.

Aber wenn wir mal ehrlich sind: Unter der Oberfläche geht’s auch in Deutschland weniger sittenstreng zu, als es nach außen den Anschein hat. Schon die Gutsweine der meisten Winzer sind genau genommen ebenfalls Verschnitte. Vielleicht aus einer Sorte, aber aus unterschiedlichen Lagen, unterschiedlichen Fässern, bisweilen sogar unterschiedlichen Jahren.

Selbst, wenn auf einer Flasche “Riesling” oder sonst eine Sorte vorne groß draufsteht, heißt das noch lange nicht, dass sich nur diese Rebsorte in der Flasche befindet.

Das Weingesetz erlaubt ausdrücklich die Beimengung anderer Sorten bis zu einem Anteil von fünfzehn Prozent. Und zwar: ohne dass dies auf dem Etikett deklariert werden muss. Außen Weißburgunder, innen fünfzehn Prozent Müller-Thurgau. Oder was auch immer. Alles erlaubt.

Verschnitt ist also beileibe nichts Ehrenrühriges. Im Idealfall ist es sogar große Kunst. Dann, wenn es nicht nur darum geht, die Schwächen der einen Sorte durch die Stärken einer anderen auszugleichen.

Sondern wenn etwas etwas Neues entsteht. Ein Wein, ein Geschmack, eine Charakteristik, die keine Rebsorte der Welt alleine schaffen könnte. In solchen Momenten ergibt eins plus eins nicht einfach zwei, sondern drei.

Wie viel Einfühlungsvermögen dazugehört, wie viel Experimentierfreude, wie viel Kunstfertigkeit und vor allem: wie viel Konzentration, das zeigte der gestrige Workshop am praktischen Beispiel.

Eingeladen hatte Inter Rhône, die Vermarktungsgesellschaft der Weine aus dem französischen Anbaugebiet Rhône. Nicht ohne Grund. Die meisten Weine von der Rhône sind Cuvées. Die kunstfertige Assemblage ist hier seit Jahrhunderten Teil der gewachsenen Weinkultur.

Önologe Sebastian Nickel, der den Workshop leitete, hatte drei Weine von der Rhône mitgebracht mit ganz unterschiedlicher Typizität. Einen kirschigen Grenache-Kandidaten, einen würzigen Syrah-Typ und einen im Fass ausgebauten Grenache-Mouvedre-Kollegen.

Nach einer kurzen Einführung in die Prinzipien der Assemblage ging es an die Arbeitsplätze. In vier Gruppen wurden die Basisweine analysiert, dann Mischungsverhältnisse probiert, Ergebnisse diskutiert und mit Prozentanteilen experimentiert.

Welcher Basiswein soll das Rückgrat der Cuvée bilden, also den höchsten Anteil stellen? Wie viel Frucht ist gewünscht, wie viel Säure, wie viel Tannin? Und: Schmeckt das Ergebnis?

Verblüffend, wie sehr sich die Aromen der verschiedenen Mischungen verschieben. Und wie schon wenige Prozentpunkte mehr oder weniger eines Basisweins zu einem ganz anderen Wein führen.

Wichtigstes Arbeitsutensil deshalb neben dem Messzylinder: der Stift für präzise Notizen. Anderenfalls geht man schon nach der dritten Mischung hoffnungslos verloren im Dickicht von Prozentzahlen und Geschmackseindrücken.

Dass jede neue Mischung aufmerksam gekostet werden will, aber nicht unbedingt geschluckt werden muss, versteht sich im professionellen Kontext ohnehin von selbst.

Am Ende hatte jede Arbeitsgruppe ihre ganz eigene Meister-Cuvée gemixt, die dann in großer Runde vorgestellt wurde. Spannend, wie unterschiedlich die Ergebnisse ausfielen. Und welche Beweggründe jeweils auschlaggebend waren.

Die Assemblage ist tatsächlich eine Kunst für sich. Sie kann aus schlechten Weinen keinen guten machen. Aber sie kann aus guten Weinen einen sehr guten neuen entstehen lassen.

Das können Sie übrigens jederzeit selbst zuhause nachvollziehen, wenn Sie mögen. Fangen Sie am besten mit zwei reinsortigen Weinen an: zwei Rebsorten aus dem gleichen Anbaugebiet.

Probieren Sie sie sowohl einzeln als auch fifty-fifty gemixt und dann jeweils ein Drittel zu zwei Drittel. Das macht unterm Strich schon mal fünf verschiedene Weine. Ich verspreche Ihnen, Sie werden Erstaunliches erleben.

Aber falls Sie weitere Gäste zu so einer Probe einladen, denken Sie bitte daran: Nur beim Wein sind mehr als zwei Partner zur Vermählung erlaubt.

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Edgar Wilkening

Juni 9, 2011 Posted Under: Alle, Gusto   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Auf ein, zwei, dreizehn Bierchen mit dem Weltmeister!

Auf ein, zwei, dreizehn Bierchen mit dem Weltmeister!

Autor: Edgar Wilkening | Fotos: Edgar Wilkening
Was ist das Schönste nach einer großen Weinprobe? Alle, die ich kenne, sind sich einig: Man ist so satt von Wein – da ist das Schönste hinterher ein kühles, frisches Bier.

Offensichtlich zu Recht. Denn die immer noch gebräuchliche Unterscheidung zwischen Wein gleich edel und Bier gleich schlicht ist so hanebüchen wie die Unterteilung in U- und E-Musik. Ewiggestrig.

Das zu beweisen hat sich Karl Schiffner zur Aufgabe gemacht. Der Österreicher ist gelernter Sommelier. Und zwar: sowohl für Wein als auch für Bier.

Außerdem übertrumpfte er 2009 bei einem Wettbewerb knapp fünfzig Mitbewerber aus halb Europa. Und trägt seitdem ganz offiziell den Titel “1. Biersommelier Weltmeister”. Umso spannender, ihn persönlich zu erleben: vorgestern bei einem Bierdegustations-Menü im Hamburger Restaurant Pluto.

Und was bitteschön, fragen Sie jetzt vielleicht, haben Omas niedliche Likörgläschen hier beim Thema Bier verloren?

Nix da, Likör! Es handelt sich um speziell designte Bier-Degustationsgläser. Von Karl Schiffner extra für das Verkosten von Bier entwickelt. Weit entfernt vom bayerischen Maßkrug. Aber zum Prüfen und Probieren braucht man nun mal keinen Humpen, genau wie bei Wein. Sondern es reichen, im wahrsten Sinne des Wortes: Bierchen.

Die bauchige Form der Degustationsgläser erlaubt dem Bier beim Einschenken Luftkontakt und damit die Entfaltung der Aromen. Die schmale Taille soll verhindern, dass dabei Kohlensäure entweicht. Und der geschwungene Rand garantiert eine Punktlandung des Bieres direkt an der Zungenspitze, damit ausgehend von dort alle Noten schmeckbar werden.

Biertrinken aus der Flasche? Ein Graus für den Sommelier: “Wer direkt aus der Flasche trinkt, gibt dem Bier keine Chance sich im Mundraum zu entfalten. Übrig bleibt nur das Bittere.”

Trotzdem: Zu kaufen gibt es die Degustationsgläser nirgends. Schiffner nutzt sie exklusiv in seinem Biergasthaus im österreichischen Aigen und bei seinen Verkostungen.

Los ging’s mit einer Blindprobe. Fünf unterschiedliche Biere im Glas, ohne Kenntnis von Brauart, Marke, Herkunft. Unvoreingenommen schauen, riechen, schmecken. Ganz auf die eigenen Sinne reduziert. In Weinrunden passiert einem das öfter. Aber bei Bier?

Probieren Sie’s aus. Selbst ohne Degustationsglas: spannend, wie neu, anders und differenziert man das vermeintliche Allerweltsgetränk wahrnehmen kann.

Dabei waren die Blindproben-Biere noch harmlos. Allesamt nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut und, wie sich herausstellte, aus dem Hause Warsteiner (inklusive König Ludwig), mit dem Biersommelier Schiffner seine Verkostungen in Deutschland durchführt.

Wirklich aufregend wurde es dann beim Aperitif. Der Weltmeister servierte als Auftakt vor dem Menü ein belgisches Himbeer-Bier.

Was war das Ungewöhnlichste am Framboise Boon? Dass es spontanvergoren war? Ein Begriff, der in der Weinszene längst seine Runden zieht – aber bei Bier? Dass während des Brauvorgangs 25 Prozent Himbeeren und 4 Prozent Sauerkirschen zugegeben werden? Dass es ein ausgewiesenes Jahrgangs-Bier war, nämlich von 2008? Dass es in einer schweren Champagnerflasche kam? Dass es in Sektgläsern serviert wurde? Dass man ihm, wie bei guten Weinen, ein Lagerpotenzial von zehn bis fünfzehn Jahren gibt? Oder waren es am Ende doch die verblüffenden, fruchtigen Noten in Nase und Mund?

Biere wie das Framboise Boon stellen offensiv den Sinn des heißgeliebten deutschen Reinheitsgebots in Frage. Was spricht dagegen, einem Bier Früchte, Kräuter oder andere Zutaten mit auf den Weg zu geben, wenn sich daraus solche Geschmacksdimensionen ergeben können?

Deutschland paradox: Natürliche Früchte während des Brauens sind verboten. Aber hinterher künstliche Aromen reinkippen und die Brühe als Mixgetränk unter die Leute bringen ist erlaubt.

Der nächste Hammer war ein Bier, das sich 5 a.m. Saint nennt und von einer kleinen schottischen Brauerei namens BrewDog Brewery stammt. “Beer for punks” haben sich die Macher auf die Fahnen geschrieben und rufen zur “craft beer revolution” auf – aber nur mit besten natürlichen Rohstoffen.

Hätte ich das Getränk blind im Glas gehabt und nur nach dem ersten Eindruck in der Nase bewertet, ich hätte lauthals “Gewürztraminer” in die Runde gerufen: ausgeprägte Rosenaromatik. Aber schon der Blick auf die rotblonde Farbe wollte nicht mehr zur Rebsorte passen. Handelte sich eben doch um Bier. Sehr verblüffend.

Im Mund paarte sich die Rosenaromatik grandios mit Passionsfrucht und der Herbe von Bier. Sehr außergewöhnliches Geschmackserlebnis. Das Geheimnis: amerikanischer Aromahopfen. Wenn Sie mal die Chance haben, Biere von BrewDog zu probieren: unbedingt machen!

Es folgte ein London Porter von Meantime, das mit Röstaromen von Kaffee und Schokolade einen Rinderschmorbraten kongenial zu begleiten wusste.

Dann zwei Trappistenbiere aus den Niederlanden: ein La Trappe Triple, das seine Aromatik von Koriander bezieht, und ein La Trappe Quadrupel, das seinen Geschmack einer Reifung in Eichenholzfässern verdankt. Und weitere …

Insgesamt acht Spezialbiere, die im Rahmen des Menüs ihre erstaunliche Kombinationsfähigkeit mit Speisen unter Beweis stellten. Dazu die fünf Blindproben vom Anfang: macht unterm Strich dreizehn beeindruckende Bierchen mit dem Weltmeister Karl Schiffner. Ein spannendes Erlebnis!

Blieb am Ende nur noch die Frage: Was ist eigentlich nach einer großen Bierprobe das Schönste? Um ehrlich zu sein: Ich war so satt von Bier – mir war nach einem kühlen, frischen Riesling.

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Edgar Wilkening

Januar 16, 2011 Posted Under: Alle, Gusto   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Das vielleicht schönste Weihnachtsgeschenk dieses Jahr? Legt uns ein Brite unter den Tannenbaum

Das vielleicht schönste Weihnachtsgeschenk dieses Jahr? Legt uns ein Brite unter den Tannenbaum

Autor: Edgar Wilkening | Fotos: Bayerischer Rundfunk
Wie viele Präsente türmen sich bei Ihnen dieses Jahr unterm Tannenbaum? Womöglich so viele, dass Sie das vielleicht schönste Weihnachtsgeschenk am Ende glatt übersehen könnten.

Und das wäre schade! Denn es kommt von einem Briten: Stuart Pigott, Weinexperte mit ausgeprägtem Hang zu exaltierten Sakkos.

Verblüffend: Der Engländer hält die deutsche Fahne hoch. Sehr hoch. Höher als viele Deutsche. Jedenfalls, solange es um Wein geht. Statt Chardonnay mit Täterä und Pinot Grigio von irgendwo schwört Pigott auf Riesling aus dem Rheingau, aus Rheinhessen, Rotwein von der Ahr, Süßwein von Mosel, Ruwer, Saar – und dergleichen mehr, was deutsche Weingaue so hervorbringen.

Gaue? Schon der Terminus weckt Erinnerungen an Zeiten, die diesem Land und auch dem Rest der Welt nicht gut bekommen sind. Und just diese Zeiten sind entscheidend mitverantwortlich für den beispiellosen Niedergang deutschen Weins im letzten Jahrhundert.

Zum Beispiel durch Zerschlagung internationaler Handelsstrukturen für deutschen Wein. Denn die meisten waren in jüdischem Besitz. Händler, die oft über Generationen Verbindungen in alle Welt gepflegt hatten, wurden deportiert und ermordet.

Die deutschen Günstlinge, die an ihrer Stelle eingesetzt wurden, zeichneten sich meist vor allem dadurch aus, dass sie weder zu den hellsten Sternen am Abendhimmel gehörten noch ausreichende Erfahrungen und Verbindungen hatten.

Heute kaum mehr vorstellbar, aber noch Anfang des 20. Jahrhunderts war Traben-Trarbach an der Mosel einer der beiden bedeutendsten Weinhandelsorte der Welt: auf Augenhöhe mit Bordeaux. Deutscher Wein genoss Weltruf. Und wurde zu Spitzenpreisen gehandelt, teurer als Bordeaux-Gewächse.

Zwei Vertreter der neuen deutschen Winzergeneration bestätigten das, als ich kürzlich mit ihnen sprach: H.O. Spanier vom renommierten rheinhessischen Weingut Battenfeld-Spanier und Roman Niewodniczanski vom ebenso renommierten Weingut Van Volxem an der Saar.

Unabhängig voneinander berichteten beide von Weinkarten auf historischen Luxuslinern wie der Titanic. Die besten deutschen Weine wurden darin zu Preisen geführt, doppelt, dreifach, vierfach so hoch wie jene Bordeaux-Namen, bei denen heute schon eine einzelne Flasche einen drei- oder gar vierstelligen Betrag fordert. Bordeaux-Weine wurden damals auf den letzten Seiten der Weinkarten geführt. Man bestellte sie, wenn man einfach nur “noch was zu trinken” wollte.

Rund hundert Jahre später ist vom damaligen Glanz deutscher Weine wenig geblieben. Und Traben-Trarbach längst in den Schlaf eines kleinen Provinznests gesunken.

Aber es gibt sie: ambitionierte Winzer, die an frühere Glanzzeiten anknüpfen wollen. Die sich von den Nachkriegsprinzipien ihrer Väter trennen und lieber zurückkehren zur Klasse statt auf Masse zu setzen. Die beiden oben genannten Winzer gehören dazu. Aber sie sind bei weitem nicht allein. Seit fünfzehn, zwanzig Jahren tut sich Erstaunliches in deutschen Weinlanden.

Vom “Weinwunder Deutschland” spricht der Brite Pigott deshalb und ergänzt: “Vor einer Generation gab es zwar gute deutsche Weine, aber man musste unglaublich danach suchen, um ein paar aufzutreiben. Heute gibt es sie in Hülle und Fülle in jeder Preislage!”

Am ersten Weihnachtstag, pünktlich um 16.30 Uhr, legt uns der Bayerische Rundfunk dieses Weinwunder unter den Tannenbaum. Als erste Folge einer TV-Dokuserie, in der Stuart Pigott auf eine Reise quer durch Deutschland geht, um dem deutschen Weinwunder auf die Spur zu kommen.

Thema der ersten Folge: “Die Riesling-Renaissance”. Auch auf die Gefahr, den deutschen Automobilbauern und der deutschen Nationalelf auf die Füße zu treten, behauptet Pigott: “Der Riesling ist eine der bedeutendsten kulturellen Botschaften Deutschlands an die Welt.”

Tolles Statement! Deshalb freue ich mich schon jetzt auf dieses wunderbare Weihnachtsgeschenk. Auf die erste Folge genauso wie auf die weiteren. Die widmen sich Themen wie der deutschen Rotwein-Revolution, der Ökowein-Welle und den jungen Wilden im Wein.

Also, verpassen Sie’s nicht! Bei mir sind schon alle Festplattenrecorder programmiert. Und wenn Sie die Serie sehen: Schreiben Sie mir, wie sie Ihnen gefällt. Am besten für alle lesbar: als Kommentar hier unter dem Posting. Ich freue mich darauf!

Bis dahin schöne Weihnachten und angenehme Festtage!

Feeling fifty-fine –
Edgar Wilkening

“Weinwunder Deutschland” im Bayerischen Rundfunk

Samstag, 25. Dezember 2010, 16:30 Uhr Folge 1: Die Riesling-Renaissance
Pigott: „Der Riesling ist eine der bedeutendsten kulturellen Botschaften Deutschlands an die Welt.“

Sonntag, 26. Dezember 2010, 16:30 Uhr Folge 2: Die Rotwein-Revolution
Pigott: „Deutschland ist nicht mehr die ‘Gruselkammer des rötlichen Weines’.“

Freitag, 31. Dezember 2010, 16:30 Uhr Folge 3: Guter Wein in rauen Mengen?
Pigott: „Gibt es im Supermarkt wirklich gute deutsche Weine? Und zu welchem Preis? Wir verkosten blind.“

Samstag, 1. Januar 2011, 16:30 Uhr Folge 4: Die Ökowein-Welle
Pigott: „Ökologische Lebensmittel gab es noch vor zehn Jahren nur in komischen dunklen Läden, heute in jedem Supermarkt. Ökowein – schmeckt der?“

Sonntag, 2. Januar 2011, 16:30 Uhr Folge 5: Junge Wilde im Wein
Pigott: „Der deutsche Jungwinzer von heute ist eine ganz andere Kreatur als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Für sie oder ihn ist es ganz selbstverständlich, dass Wein ein Teil der Popkultur ist.“

Donnerstag, 6. Januar 2011, 16:30 Uhr Folge 6: Süßwein – ein Herbstmärchen?
Pigott: „Paradox: Der teuerste Wein ist süß, aber der billigste auch. Das ist doch Wahnsinn, das interessiert mich!“

Dezember 22, 2010 Posted Under: Alle, Gusto, Publik   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Machen Sie sich einen großartigen Abend: Falstaff ist da

Machen Sie sich einen großartigen Abend: Falstaff ist da

Autor: Edgar Wilkening | Fotos Cover: Falstaff
Wie war Ihr Abend gestern? Meiner war großartig. Nein, kein Event, kein Sternerestaurant, keine Party. Ich habe den Abend mit etwas verbracht, das sich Falstaff nennt.

Falwas …?

Falstaff. Okay, schräger Name. Klingt nach falsch, Staffage und wer weiß, was noch. Alles daneben. Die wahre Herkunft des kuriosen Namen wird passenderweise in Falstaff selbst gelüftet, auf Seite 16. Und hier sei nur so viel verraten: Es hat was mit Shakespeare und den Adelshäusern des 14. Jahrhunderts zu tun – spannende Geschichte.

Und was ist Falstaff jetzt genau? Falstaff ist das, worauf ich lange gewartet habe: ein intelligentes, schön gemachtes Magazin, das sich den Genusskategorien Essen, Trinken, Wein und Reisen widmet.

Deutlich weniger blasiert als “Der Feinschmecker”, um Längen substanzieller als das Hochglanzheftchen “GourmetReise”, amüsanter als “Effilee”, thematisch breiter als “Vinum” und mit weniger Testosteron als “Beef!”. Unterm Strich: genau meine Kragenweite. Hat mir einen fantastischen Abend beschert gestern beim Lesen, Stöbern, Blättern.

Österreich-Freunde kennen Falstaff vielleicht schon länger. Dort erscheint das Magazin seit 30 Jahren und ist das älteste und auflagenstärkste Genussmagazin. Jetzt also eine Ausgabe extra für die Piefkes: Seit dem 15. September 2010 ist der deutsche Falstaff am Kiosk.

Die Idee dahinter ist ganz einfach: Hierzulande gibt es etwa das Zehnfache an Bevölkerung wie in der Alpenrepublik. Prinzipiell also auch das Zehnfache an potenzieller Leserschaft. So gesehen wirkt die 55.000er Auflage des deutschen Falstaff fast wie ein klitzekleiner Testballon gegen die 35.000 Exemplare in der Heimat des Hefts.

Österreichische Blattmacher, die mit ihrem Heft nach Deutschland drängen? Die Jüngeren zucken da erinnerungslos mit den Achseln. Aber manch Frühergeborenen erinnert das an Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Damals mischten die jungen, wilden Zeitschriften Tempo und Wiener den hiesigen Blätterwald auf, indem sie das Lifestyle-Genre über die Alpen zu uns brachten. Ein Phänomen, das nur knapp ein Jahrzehnt währte. Dann waren beide Blätter, die den Medienmarkt verändert hatten, selber den Veränderungen des Medienmarkts nicht mehr gewachsen. Seit Mitte der 90er leben Tempo und Wiener hierzulande nur noch als Legenden weiter.

Schon damals war klar: Wer hier Leser gewinnen will, muss sie richtig ansprechen. Wortwörtlich. Nicht umsonst behauptet ein geflügeltes Wort: Die Sprache ist nicht das Einzige, was Deutschland und Österreich unterscheidet.

Deshalb wird der hiesige Falstaff konsequenterweise gleich in Deutschland gemanagt. Von der Düsseldorfer Schanzenstraße 56, wo der neue Haupteigentümer des österreichischen Falstaff-Verlags Wolfgang M. Rosam praktischerweise auch gleich den Sitz seiner Holding hat.

Und ebenso konsequent sollen deutsche Schlagworte auf dem Cover den hiesigen Leser locken: deutscher Riesling, deutscher TV-Star, Oktoberfest in Deutschlands Süden. Als ob man ja den Anschein vermeiden wollte, das Magazin könne anderes als deutsche Leser im Auge haben.

Dabei zeigt ein Vergleich der Inhaltsangabe auf der deutschen Webseite von Falstaff mit der Inhaltsangabe auf der österreichischen Webseite: Die Unterschiede zwischen beiden Ausgaben scheinen eher marginal.

Na klar: Das kleine Editorial des Herausgebers (und ehemaligen RTL-Chefredakteurs) Hans Mahr zur deutschen Erstausgabe fehlt logischerweise im österreichischen Pendant. Aber sonst?

Wo hier die Tomaten als “Super Steak vom Strauch” entdeckt werden, kommen sie dort als “Paradiesische Paradeiser” daher. Wo hier im “Gourmetguide” die “spannendsten Restaurants Deutschlands auf dem Prüfstand” stehen, ist es dort “Bachls Sixpack” mit “Sechs Restaurants im Test”. Und dergleichen Lokalkolorit mehr …

Die großen Geschichten von Falstaff sind in beiden Ausgaben gleichermaßen vertreten. Und warum sollten sie auch nicht? So schön erzählt, so lustvoll bebildert, so interessant geschrieben.

Der Bericht über Günther Jauch als Winzer stellt genau die Fragen, die die Boulevardpresse nie interessieren würden. Das Titelthema Trüffel ist so spannend gemacht, dass selbst Trüffelbanausen wie ich es neugierig querlesen. Und dann natürlich “Großstadtreben”: eine Hommage an die Weinberge Wiens, die dann doch keinen Zweifel mehr daran lässt, wo der Falstaff seine Wurzeln hat.

Meine Empfehlung: Machen Sie sich einen grossartigen Abend mit Falstaff. Die deutsche Erstausgabe 01/2010 jetzt für 7,50 Euro am Kiosk.

Insgesamt 180 Seiten im üppigen Großformat 30 mal 23,5 cm. Auf angenehmem Papier, mit tollen Geschichten und Fotos. Und ja, ich finde: auch mit dem typisch österreichischem Charme zwischen den Zeilen. Mir gefällt das.

Jedenfalls freue ich mich schon jetzt auf einen großartigen Abend mit der zweiten Ausgabe. Die kommt am 24. November 2010. Ab 2011 gibt’s den deutschen Falstaff dann sechs Mal im Jahr (gegenüber acht Mal in Österreich). Drücken wir die Daumen, dass es lange so bleibt. Länger als ein Jahrzehnt.

Feeling fifty-fine –
Edgar Wilkening

September 21, 2010 Posted Under: Alle, Publik   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Bordeaux gewinnen! Château Duhart-Milon Rothschild von 1996 für einen Fan-Klick

Bordeaux gewinnen! Château Duhart-Milon Rothschild von 1996 für einen Fan-Klick

Autor: Edgar Wilkening | Foto: Edgar Wilkening
Ein Gewinnspiel als Posting bei fifty-fine? Warum nicht. Vor allem, wenn es kein gewöhnliches Preisausschreiben ist. Sondern von mir persönlich ins Leben gerufen wurde. Dann ist das Grund genug zu berichten, dass man in unserem Alter auch mal so schräge Sachen machen kann wie eine Flasche feinsten Bordeaux-Weins zu verlosen.

Was man tun muss, um sie zu bekommen? Praktisch nix außer einem Klick – und zwar auf den “Gefällt mir”-Button auf der Website Wer kann mir schon Baroli bieten? Die aberwitzigen Abenteuern eines Weinliebhabers. Unter den ersten hundert Facebook-Fans, die “Gefällt mir” klicken, werde ich eine Flasche des 4. Grand Cru Classé Château Duhart-Milon Rothschild von 1996 aus dem legendären Pauillac verlosen.

Robert Parker hat ihm 90/100 Punkte verliehen, Rene Gabriel 16/20, der WineSpectator 89/100. Aber im Handel ist der Wein praktisch nicht mehr zu bekommen. Kein Wunder: 14 Jahre ist eine ordentliche Zeit! Und wenn man ihn doch irgendwo beziehen kann, dann kaum unter sechzig Euro. Gottseidank habe ich noch zwei, drei Buddels davon bei mir im Lager. Also wirklich eine prima Gelegenheit, sich einen tollen Wein zu angeln, oder?

Und warum mache ich das alles? Nun könnte ich erzählen: Weil mir gerade gestern erst wieder die Geschichte einer diplomierten Erwachsenenpädagogin in unserem Alter zugetragen wurde, die der Meinung ist, dass Menschen in unserem Alter es nicht so haben mit PC und Internet und so.

Was für ein Unsinn mal wieder: die eigene Unzulänglichkeit zur Zustandsbeschreibung einer ganzen Generation zu machen. Aber nein, mit diesem ewigen Vorurteil, wir in unserem Alter seien vom Zug der Zeit abgehängte Zurückgebliebene, hat es nichts zu tun. Jedenfalls nicht direkt. Sondern damit, dass ich gerne mal probieren wollte, wie sich die neuen Social-Plugins von Facebook überhaupt in Websites integrieren lassen.

Haben Sie von diesen Applikationen schon gehört oder gelesen? Seit Ende April erst bietet die Social-Network-Plattform Facebook diese kostenlosen kleinen Zusatzprogramme an, mit denen Betreiber von Webseiten ihre Seiten direkt mit Facebook vernetzen können. Nach Meinung vieler Experten markieren diese Plugins die nächste Stufe des Internets. Und werden Facebook zu einer bedeutenderen Internet-Instanz machen als es Google heute ist. Würden Sie das verschlafen wollen? Ich jedenfalls nicht.

Deshalb habe ich vorgestern das Plugin “Gefällt mir”-Button in die Website eingebaut. Gefiel mir aber nicht so. Darum habe ich es heute ersetzt durch das Plugin “Gefällt mir”-Box. Klingt ganz ähnlich, sieht aber viel smarter aus, finden Sie nicht auch?

Und wenn man dann alles ordentlich eingebaut und fein angehübscht hat, dann steht man da mit seinem netten “Gefällt mir”-Plugin – und keiner klickt’s. Und dann? Beleidigt sein? In die Ecke setzen, schmollen? Nix da!

Um etwas Schwung in die Community zu bringen, habe ich unter den ersten hundert Facebookern, die “Gefällt mir” zu den Baroli-Abenteuern sagen, besagte Flasche Bordeaux ausgelobt. Sobald die hundert beisammen sind, wird die Glücksfee zur Tat schreiten und den oder die Glückliche ermitteln. Vielleicht Sie?

Ich drücke Ihnen jedenfalls schon jetzt die Daumen! Und freue mich auf Sie als Leser und Fan der aberwitzigen Abenteuer eines Weinliebhabers.

Feeling fifty-fine –
Edgar Wilkening

PS: Na klar, das wäre der nächste logische Schritt, die “Gefällt mir”-Plugins auch hier auf fifty-fine zu integrieren. Mal schauen, wann ich mich da ransetze …

Mai 22, 2010 Posted Under: Alle, Tipps   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Fabelhaft: Wilhelm Busch im Wasserbad

Fabelhaft: Wilhelm Busch im Wasserbad

Autor: Edgar Wilkening | Foto: Edgar Wilkening
Heute morgen erwartete mich in der Küche ein Wasserbad. Und wird mich womöglich auch noch den Rest des Tages begleiten.

Grund ist ein fabelhalter Fabelhaft von 2007. Der legendäre Wein von Kultwinzer Dirk van der Niepoort. Ein moderner, dichter Wein, im Douro-Tal gekeltert, der so ganz anders ist, als man sich einen portugiesischen vinho tinto gemeinhin vorstellt. Und dann dieses Etikett! Ein echter Hingucker, mit Zeichnungen von Wilhelm Busch.

Meinen Gästen gefiel der Wein jedenfalls so gut, dass sie einmütig forderten, das Etikett müsse aufgehoben werden. Als Erinnerung, als Gedächtnisstütze, als Einkaufshilfe.

Nun, als Gastgeber stelle ich mich den Wünschen meiner Gäste ungern in den Weg. Aber ein Etikett ablösen? Von einer Weinflasche? Im Wasserbad meiner Spüle? Im 21. Jahrhundert?

Kann sein, dass in den Achtzigern oder Neunzigern des letzten Jahrhunderts Etiketten noch mit wasserlöslichem Leim geklebt wurden. Da reichten zehn Minuten nasse Füße und schon trudelte das Etikett von selbst im Wasser rum. Im neuen Jahrtausend werden Etiketten jedoch mit Klebern verarbeitet, die sich jeglichen Wasserlösungsversuchen hartnäckig widersetzen. Weshalb meine Gäste zwar längst gegangen sind, in meinem Spülbecken aber immer noch eine Buddel darauf wartet, dass sich Wilhelms buschiges Etikett wenigstens ansatzweise von ihr lösen möge.

Liebe Gäste, ehe ich noch ein paar Tage warten muss, in denen sich keine Lösung abzeichnet, und damit ich mein Spülbecken wieder für die ihm eigentlich zugedachten Zwecke nutzen kann: Darf ich Euch eine ganz zeitgemäße Erinnerung, Gedächtnisstütze und Einkaufshilfe für den fabelhaften Fabelhaft anbieten? So, wie es sich im 21. Jahrhundert ziemt?

Hier kommt der direkte Link zu Niepoorts Fabelhaft. Okay, auch nicht wasserlöslich, das gebe ich zu. Aber ansonsten in jeder Hinsicht praktischer als ein tagelanges Wasserbad in meiner Küche. Und ich kann endlich die Flasche zum Altglascontainer bringen. Inklusive Etikett.

Feeling fifty-fine –
Edgar  Wilkening

März 13, 2010 Posted Under: Alle, Digi, Gusto   Jetzt Kommentar dazu schreiben