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Was für ein Krimi! Jede Menge Mörder. Und als Ermittler? Kommissar Markt

Was für ein Krimi! Jede Menge Mörder. Und als Ermittler? Kommissar Markt

Autor: Edgar Wilkening | Bilder: Campus-Verlag
Da flatterte mir jüngst ein Buch auf den Tisch mit dem markigen Titel “Nur Tote bleiben liegen”. Man ahnt schon: Es wird sich kaum um einen Gute-Nacht-Schmöker für Kinder handeln oder ein Coffeetable-Book für Kunstfreunde.

Nein, bei einem derart reißerischen Titel darf man einen knallharten Krimi erwarten. Und genau als das entpuppt sich “Nur Tote bleiben liegen” auch. Und was für ein Krimi!

Nach einer wahren Begebenheit, wie es immer so schön heißt. Spielt mitten unter uns, mitten im Deutschland dieser Tage. Und wie es sich für einen richtigen Krimi gehört, gibt’s auch Mörder. Aber nicht einen. Sondern viele. Dutzende. Hunderte. Wahrscheinlich noch viele mehr.

Sie leben mitten unter uns. Aber keinesfalls unerkannt. Sondern gelten als erfolgreiche Manager und Unternehmenslenker. Fahren S-Klasse, X5, Cayenne. Sofern sie es noch können. Denn das Perfide ist: Sie meucheln, was sie nährt. Sie morden die Unternehmen, für die sie tätig sind.

Und wem all das noch nicht sonderbar genug erscheint, dem sei verraten: Ermittler ist kein kauziger Columbo, kein blitzgescheiter Poirot, kein telegenes Tatort-Team. Sondern Kommissar Markt. Sozusagen der Kollege von Kommissar Zufall. Nur weitaus härter, gnadenloser, unbarmherziger.

Wer die früheren Bücher des Duos Anja Förster und Peter Kreuz kennt, wird sich wundern: Haben die beiden umtriebigen Wirtschaftsautoren das Genre gewechselt? Keineswegs.

Förster und Kreuz gelten als Business-Querdenker einer neuen Generation. Sie: ehemalige Accenture-Managerin. Er: früher Senior-Berater bei Andersen Consulting. Heute gemeinsam unterwegs in einer Mission: Manager und Unternehmenslenker wachrütteln aus dem Dornröschenschlaf verkrusteter Strukturen und überholter Denkmuster.

Die Vorgängertitel “Alles, außer gewöhnlich” und “Spuren statt Staub” wurden zu auflagenstarken Bestsellern im Bereich Wirtschaftsbuch. “Nur Tote bleiben liegen” schließt da nahtlos an.

Kernthese: Wir erleben einen dramatischen Wandel von der Industriegesellschaft zur Informationsgesellschaft. Mit dramatischen Folgen für Unternehmen: Wer versucht, mit den Mustern und Strukturen der alten Industriegesellschaft in der neuen Informationsgesellschaft erfolgreich zu sein, wird scheitern.

Was gestern noch ging, geht heute vielleicht gerade eben noch, aber morgen schon gar nicht mehr.

Beispiel hierarchische Strukturen. Im Industriezeitalter war es ein durchaus erfolgreiches Ordnungsprinzip, Mitarbeiter zu Befehlsempfängern zu degradieren. Von oben nach unten wurde hierarchisch durchkommandiert, was wann wie zu tun war.

In sozialen Netzwerken von Wikipedia bis Facebook erleben wir heute das Gegenteil. Kommunikation und Miteinander ohne Zentralismus, ohne klassische Hierarchien, ohne Top-down-Strukturen.

Jeder hat die gleichen Möglichkeiten und Rechte, sich zu äußern, sich zu beteiligen. Nicht wer oben steht in einer traditionellen Hierarchie, hat deshalb auch mehr Bedeutung. Sondern wer Bedeutsames mitzuteilen hat: Neues, Interessantes, Lustiges, Bewegendes, Spannendes, Kurioses. Unabhängig von seinem Status.

Wenn Manager vor diesem Hintergrund an überholten Strukturen, an veralteten Denkmustern festhalten, meucheln sie ihr Unternehmen. Im Prinzip ist es schon tot, es weiß nur noch keiner. Denn der Markt ist ein erbarmungsloser Kommissar. Und überführt – über kurz oder lang – jeden.

Förster und Kreuz prophezeihen: Unternehmen müssen sich künftig als dezentralisierte, ständig in Bewegung befindliche Systeme verstehen, wenn sie im Wettbewerb um Mitarbeiter, Innovationen, Marktanteile und Kunden bestehen wollen.

Was es dazu braucht, ist eine fundamental andere Art des Managements. Eine radikal neue Art des Denkens. Führungskräfte nicht mehr als anordnende Befehlsgewalten. Sondern als soziale Architekten. Als Architekten, die sozialen Raum schaffen im Unternehmen, in dem Mitarbeiter ihr Potenzial entfalten können.

Klingt nach drögem Sachbuch-Schnickschnack? Dann werfen Sie mal einen Blick auf das Cover. So grell wie die das Design, so reißerisch wie der Titel, so provokant wie die Thesen – so unterhaltsam ist das ganze Buch.

Derart rasant geschrieben, dass einem bisweilen der Atem stockt beim Lesen. Erst recht, wenn man Unternehmen kennt, die nach dem alten Muster ticken.

Mancher Krimi, der sich mit diesem Etikett ganz offiziell schmückt, wäre gern so spannend geworden. Und liest sich neben “Nur Tote bleiben liegen” wie die Gebrauchsanleitung für eine Kaffeemaschine. Viel Vergnügen also. Und für alle, die es umsetzen können: auch viel Gewinn.

Anja Förster, Peter Kreuz
Nur Tote bleiben liegen
Entfesseln Sie das lebendige Potenzial Ihres Unternehmens
Campus Verlag (Frankfurt) | 2010 | Gebunden | 24,90 Euro (D)
ISBN 978-3-593-39220-2

November 1, 2010 Posted Under: Alle, Busy, Publik   Jetzt Kommentar dazu schreiben

Kneifen gilt nicht! Wollen Sie die Zukunft etwa den Baggypants-Trägern überlassen?

Kneifen gilt nicht! Wollen Sie die Zukunft etwa den Baggypants-Trägern überlassen?

Autor: Edgar Wilkening | Foto: Edgar Wilkening
Kaum die Fünfziger-Marke geknackt, schon denken Sie an die Rente? Und den Rest sollen die Leute in den Baggypants machen? Was sind Sie denn für ‘ne Schnarchnase! Kommt ja gar nicht in Frage.

Können nicht mal ihre Hosen richtig anziehen, die jungen Leute. Und da denken Sie dran, sich zur Ruhe zu setzen? Die Welt und den ganzen Rest den Jungspunden überlassen? Aus welchem Jahrhundert stammen Sie denn! Die Zeiten sind lange vorbei. Gott sei Dank!

Wer mitten in den Fünfzigern schon davon spricht, wie er die Jahre bis zur Rente überbrückt, schwärmt nur scheinbar von besseren Zeiten. Nicht etwa, weil so was wie Rente heute unsicherer denn je ist. Das ist ein ganz anderes Thema. Sondern weil er sich selbst ein Armutszeugnis ausstellt für die vergangenen zwanzig, dreißig Jahre. Wie dröge müssen die bitteschön gewesen sein, wenn noch drögere Zeiten ein Grund zur Vorfreude sind! Und überhaupt, wer soll das glauben: die letzten drei Jahrzehnte vergrützt, aber irgendwann die Kurve kriegen wollen?

Ich persönlich halte es da eher mit dem, was ich jüngst im KulturSPIEGEL gelesen habe. In der Rubrik “Mit 17 hat man noch Träume” des Hefts 1/2020 fand sich ein Interview mit Designerin Diane von Fürstenberg, einer Dame von der ich – ich gestehe! – bis dato noch nie gehört hatte. Umso mehr wird sie mir jetzt in Erinnerung bleiben.

Denn was antwortet die Dame, mittlerweile 63, auf die Frage: “Was war die schönste Zeit Ihres Lebens?”

“Komischerweise glaube ich, die ist jetzt.”

Ist das eine coole Antwort? Klasse! Lichtjahre entfernt von deutschem Jammerlamento. Und was sagt Frau von Fürstenberg, warum ausgerechnet jetzt, mitten in den Sechzigern, ihre schönste Zeit ist? Vor allem auch, weil sie “wahnsinnig gern in meiner Firma” arbeitet.

Kein Gedanke an Rente und zur Ruhe setzen. Sondern Gestaltungswille, Lust am Machen, Visionen realisieren. Mich hat das mächtig beeindruckt. Großartig. Weil es so ein fantastischer Gegenentwurf ist zu all jenen, die wie das berühmte Kaninchen vor der Schlange bewegungslos der Rente entgegen starren.

Die aktuelle Kollektion von Diane von Fürstenberg hier. Sehenswert! Und hier das gesamte Interview.

Feeling fifty-fine –
Edgar Wilkening

April 2, 2010 Posted Under: Leben   Jetzt Kommentar dazu schreiben